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OBERNAU: Er kämpfte sich in ein neues Leben

Roger Stutz (37) war ein ängstliches Kind. Widerwillig lernte er Kung-Fu – nun ist er ein Meister der Kampfkunst und Shaolin-Mönch.
Roger.rueegger@luzernerzeitung.ch
Roger Stutz (37) ist buddhistischer Mönch und betreibt in Obernau eine Kung-Fu-Schule. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 7. April 2017))

Roger Stutz (37) ist buddhistischer Mönch und betreibt in Obernau eine Kung-Fu-Schule. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 7. April 2017))

Die Lage des Shaolin-Chan-Tempels in Obernau ist so speziell wie die Geschichte seines Gründers Roger Stutz (37). Er reiste mit 22 nach China, um sich im Shaolin-Kloster von Mönchen im Kung-Fu unterrichten zu lassen und nach ihren Gesetzen zu leben. Während das Kloster in China im Gebirge Songshan gebaut wurde, liegt der hiesige Tempel wenig idyllisch auf dem Dach eines Gebäudes im Industriegebiet.

Der Tempel ist trotz Weg­beschreibung – wie das Kloster in den Bergen – nicht leicht zu finden, obwohl bei der Auffahrt zum Dach ein Schild mit der Aufschrift «Shaolin-Tempel» angebracht ist. Die Rampe durchläuft verschiedene Etagen mit mehreren Abbiegemöglichkeiten. Die Anfahrt ist wie sinnbildlich für den Weg, den Stutz auf sich nahm, als er Erleuchtung im Kloster suchte. Er musste seine Reise in die Provinz Henan mühsam zusammenstellen.

Dass es ihn dorthin zog, basierte auf einem Zufall. «Ich war ein ängstliches Kind. Meine Eltern suchten für mich einen Sport, der mir gefallen könnte. Aber es fand sich nichts. Fussball und Judo sagten mir nicht zu», sagt Stutz, dessen chinesischer Name Li Fei Long lautet. Seine Mutter habe im TV oft die Serie «Kung Fu» geschaut und gefunden, das sei das Richtige für ihren Sohn. Roger sagte, im Wissen, dass es in der Region keine Kung-Fu-Schule gab, dass er sich dafür interes­siere. In Wahrheit hatte er keine Lust. «Ich hatte Angst vor dem Ungewissen und ging nicht gern weg von daheim.»

Als in Littau unverhofft eine Kung-Fu-Schule öffnete, musste er wohl oder übel beitreten. Zwei Jahre trainierte der Achtjährige widerwillig mit Erwachsenen. Dann erst erwachte in ihm die Leidenschaft für diesen Sport und damit für den Buddhismus. Kung-Fu mit Buddhismus zu verbinden sei eine Notwendigkeit. «Für mich ist das wichtigste Argument, warum Kung-Fu-Praktizierende sich mit den Lehren des Buddha auseinandersetzen, dass sämtliche Unruhen, Beschwerden, zornige Verhaltensweisen und unkontrolliertes Verhalten im Inneren entstehen. Ist der Geist nicht klar und rein, wird es auch der Körper nicht sein.»

Der Brief aus China veränderte alles

Als die ersten Shaolin-Mönche auf Welttournee gingen, um Kung-Fu populär zu machen, ergab sich für Stutz die Gelegenheit, ein Training unter Leitung der Mönche zu absolvieren. «Es war das Grösste, Shaolin-Mönche live zu sehen. Zudem wurde bei den Trainings, bei denen 200 Schüler in Europa teilnahmen, den besten in Aussicht gestellt, sich in China unterrichten lassen zu können.» Stutz hatte die Sache längst vergessen, als zwei Jahre später ein Brief aus China kam. «Ich war einer von drei Ausgewählten. Meine Freude war riesig, die Angst vor dem Ungewissen ebenso», schildert er den Moment, an dem sich sein Leben veränderte.

Ehe er sich auf den Weg machte, dauerte es sieben Jahre. Seine Beziehung mit der langjährigen Freundin ging zu Ende, für Stutz brach eine Welt zusammen. «Das war der Moment, an dem ich mich bei Familie und Freunden verabschiedete. Ich musste nur herausfinden, wie ich nach Shaolin komme, denn ich wusste nur den Namen des Dorfes und dass die Ausbildung in dem Kloster so hart sein muss wie in der Fremdenlegion.»

Es war härter. Als Stutz beim Kloster eintraf – ein deutschsprachiger Chinese holte ihn beim Flugplatz ab – realisierte er, dass er keine warme Kleidung hatte. Die Temperaturen lagen oft im Minus. Heizung oder Schutz vor Kälte gab es nicht. Hinzu kam, dass der Neue diskriminiert wurde. «Das lag nicht an meiner Person, die Regeln besagen, dass die Rangniedrigsten sich ihre Rechte verdienen müssen. Ich war überfordert und wollte jeden Tag nach Hause.» Die Trainings seien extrem gewesen. Der Körper blau von Schlägen. Wer sich verletzte, wurde verarztet und musste weiter trainieren.

Nach wenigen Monaten musste Stutz im Frühling aus dem Kloster flüchten, weil Soldaten das nahe Dorf gewaltsam räumten und seine Sicherheit als Fremder bedroht war. Sein Grossmeister Shi De Feng, heute ein Freund von Stutz, schickte ihn fort. Stutz flüchtete 90 Kilometer zu Fuss. Dabei erlebte er, wie Wegelagerer einen Mann zu Tode steinigten, um sein Essen zu stehlen. Auch Stutz war hungrig. Er ass ­alles, was er als essbar erachtete.

Zurück in der Schweiz, stellte sich die Frage, ob er alles über den Haufen werfen solle oder später wieder nach China reisen. Im Herbst kehrte er für einige Monate zurück. Seither reist er regelmässig nach China. Im Jahr 2000 eröffnete er eine Kung-Fu-Schule, an der über 200 Männer, Frauen und Kinder trainieren.

Als buddhistischer Mönch ordiniert

Er hat sich in 30 Jahren ganz dem Shaolin-Kung-Fu verschrieben. Seine Frau Sabine ist ebenfalls ­aktiv und erreichte nationale und internationale Titel. Das Paar hat zwei Kinder. Inzwischen baute Stutz eine Partnerschule in China auf, an der sein Meister unterrichtet. 2006 wurde der Luzerner als buddhistischer Mönch ordiniert, ein Jahr später eröffnete er den Shaolin-Chan-Tempel in Obernau. Über das Kung-Fu hat er nun ein Buch mit dem Titel «Die Tugenden des Shaolin Kung Fu» geschrieben. «Eigentlich fand ich mich zu wenig wichtig dafür. ­Zudem gibt es 1000 Bücher über Shaolin und Kung-Fu. Aber immer wieder motivierten mich Leute, auch mein langjähriger Schüler Claudio Brentini, meine Gedanken niederzuschreiben.» Am Sonntag ist er Gast in der SRF-Sendung «Aeschbacher».

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Verlosung

Buch von Roger Stutz
Wir verlosen zwei Exemplare des Buchs «Die Tugenden des Shaolin Kung Fu» von Roger Stutz.

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