OBSTERNTE: Sehr gutes Most-Jahr dank «fantastischem Sommer»

Trotz nassem Frühling und später Lese – das Luzerner Obst ist heuer von besonders guter Qualität. Und: Most liegt voll im Trend.

Roger Rüegger
Drucken
Teilen
Apfelernte gestern Nachmittag auf dem Hof der Petermanns in Römerswil (von links): Adrian, Luzia, Matthias und Claudia. (Bild Dominik Wunderli)

Apfelernte gestern Nachmittag auf dem Hof der Petermanns in Römerswil (von links): Adrian, Luzia, Matthias und Claudia. (Bild Dominik Wunderli)

«Die ganze Branche war wie auf Nadeln. Die Mostobsternte ist jetzt zwar angelaufen, aber zeitlich viel später, als man erwartet hat», sagt Jürg Emmenegger, Leiter Brand Management beim Getränkeproduzenten Ramseier Suisse AG in Sursee. Die Liefermenge sei derzeit zwar noch bescheiden, aber das angelieferte Mostobst biete eine sehr gute Qualität, so Emmenegger.

Menge: Kein Spitzenjahr

Zuversichtlich blickt auch Beat Felder, zuständig für Spezialkulturen beim Bildungszentrum für Natur und Ernährung in Hohenrain, auf die nächsten Wochen: «Das Obstjahr sieht gut aus. Durch den nasskalten Frühling hat die Blütezeit rund drei Wochen später eingesetzt als in anderen Jahren.» Derzeit seien erst 10 Prozent der Schatzung gelesen und verarbeitet worden. Anfang Oktober würden normalerweise 50 Prozent verarbeitet. Er weiss, warum die Qualität der heurigen Ernte stimmt. «Wir hatten einen fantastischen Sommer mit besten Klimaverhältnissen für das Obst. Die Voraussetzungen für beste Qualität war somit gegeben.» Die Ernte werde von der Menge her allerdings nicht so gut ausfallen wie in Spitzenjahren. Doch für die Branche zeichne sich ein gutes Jahr ab. «Es müsste für alle stimmen.»

Dies, obwohl dieses Jahr ein kurzes, aber heftiges Hagelgewitter durch die Schweiz zog. «Der Hagelschaden war nicht dramatisch. Beim Mostobst fällt das nicht ins Gewicht», erklärt Rita Petermann aus Römerswil, die mit ihrem Mann Kaspar einen Landwirtschaftsbetrieb mit rund 150 Obstbäumen führt. Sie ist zufrieden mit dem Ertrag. «Es gab ordentlich. Nicht so viel wie im letzten Jahr, aber es war gut.» Die rund dreiwöchige Verzögerung in diesem Jahr ist kein Thema für Petermanns. «Wir sind immer spät dran. Man muss sich in Geduld üben und warten, bis die Früchte reif sind. Letztes Jahr haben wir sogar im Schnee gelesen», sagt sie.

Grossverteiler spürt Nachfrage

Hochwertiges Obst wirkt sich offenbar direkt auf den Markt aus. Jürg Emmen­egger von Ramseier sagt: «Die Schweizer Herkunft der Äpfel und Birnen und die Natürlichkeit der Produkte werden von den Konsumenten geschätzt.» Dies zeige sich im Konsumverhalten. Der Trend zu natürlichen Obstsaftprodukten nehme stetig zu. Diese Tendenz beobachtet auch Coop: «Es ist tatsächlich so, dass sich die Apfelsäfte/Schorle einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Vor allem Produkte aus nachhaltigem Anbau sind besonders hoch im Kurs», bestätigt Coop-Sprecher Urs Meier auf Anfrage. Bei der Genossenschaft Migros Luzern sei man beim Apfelsaft auf Vorjahresniveau, wie Mediensprecherin Rahel Probst mitteilt. 2012 hatte die Migros eine Zunahme im Vergleich zu 2011 verzeichnet.

Auch kleine Mostereien sehen den Trend: «In den letzten Jahren haben die Leute wieder Geschmack am Apfelsaft gefunden», so Landwirt Adrian Muff aus Römerswil. Er ist einer der wenigen, die in der Zentralschweiz noch eine Mosterei betreiben. Muff produziert rund eine Million Liter im Jahr.

Verzögerung ohne Auswirkung

Gemäss dem Schweizer Obstverband Swissfruit (SOV) trinken immer mehr Leute in der Schweiz Obstsaft. Die Qualität des Mostobsts hält gemäss Ernteprognosen an. «Die Verzögerung der Lese hat keine negativen Auswirkungen auf die Qualität des Obstes. Es braucht aber Geduld. Man muss das Obst reifen lassen», sagt auch Josiane Enggasser, Vizedirektorin und Leiterin der Abteilung Verarbeitung beim Obstverband.

Es sind keine Liefer- und Produktionsengpässe bei den Verarbeitern zu erwarten. Gemäss der Ernteschätzung des Obstverbandes werden dieses Jahr 88 100 Tonnen Mostäpfel und 12 600 Tonnen Mostbirnen erwartet. «Damit kann die Nachfrage der Verarbeiter von rund 84 000 Tonnen Mostäpfel und 11 500 Tonnen Birnen befriedigt werden», hält Enggasser in ihrem Bericht zur Ernteschätzung fest.