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Gericht: Obwaldner Arzt ist unschuldig

Ein Mediziner aus der Region war angeklagt, einem Drogenkonsumenten keine Nothilfe geleistet zu haben. Er habe nicht von der Lebensgefahr gewusst, urteilt das Kantonsgericht.
Franziska Herger
Die Anklage forderte für einen Arzt die Verurteilung wegen Unterlassung der Nothilfe.(Symbolbild: Keystone/)

Die Anklage forderte für einen Arzt die Verurteilung wegen Unterlassung der Nothilfe.(Symbolbild: Keystone/)

Der bewusstlose junge Mann, der am Abend des 1. September vor fünf Jahren vom Rettungsdienst ins Kantonsspital Obwalden gefahren wurde, schwebte in Lebensgefahr. Wegen einer Unterversorgung mit Sauerstoff hatte er eine Hirnschwellung, zudem eine Lungenentzündung, weil er Erbrochenes eingeatmet hatte, und es bestand die Gefahr eines akuten Nierenversagens.

Klar ist, dass der damals 24-Jährige am Vorabend mit einem Freund Heroin und das starke Schlafmittel Dormicum konsumiert hatte. Ebenso klar ist, dass für den jungen Mann, nachdem er an diesem Sonntag nicht hatte aufgeweckt werden können, stundenlang kein Rettungswagen alarmiert wurde. Wie es dazu kommen konnte, damit befasste sich am Donnerstag das Kantonsgericht Obwalden.

Die beiden Männer hatten im Haus des Vaters des Freundes übernachtet. Am Sonntagnachmittag begab sich der Vater um etwa 16 Uhr ins Kantonsspital. Er fragte den in der hausärztlichen Notfallpraxis dienstleistenden Arzt auf dem Gang um Rat, da der Kollege seines Sohnes nicht aufwache. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Obwaldner Hausarzt vor, den Mann mit beschwichtigender Beratung von weiteren Nothilfe-Massnahmen abgehalten und das Aufbieten eines Rettungsteams unterlassen zu haben. Damit sei er wegen unterlassener Nothilfe schuldig zu sprechen. Sie beantragte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 220 Franken, bedingt auf zwei Jahre sowie eine Busse von 2500 Franken.

Verschiedene Versionen derselben Situation

«Ich war nach dem Gespräch überzeugt, dass es sich um eine harmlose Situation handelte», sagte der 58-jährige Beschuldigte vor Gericht. Der um Rat fragende Mann habe weder Dormicum noch Heroin erwähnt, einen Ambulanztransport zur Abklärung ins Spital abgelehnt und auf die Frage nach der Atmung des jungen Mannes und einer allfälligen Bewusstlosigkeit geantwortet, er schlafe nur. Aufgrund der Schilderungen des Mannes sei er, der Arzt, davon ausgegangen, dass der 24-jährige ein leichtes Schlafmittel, Alkohol und allenfalls leichte Drogen konsumiert habe. Er habe dem Mann gesagt, dass im Fall von harten Drogen eine Ambulanz zu rufen wäre.

Der heute 80-jährige Vater des Freundes stellte die Situation anders dar: Er habe das Schlafmittel Dormicum erwähnt. Der Mediziner habe ihm nicht angeboten, eine Ambulanz zu rufen. Auf seine Frage, ob ein Arzt einen Hausbesuch machen könne, habe der Beschuldigte geantwortet, das sei leider nicht möglich. Der Arzt habe ihm geraten, abzuwarten, und um 20 Uhr einen Krankenwagen zu rufen, wenn es nicht besser werde. Das habe er dann auch getan. Der junge Mann wurde in kritischem Zustand ins Kantonsspital Luzern verlegt, wo er nach einer knappen Woche aus dem Koma wiedererwachte.

«Ich war nach dem Gespräch überzeugt, dass es sich um eine harmlose Situation handelte.»

Der beschuldigte Arzt vor Gericht

Die Verteidigung beantragte Freispruch. Zeugen hätten die Version des Beschuldigten zum Gesprächsverlauf bestätigt. Der Arzt habe aufgrund der Aussagen und des Verhaltens des Mannes nicht den Verdacht schöpfen müssen, dass eine ernste Situation vorliege. Der damals 80-Jährige, selber ärztlich ausgebildet, habe dem Arzt wichtige Informationen verschwiegen, mutmasslich um seinen Sohn und sich selber vor Strafverfolgung zu schützen.

Trotzdem hätte der Arzt aufgrund seiner Informationen von einer lebensgefährlichen Mischung an Substanzen ausgehen müssen, hielt der Rechtsanwalt des jungen Mannes, der als Zivilkläger auftrat, entgegen.

Arzt erhält 16000 Franken Prozessentschädigung

Das Gericht sah das anders und sprach den Hausarzt frei. Um den Tatbestand zu erfüllen, müsste der Beschuldigte von der unmittelbaren Lebensgefahr gewusst haben, führte Kantonsgerichtspräsident Roland Infanger in seiner Urteilsbegründung aus. Es sei jedoch nicht erstellt, dass der Arzt von Dormicum oder Heroin gewusst und nichts gemacht habe. «Das wäre im Hinblick auf den Eid, den er als Arzt geleistet hat, auch ein gewaltiger Vorwurf.» Der Kanton Obwalden trägt die Verfahrenskosten von rund 4800 Franken und muss dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung von 16000 Franken bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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