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Es ist unklar, ob er bleiben darf: Trotzdem engagiert sich ein Afghane in Luzern für die Integration von Flüchtlingen

Sohail Ajab Khan hat ein Integrationsprojekt initiiert, bei dem inzwischen 200 Freiwillige mitmachen. Er hingegen wartet noch auf die Antwort auf seinen Asylantrag.
Natalie Ehrenzweig
Sohail Ajab Khan bei der Eschenstrasse vor dem Neubad. Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Oktober 2018)

Sohail Ajab Khan bei der Eschenstrasse vor dem Neubad. Bild: Pius Amrein (Luzern, 12. Oktober 2018)

Sohail Ajab Khan (26) lebte in Afghanistan, in einem von den Taliban kontrollierten Gebiet. «Entweder bist du für die Regierung oder für die Taliban. Egal, für wen du dich entscheidest, die andere Seite verzeiht dir nicht, sie wird dich töten», sagt er. Als Jugendlicher arbeitet er als Übersetzer für die Nato. Für die Taliban war klar: Er hatte sich für die Regierung entschieden. Als daraufhin seine Geschwister und sein Vater getötet und seine Mutter durch eine Bombe verletzt wurden, floh er.

Ajab Khan lebte nach seiner Ankunft in Asylheimen in Basel und Luzern. Dass er unter Depressionen, Suizidgedanken und grosser Hoffnungslosigkeit litt, verwundert bei seiner Geschichte nicht. Heute, zwei Jahre später, leuchten seine Augen, wenn er von seinem Projekt «Education for Integration» erzählt. Der 26-Jährige hat per Zufall zwei Schweizer kennen gelernt, die sein Leben veränderten.

«Das Allerwichtigste ist die Sprache»

Basierend auf seinen eigenen Erfahrungen als Flüchtling arbeitet er nun am Aufbau des Projekts. «Das Allerwichtigste ist die Sprache. Ohne Sprache findet man keine Arbeit, keinen Kontakt zu den Schweizern und lernt damit die schweizerische Kultur auch nicht kennen», betont Sohail Ajab Khan, der selbst bereits gut Deutsch spricht, obwohl sein Asylantrag noch nicht beantwortet worden ist. In seiner Organisation machen über 200 Freiwillige mit, die unter anderem in Asylunterkünften in der Region Luzern Deutsch unterrichten.

«Man muss einen
Schritt auf die Einheimischen
zu machen.»

Neben der Sprache braucht es aber noch mehr für die Integration. «Wir organisieren die Partyreihe ‹Bong da City› für Locals und Flüchtlinge. Der Abend beginnt jeweils damit, dass die Flüchtlinge kochen, danach gibt es Konzerte oder DJs», sagt Sohail Ajab Khan. Die Anlässe seien ein grosser Erfolg, jedes Mal würden sich mehr Freiwillige eintragen. An der nächsten Party, die im Neubad stattfinden wird, erwartet der Afghane 600 Besucher. «Dazu gehe ich in die Unterkünfte, lade die Flüchtlinge persönlich ein und erkläre ihnen: Du bist den Menschen nicht egal. Aber sie kennen dich nicht. Du musst einen Schritt auf sie zu machen.»

Sohail Ajab Khan ist mit seinem Team so erfolgreich, dass er nicht nur neue Projekte – etwa für Kinder, Sport- oder Musikinteressierte – aufbaut, sondern auch schon in Basel und Zürich aktiv geworden ist. Der 26-Jährige ist selbst ein wandelndes Beispiel dafür, dass seine Integrationsstrategien und Ideen funktionieren. Obwohl er noch nicht weiss, ob er in der Schweiz Asyl erhält, spricht er Deutsch, wohnt bei Schweizern in Luzern und hat neben seinem freiwilligen Engagement noch zwei Jobs, versorgt sich also selbst. «Ich hatte alle Träume verloren, ich wollte meine Heimat nie verlassen. Sich selbst zu integrieren, etwas aufzubauen, ist in so einer Situation für Flüchtlinge nicht immer einfach, sie stehen unter grossem Druck. Unsere Teams besuchen deshalb die Menschen in den Unterkünften, bieten Hilfe an».

Es scheint, als ob das Leben von Sohail Ajab Khan, seitdem er seine zweite Familie getroffen und in der Schweiz dadurch ein Stück Heimat gefunden hat, nur noch besser geworden ist. Doch manchmal gibt es auch Rückschläge: «In Ebikon schliesst ja Ende Jahr das Asylzentrum, dann fehlt uns ein Unterrichtslokal. Jetzt suchen wir einen Ort für den Unterricht, vielleicht in einer Pfarrei?» Ausserdem vermisst er seine Mutter, die bei einem Onkel in Afghanistan blieb, weil sie nicht in ihrem Alter neu anfangen wollte.

Projekt soll weiter wachsen

Trotz der Sehnsucht und dem ausstehenden Asylentscheid blickt Sohail Ajab Khan zuversichtlich in die Zukunft: «Ich möchte unsere Idee auch nach Griechenland, Serbien oder Italien bringen, um den Flüchtlingen dort zu helfen – und damit auch der Bevölkerung. Denn wenn Flüchtlinge gut integriert sind, fallen sie niemandem zur Last, sondern werden zu einem Teil der Gesellschaft.» Deshalb arbeitet er unermüdlich weiter: «Unter dem Motto ‹Let’s break the Silence› wollen wir auf unserer Webseite wöchentlich Artikel über Flüchtlinge – total 100 – veröffentlichen, die zeigen, was die Menschen hier bereits geschafft haben, ohne Hilfe.» Und dann ist da natürlich noch die Organisation von «Bong da City». Und er möchte an Weihnachten Flüchtlinge an Familien vermitteln. Sohail Ajab Khan hat mit seinem Team viel zu tun.

Hinweis: Bong da City, Samstag, 17. November, 19 Uhr, Neubad Luzern; www.educationforintegration.ch

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