Kommentar
Oberstes Gebot im Umgang mit Angeboten für Kinder: Hinschauen

Nach Missbrauchsvorwürfen in Deutschland ist das pädagogische Konzept Original Play in Verruf geraten. Sämtliche Anbieter von Anlässen für Kinder unter Generalverdacht zu stellen, wäre nun aber falsch.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Die Nachricht erschüttert: In Kitas in Deutschland stehen Missbrauchsvorwürfe im Raum. Bei speziellen Spielanlässen sollen sich Erwachsene an Kindern vergangen haben. Hinter diesen steht Original Play, eine weltweit tätige, private Organisation, die sich dem «urtümlichen Spielen» verschrieben hat. Die Idee: Beim Raufen und Balgen mit Erwachsenen sollen Kinder laut Webseite lernen, mit «Konflikten und Rivalität» umzugehen; «gute von schlechten Berührungen zu unterscheiden». Der amerikanische Entwickler Fred O. Donaldson verkauft die inszenierte Rangelei als pädagogisches Konzept, verunsicherte Eltern wittern ein Einfallstor für Pädophile.

Die Schlagzeilen werfen Schatten bis in die Schweiz: Auch in den Kantonen Bern und Luzern waren diese Woche solche Spielanlässe geplant. Fremde Erwachsene hätten auf Matten mit Schülern herumgetollt. Hätten. Aufgrund der Medienberichte aus dem Nachbarland haben die Rektorate die Reissleine gezogen. Zu Recht. Denn: Erstens sind Kinder besonders schutzbedürftig. Und zweitens haben solch umstrittene Anlässe eines privaten Netzwerks nichts an einer öffentlichen Institution zu suchen. Alle Anbieter von Veranstaltungen für Kinder nun unter Generalverdacht zu stellen, wäre gleichwohl falsch: Es gilt vielmehr, die jeweiligen Repräsentanten kritisch zu prüfen, Referenzen und Zeugnisse einzuholen. Und vor allem: hinzuschauen. Denn der grösste Fehler ist es noch immer, vor Unrecht die Augen zu verschliessen.