Obrist interior aus Inwil beschenkt sich zum 125-Jahre-Jubiläum mit alter Ladentheke

Die Obrist interior AG aus Inwil wird 125 Jahre alt. Zur Feier beschenkt sich die Innenausbaufirma selber mit einer Ladentheke aus dem Jahr 1949.

Stephan Santschi
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Inhaber der Obrist interior AG Stefan Slamanig und Marketingleiterin Susanne Feierabend vor der im Jahr 1949 von Obrist hergestellten Ladentheke.

Inhaber der Obrist interior AG Stefan Slamanig und Marketingleiterin Susanne Feierabend vor der im Jahr 1949 von Obrist hergestellten Ladentheke.

Bild: PD

«Uns gibt es ja schon ewig», sagt Stefan Slamanig mit einem Lachen und betont: «125 Jahre haben eine grosse Bedeutung. Wir sind so alt wie der Schweizerische Fussballverband, selbst Coca-Cola ist nur drei Jahre älter.» Slamanig ist Inhaber und Verwaltungsratspräsident der Obrist interior AG, die 2018 von der Luzerner Reussinsel nach Inwil gezügelt ist. Dort befindet sich im Empfangsbereich seit kurzem ein Möbelstück, das symbolisch für die eigene Geschichte und für die Verbindung von Tradition und Moderne stehen soll.

Die Rede ist von einer Ladentheke, die 1949 für ein Optikergeschäft in Genf hergestellt worden war und die man nun nach dessen Schliessung für einen symbolischen Betrag zurückgeholt hat. «Schauen Sie auf die vielen Schubladen und die Zinkenherstellung – das macht man heute nicht mehr», schwärmt Slamanig. Nicht verändert hat sich im Hause Obrist hingegen der Qualitätsgedanke. So leidenschaftlich wie Gründer Franz Josef Obrist ab 1895 in seiner kleinen Werkstatt die Handwerkskunst pflegte, so hochwertig sind heute die exklusiven Produkte der modernen Laden- und Innenausbaufirma mit 60 Mitarbeitern. «Wir zählen in einer Nische weltweit zu den Besten», erzählt Slamanig.

Wenn ein ganzer Laden einfach weggefegt ist

Die Nische, die der 56-jährige Inwiler anspricht, bezieht sich auf die Inneneinrichtung von Luxusläden der Uhren- und Schmuckbranche. Egal ob in den USA, in England, Indien oder Oman – die Kunden kaufen nicht mehr nur einzelne Ausstellungsvitrinen, sondern bestellen beim Zentralschweizer Spezialisten gleich das gesamte Interieur. Auch im Innenausbau für Privatkunden macht sich die Firma seit kurzem einen Namen. Materialien wie Holz, Glas, Metall und Stein werden dabei zu prächtigen Unikaten kombiniert. «Logistisch ist das nicht immer einfach», sagt Slamanig und berichtet von einem Auftrag an der 5th Avenue in New York City. «Während wir hinter einer Plastikwand den Einbau machten, verkauften die Angestellten daneben Uhren im Wert von mehreren zehntausend Franken. Bei den horrenden Ladenmieten konnten sie sich keine Pause leisten.»

Herausfordernd wird es auch dann, wenn Naturkatastrophen ganze Projekte lahmlegen. «Als wir mit der Einrichtung auf den britischen Jungferninseln in der Karibik eintrafen, hatte ein Hurrikan den Laden unseres Kunden weggefegt.» Seine Mannschaft begab sich mit dem nächsten Schiff auf den Heimweg, nach dem Wiederaufbau zwei Jahre später konnte die Einrichtung des Geschäfts dann aber doch noch vollzogen werden.

Die Ladentheke wurde von Obrist für ein Optikergeschäft in Genf hergestellt.

Die Ladentheke wurde von Obrist für ein Optikergeschäft in Genf hergestellt.

Bild: PD

Obrist soll in der Schweiz bleiben

Speziell sind die äusseren Bedingungen auch jetzt und dies nicht nur in Übersee. Die Coronakrise setzt der Obrist interior AG zu. «Projekte sind abgesagt oder gestoppt und auf unbestimmte Zeit verschoben worden», berichtet Slamanig. Mit der Verschiebung der Baselworld-Messe verlor sein Unternehmen einen über eine Million Franken dotierten Auftrag, ein anderer Grossauftrag sei in Wartestellung. Ein Teil der Produktion befindet sich nun in Kurzarbeit, auch die Geschäftsreisen des Chefs zur Kundschaft in alle Welt sind sistiert. «Uns trifft die Coronawelle intensiv, wie andere Firmen auch. Es wird herausfordernd, unsere Liquidität kurz- und mittelfristig sicherzustellen», sagt Slamanig. «Doch jammern bringt nichts. Wir werden da gestärkt rauskommen, wir nutzen es als Chance für Neues.» Seine Mitarbeiter habe er jedenfalls schon angewiesen, die Zeit zur Entwicklung von innovativen Ideen zu nutzen.

Unvermindert hoch bleiben sollen derweil das Qualitätsverständnis, die Termintreue und die transparente Kommunikation. Auch den Werkplatz Schweiz gebe man nicht auf. «Ich verbessere lieber unsere Cleverness und Effizienz, als in billigere Produktionsstätten im Ausland zu investieren», sagt Slamanig und fügt an: «Begeisterung für das Neue und Achtung vor dem Althergebrachten schaffen langjährigen Erfolg.» Der Zeitzeuge aus dem Jahr 1949 wird ihn fortan an diese Maxime erinnern.