OBERKIRCH: Schauspieltalent lebt den Bühnentraum

Auf der Bühne des Stadttheaters Sursee hat Fabio Arnold (12) alles im Griff. Seine ersten Schauspielerfahrungen verdankt er dem Weltstar Udo Jürgens.

Ernesto Piazza
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Bereit für die Bühne: Fabio Arnold in der Garderobe des Stadttheaters Sursee. (Bild Boris Bürgisser)

Bereit für die Bühne: Fabio Arnold in der Garderobe des Stadttheaters Sursee. (Bild Boris Bürgisser)

Ein kurzer Blick in die leuchtenden Augen des 12-jährigen Fabio Arnold genügt. Unschwer lässt sich feststellen: Es ist eine besondere Beziehung zwischen ihm und der Schauspielerei. «Die Bühne ist meine Welt», sagt der Schüler der 6. Primarklasse mit einer Selbstverständlichkeit, welche nicht den geringsten Zweifel aufkommen lässt. «Die Schauspielerei bedeutet alles für mich.»

Auch deshalb kostet der Oberkircher noch bis Ende März im Stadttheater Sursee jeden Moment seiner Auftritte vor heimischem Publikum aus. Die Solistenrolle des Zahlmeisters im Musical «Anything Goes» von Cole Porter scheint denn auch perfekt auf ihn zugeschnitten.

Schule und Bühne

Im Stück tritt er – wenn der Kapitän einmal nicht präsent ist – gerne als Chef auf. Er lässt aber nicht nur die Matrosen nach seiner Pfeife tanzen. Auch die übrigen Personen der bunt zusammengewürfelten Reisegruppe auf dem Motorschiff «Amerika» hat er stets im Griff. Das Stück führt übrigens in die Dreissigerjahre zurück und spielt sich auf einem Kreuzfahrtschiff während der Überfahrt von New York nach London ab.

Fabio Arnold steht gerne im Mittelpunkt, wie er sagt. «Und in meinem Leben dreht sich momentan viel um die Schauspielerei.» So stehen aktuell neben der Schule jede Woche auch drei Vorstellungen im Stadttheater Sursee auf seinem Programm. Trotzdem kennt Fabio Arnold keinen Stress. «Am liebsten würde er sogar jeden Abend auf der Bühne stehen», sagt Mutter Ursula. Der 12-Jährige hat gelernt, mit der Doppelbelastung Schule und Schauspielerei umzugehen. Nicht zuletzt, weil er sowohl von seiner Lehrerin Sarah Trüssel wie auch von den Eltern bei seiner grossen Leidenschaft unterstützt wird.

Steile Karriere

Trotz seines aktuellen Erfolgs bleibt Fabio mit beiden Füssen fest auf dem Boden. Neben seinem momentanen Auftritt im Stadttheater Sursee spielte er bereits von November 2012 bis Juni 2013 in Udo Jürgens Musical «Ich war noch niemals in New York» auf der Zürcher Bühne des Theaters 11. Dort bekleidete er die Rolle des Florian. Die Initialzündung dazu gab ihm ein Inserat in der Zeitschrift «Spick», in der jemand für diese Bubenrolle gesucht wurde. Seine Mutter erinnert sich: «Fabio kam zu mir und sagte: ‹Mami, sie suchen mich.›» Für den 12-Jährigen begann daraufhin schon bald der lange Prozess des Vorsingens und Vortanzens. Seine Eltern übernahmen in dieser Zeit immer wieder den Fahrdienst zwischen Zürich und Oberkirch.

Nach diversen Castings blieben letztlich von ursprünglich hundert Bewerbern noch deren zehn übrig. Sie teilten sich die Rolle über die ganze Spielzeit. Fabio war ebenfalls mit dabei. Neben im Schnitt zwei Auftritten pro Woche kamen noch diverse sogenannte Stand-by-Daten dazu. «In Zürich erlebte ich einen super Einstieg», erinnert er sich gerne an eine zwar intensive, aber höchst interessante Zeit zurück. Zudem sind neben vielen positiven Erinnerungen auch Kontakte zu einigen Profischauspielern bis ins benachbarte Ausland geblieben. Doch damit nicht genug: Nach Zürich folgte im vergangenen Sommer in einem fast nahtlosen Übergang sein Engagement bei den Thunerseespielen. Im Berner Oberland wurde nämlich Friedrich Dürrenmatts Klassiker «Der Besuch der alten Dame» als Musical aufgeführt.

Textsicher – fast immer

Fabio Arnold kann für sich das Privileg in Anspruch nehmen, problemlos Texte auswendig zu lernen. «Ich habe während der Herbstferien das ganze Buch von ‹Anything Goes› gelesen.» Mittlerweile kennt er alle Passagen des Stücks auswendig.

Und er kennt auch keine Angst davor, den Text mal vergessen zu können, obwohl er ohne «doppelten Boden» auf der Bühne steht. Erst einmal habe er – in Zürich – einen kleinen textlichen Verdreher gehabt. «Wobei aber niemand etwas bemerkte», sagt er. «Ich bin vor den Auftritten auch nie nervös.»

Ganz besonders freut er sich jeweils auf das Ende des Stücks – und auf die positiven Reaktionen des Publikums. «Applaus ist der Lohn für meine Arbeit», sagt Fabio Arnold.

Auch Zukunft gehört der Bühne

Und so spielt er aktuell mit viel Herzblut im Stadttheater Sursee. Wobei die Anfrage für das Musical «Anything Goes» für ihn in einem Moment kam, in dem er schauspielerisch eher etwas kürzertreten wollte. Letztlich konnte er sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Und so folgten bis zur Premiere über 30 weitere Proben. Die meisten fanden auf der Originalbühne statt. Während der Weihnachtsferien war Fabio sogar fast täglich im Stadttheater anzutreffen.

Auch seine weiteren Zukunftspläne hat Fabio Arnold, der mit Marco (14) und Michèle (22) noch zwei Geschwister hat, bereits in seinem Kopf festgeschrieben: Nach der Primarschule, in der er übrigens in der Musikschule bereits eine Ausbildung in Stimmbildung und Keyboard geniesst, will er an die Kanti. Später soll eine erfolgreiche Matura folgen. «Und dann möchte ich, wenn immer möglich, versuchen, mich der Schauspielerei zu widmen.»

Bild: Roberto Conciatori
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Bild: PD / Roberto Conciatori
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