OBERDORF / LUZERN: Polizist vom Dienst suspendiert

Die Verurteilung von zwei Polizisten im Zusammenhang mit dem tödlichen Sprengunfall von Oberdorf im Jahr 2009 ist definitiv. Das entschied das Bundesgericht letzte Woche. Jetzt wurde der 62-jährige Polizist vom Dienst suspendiert.

Drucken
Teilen
Die Zündkapsel sprengte beim Unfall in Oberdorf Teile des Asphalts weg. (Bild: Archiv Kapo Nidwalden)

Die Zündkapsel sprengte beim Unfall in Oberdorf Teile des Asphalts weg. (Bild: Archiv Kapo Nidwalden)

Adi Achermann, Kommandant der Luzerner Polizei, hat den 62-jährigen Kursleiter und Offizier der Luzerner Polizei per sofort suspendiert. «Ich bedauere diesen Entscheid sehr, er ist allerdings aufgrund unserer Personalvorschriften und Dienstbefehle unerlässlich», wird Adi Achermann in einer Mitteilung vom Montag zitiert. Die Luzerner Polizei hält fest, dass der Polizeioffizier mit grossem Engagement während Jahrzehnten und in verschiedenen Bereichen wichtige Beiträge zur Professionalisierung der Polizeiarbeit geleistet habe. Der Kommandant hat den Offizier am Samstagmorgen über die Massnahme informiert.

Bei dem Unfall auf dem Kasernenareal Wil in Oberdorf war im April 2009 ein 33-jähriger Polizist von der Kantonspolizei Basel-Stadt gestorben. Als Teilnehmer eines Sprengkurses hatte er Zündmittel für eine Prüfung aus einem Sack herausgenommen, worauf alle vorhandenen Sprengmaterialien explodierten.

Bedingte Geldstrafen

Ein weiterer Polizist wurde schwer verletzt, mehrere Personen in der Umgebung erlitten Trommelfellprobleme. Das Bundesstrafgericht sprach den Leiter des Kurses und den Materialverantwortlichen 2012 der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Sprengstoffe ohne verbrecherische Absicht schuldig.

Es verurteilte sie zu bedingten Geldstrafen von 160 und 130 Tagessätzen. Die Richter in Bellinzona erachteten es für erwiesen, dass unsachgemässe Aufbewahrung des Sprengmaterials und fehlende Kontrolle beim Einsatz zur tödlichen Explosion führten. Die beiden Beschuldigten seien durch jahrelange Routine gefahrenblind geworden.

Unkontrollierbares Risiko

Das Bundesgericht hat die Beschwerden der Männer nun in den Hauptpunkten abgewiesen und die Urteile des Bundesstrafgerichts bestätigt. Laut den Richtern in Lausanne mussten sie aufgrund der Umstände geradezu mit einem Zwischenfall rechnen.

Gemäss dem Urteil haben sie ein nicht mehr kontrollierbares Explosionsrisiko geschaffen, indem sie alte oder zu Übungszwecken bereits benutzte Zündmittel mit zum Teil geöffneten Sprengkapseln ohne jegliche Sicherheitsvorkehren verwendet haben.

Nicht zu beanstanden ist laut Bundesgericht die nur von einem der Verurteilten angefochtene Strafzumessung sowie die an die Angehörigen des Getöteten zu zahlende Genugtuung über 106'000 Franken.

sda/rem