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Kolumne

Obsessionen

Einblicke
Christian Peter Meier, Leiter Storypool
Christian Peter Meier

Christian Peter Meier

Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein: Jeder Kolumnist hat offenbar in diesen turbulenten Zeiten mindestens einmal über ihn zu schreiben. Ich habe bisher widerstanden, will dem Auftrag nun aber doch nachkommen. Nicht, dass es dafür plötzlich noch zu spät ist!

Lassen Sie mich also in diesem Zusammenhang von einer Obsession sprechen. Also von einer Zwangshandlung. Nicht wenige glauben ja, eine solche bei Medienschaffenden zu diagnostizieren. Und zwar unterlägen die Journalisten dieser Obsession im Umgang mit mehreren umstrittenen Staatsführern, vor allem aber jenem bestimmten. Das führe dazu, dass diese Männer von morgens bis abends medial begleitet würden. Buchstäblich jeder ihrer Schritte werde kommentiert, vor allem aber jene jener Person.

Ob das so stimmt? Leidet der Journalismus tatsächlich an einer quasi pathologischen Fixierung auf Potentaten und deren Aktivitäten? Und wenn ja: Betrifft die Krankheit nur Medienschaffende, oder sind allenfalls auch die Konsumenten davon betroffen? Also zum Beispiel Sie? Ich kann ja nur für mich sprechen: Aber als Leser vieler Zeitungen und Newspor­tale stelle ich bei mir selber eine sehr hohe Bereitschaft fest, mich auf die jeweils jüngsten Eskapaden der betreffenden Politiker einzulassen. Ganz besonders wenn von jenem einen die Rede ist. Da springe ich sofort drauf an. Falls das auch Ihnen so geht, müssten wir uns also selber an der Nase nehmen. Womöglich sind wir alle etwas obsessiv im Umgang mit ihm, quasi magisch angezogen vom «Bad Boy».

Es wäre darum in erster Linie an unserem eigenen Klickverhalten zu arbeiten. Gerade bei den elektronischen Medien wird ja alles detailliert gemessen. Entsprechend steuert das Interesse der Nutzer die Themenauswahl. Die Frage ist, wie er selber damit umgehen würde, wenn sein Name viel weniger oft genannt würde und sein Gesicht seltener gezeigt. Denn auch er leidet fraglos an einer Obsession: dem (für uns nicht ungefährlichen) Zwang, immer im Mittelpunkt stehen zu müssen.

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