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OBERGRUND: Villa soll aus rein wirtschaftlichen Gründen abgerissen werden

Der umstrittene Neubau im Villenquartier ist gemäss Bund «nicht erlaubt». Auch aus baulicher Sicht wäre eine Sanierung der 128-jährigen Villa problemlos möglich. Doch die Stadt gewichtet die finanziellen Interessen höher.
Das Gebäude an der Obergrundstrasse 99 in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (3. April 2017))

Das Gebäude an der Obergrundstrasse 99 in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (3. April 2017))

Der geplante Abriss einer Villa im Luzerner Obergrundquartier gibt weiter zu reden. Kritiker werfen dem Eigentümer vor, er lasse die Villa absichtlich verlottern, um sie abreissen und einen Neubau hinstellen zu können. Die Stadtbehörden haben für den Abbruch eine Bewilligung in Aussicht gestellt, da eine Sanierung der Villa für den Eigentümer unzumutbar sei (Ausgabe von gestern).

Damit verstösst die Stadt ­allerdings gegen ihre eigenen Grundsätze, wonach das Villenquartier im Obergrund in der Ortsbildschutzzone B eingetragen ist. Ein Abbruch ist dort nur in Ausnahmefällen erlaubt. Noch weiter geht das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder (Isos). Dort sind die Obergrund-Villen ebenfalls eingetragen – und zwar in der obersten Kategorie, mit Erhaltungsziel A. Das bedeutet: Abbruch bestehender Häuser ist verboten, Neubauten ebenfalls. Falls übergeordnete Interessen dafür sprechen, kann von diesen Grundsätzen aber abgewichen werden.

Das Isos-Inventar attestiert dem Villenquartier eine architektonische Qualität, die es zwingend zu erhalten gelte. Als «Zückerchen» für diese strengen ­Auflagen gewährt der Bund den Eigentümern diverse Erleichterungen. So können beispielsweise die Brandschutzvorschriften gelockert werden. Zudem schlägt der Bund den zuständigen Behörden vor, Steuererleichterungen für Umbauten zu gewähren.

Neubau ist trotzdem lukrativer

Das sind handfeste finanzielle Argumente, die auch im Fall der 128 Jahre alten Villa an der Obergrundstrasse 99 für eine Sanierung sprechen würden. Trotzdem ist davon auszugehen, dass ein kompletter Neubau für die Besitzerin Bodum AG insgesamt lukrativer wäre. Ein neues Wohnhaus könnte grösser gebaut und vor allem auch effizienter genutzt werden als die alte Villa.

Die Stadt ist offenbar bestrebt, der Bodum AG keine Steine in den Weg zu legen, damit sie die lukrativere Neubauvariante realisieren kann. Im Gegenzug wird Bodum einige Arbeitsplätze nach Luzern verlegen. Konkret plant die Trienger Firma in der Nachbarvilla an der Obergrundstrasse 101, die ebenfalls ihr gehört, Büroräumlichkeiten einzurichten.

Der Abriss an der Obergrundstrasse 99 lässt Fragen offen, die nun auch die Politik beschäftigen. Die SP hat im Stadtparlament eine Interpellation ein­gereicht. Sie will vom Stadtrat wissen, welche Mittel er zur Verfügung hat, um das Verlottern von Häusern zu verhindern. So fragt die SP etwa, wie man Eigentümer dazu verpflichten kann, ihre Liegenschaft adäquat zu unterhalten. Eine Antwort auf diese Frage gibt das kantonale Planungs- und Baugesetz. In Paragraf 141 heisst es: «Bauten und Anlagen und ihre Umgebung sind zur Wahrung eines schutzwürdigen Orts- und Landschaftsbildes in gutem Zustand zu erhalten.» Was passiert, wenn sich jemand nicht an diese Vorgabe hält, wird allerdings nicht weiter ausgeführt.

Der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner verteidigte gestern in unserer Zeitung die Neubaupläne. Der schlechte Zustand der Villa sei nicht Bodum anzulasten, sondern dem Vorbesitzer, der das Gebäude 2014 verkaufte. Dieser war 12 Jahre lang im Besitz der Villa und nahm unsachgemässe Eingriffe und Umbauten vor. Ob die Stadt damals davon Kenntnis hatte, bleibt offen. Gleichzeitig waren die Eingriffe aber nicht so gravierend, dass sich ein Abriss aus baulicher Sicht aufdrängt. Eine Sanierung unter Beibehaltung von Fassade und Rohbau wäre problemlos möglich. Bei der Stadt betont man denn auch, dass eine Sanierung aus rein wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar sei. Und diese Gründe wiegen für die Stadt offenbar höher als die Schutzwürdigkeit der Villa.

Weitere historische Häuser verfallen

Dass vernachlässigte Gebäude das Strassenbild trüben, kommt immer wieder vor. Im selben Villenquartier im Obergrund befindet sich ein weiteres historisches Wohnhaus, das ebenfalls Schutzstatus geniesst. Seit einem Brand im Dachstock Anfang 2012 ist das Haus eine Ruine. Besonders spektakulär ist der Fall der Villa Landenberg in Sarnen. Diese gehörte zu den schönsten Gebäuden des Obwaldner Hauptorts. Seit über 20 Jahren liegt die Besitzerin der denkmalgeschützten Villa im Streit mit den Behörden, welche einen Abbruch und Neubau verbieten wollen. Durch Vernachlässigung wurden neue Tatsachen geschaffen: Teile der Villa stürzten vor einigen Jahren in sich zusammen – womit sich ein Abbruch nun doch aufdrängt.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Verhaftungen und ein Postulat Hausbesetzung  

Neben der abzubrechenden Villa an der Obergrundstrasse 101 befindet sich ein weiteres Gebäude, das sich im Besitz von Bodum befindet. Diese Villa war seit vergangenem Freitag von Hausbesetzern in Beschlag genommen. Am Dienstagnachmittag löste die Polizei die Besetzung auf und nahm vier Personen fest. Im Laufe des Dienstagabends versammelten sich dann rund ein Dutzend Personen aus der Besetzerszene vor dem Polizeihauptgebäude in Luzern, um die Freilassung der Verhafteten zu fordern. Kurz vor Mitternacht drohte die Situation zu eskalieren. Die Polizei intervenierte deshalb mit einem grösseren Aufgebot und nahm mehrere Personen in Gewahrsam.

Im Nachgang an die Räumung hat die SP nun im Stadtparlament ein Dringliches Postulat eingereicht. Sie fordert, dass Räumungen von besetzten Häusern nur noch dann erlaubt sein sollen, wenn klar ist, wie das Gebäude künftig genutzt wird. (rk)

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