Öffentlicher Verkehr
Gewerkschaft fordert: VBL-Personal soll eigenen Sitz im Verwaltungsrat erhalten

Die Stimmung unter dem VBL-Personal ist angespannt. Jetzt fordern die Sozialpartner eine Vertretung im Verwaltungsrat der Verkehrsbetriebe. Der Stadtrat hingegen will sich bei der Besetzung der Vakanzen im VR auf «fachliche Kriterien» berufen.

Simon Mathis
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Das VBL-Gebäude an der Tribschenstrasse.

Das VBL-Gebäude an der Tribschenstrasse.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 26. November 2020)

Es war eine Neuigkeit, die aufgrund von Corona grösstenteils unter dem Radar geflogen ist: Die Gewerkschaft VPOD Zentralschweiz und der Personalverband der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) fordern eine Personalvertretung im Verwaltungsrat der Verkehrsbetriebe. Das Mandat wurde Ende Januar ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist ist am 15. Februar abgelaufen. Das letzte Wort haben die VBL-Mitarbeiter; sie werden an einer Personalversammlung Ende März eine Person nominieren. In der Mitteilung der beiden Sozialpartner heisst es:

«Die Irrungen und Wirrungen rund um den Verwaltungsrat der VBL haben auch das Personal verunsichert.»

Zur Erinnerung: Mitte November trat der VBL-Verwaltungsrat von einem Tag auf den nächsten zurück, weil er unzufrieden war über die Aufarbeitung des Subventionsdebakels. Der VR fühlte sich von der VBL-Alleineignerin – der Stadt Luzern – im Stich gelassen. Bekannterweise fordert der Verkehrsverbund Luzern (VVL) als Subventionsgeber rund 16 Millionen Franken von den VBL zurück. Der Luzerner Stadtrat hat mittlerweile einen dreiköpfigen Übergangs-VR gewählt, der zwei weitere Mandate in den Bereichen Human Resources und Digitalisierung vorschlägt.

Zeitpunkt für neuen Anlauf sei ideal

«Die Forderung ist an sich keine neue, sondern war schon immer ein Anliegen der beiden Personalverbände», sagt VPOD-Vorstandspräsident und SP-Kantonsrat Urban Sager auf Anfrage. Die Neukonstituierung des VR im Zuge der Subventionswirren sei die ideale Gelegenheit, um einen neuen Prozess in diese Richtung anzustossen. Sager führt aus:

«Für alle Mitarbeitenden, insbesondere für die Chauffeure in den Bussen, war die Subvention-Geschichte eine Belastung. Sie mussten sich im privaten Umfeld oder gegenüber den Fahrgästen für ihr Unternehmen rechtfertigen und waren entsprechend verunsichert.»

Eine Vertretung, die das Personal direkt wählt, sei ein wichtiges Zeichen, dass die Stimme des Personals bei den VBL etwas zähle. «Das wird neues Vertrauen schaffen», so Urban Sager. Mitte Januar habe ein Gespräch mit dem Übergangs-VR stattgefunden und sei «konstruktiv» gewesen.

«Wir sind zuversichtlich, dass der Stadtrat die nominierte Person dann auch wählt, denn eine Personalvertretung ist in vielen VR von staatsnahen Betrieben mittlerweile üblich.»

Der Luzerner Stadtrat hingegen steht dem Vorschlag kritisch gegenüber. «Das Vorgehen des VPOD ist nicht mit uns abgesprochen und entspricht nicht dem Prozess, wie er für die Rekrutierung von VR-Mitgliedern vorgesehen ist und seit vielen Jahren gepflegt wird», schreibt Stadträtin und Finanzdirektorin Franziska Bitzi Staub (CVP) auf Anfrage. Der Stadtrat lege Wert darauf, dass die Verwaltungsräte der städtischen Beteiligungen nach fachlichen Kriterien und Kompetenzen gemäss Anforderungsprofil zusammengesetzt seien. Bitzi betont:

«Interessenvertretungen lehnt der Stadtrat ab.»

Der derzeitige Übergangsverwaltungsrat habe von der Stadt Luzern als Alleinaktionärin den Auftrag gefasst, das Gremium von drei auf fünf Mandate auszuweiten. Die Federführung für die Evaluation künftiger VR-Mitglieder sowie die zugrunde liegende Definition des Anforderungsprofils obliege gemäss «Swiss Code of Best Practice» dem Verwaltungsrat. Der Stadtrat als Generalversammlung entscheide dann auf Grundlage der VR-Anträge. Mit anderen Worten: Es ist nicht vorgesehen, dass der VR einen Personalvertreter nominiert.

Mitarbeiter kritisieren Geschäftsleitung

Wir haben uns bei einzelnen VBL-Mitarbeitenden umgehört. Ein gewisser Unmut ist spürbar, äussern will man sich nur anonym. Zwar sei durchaus die Angst da, dass sich eine allfällige Zahlung der 16 Millionen Franken auf das Gehalt der rund 350 Chauffeure auswirke, sagt etwa ein Mitarbeiter. Wesentlich wichtiger sei jedoch das Arbeitsklima innerhalb der VBL, das mehrere Befragte als schlecht bezeichnen.

Ein Mitarbeiter findet unverblümte Worte für die Situation bei den VBL: Der Umgangston sei «rau», die Führung «miserabel» und die Planung «dilettantisch». Mit unserer Zeitung rede er nur, weil er nicht daran glaube, mit seinen Bedenken in der Chefetage Gehör zu erhalten. Die Arbeit der Buschauffeure würde nicht geschätzt, sagt eine weitere Person:

«Es scheint die Meinung vorzuherrschen, dass jeder so ein bisschen Busfahren kann. Als wären wir alle entbehrlich.»

Ein Mitarbeiter fasst seine Position wie folgt zusammen: «Wenn der Verwaltungsrat kein Interesse daran hat, wie die Geschäftsleitung arbeitet, wird es so weitergehen.» Eine weitere Person betont, dass sie den neuen Verwaltungsrat als Chance für einen Neuanfang betrachte; aber dafür müsse nun etwas geschehen. Eine weitere Person findet:

«Der Respekt und die Wertschätzung sind verloren gegangen. Ich habe aber die Hoffnung, dass sich der Verwaltungsrat nun hinter die Chauffeure stellt.»

Personalumfrage zeige hohe Zufriedenheit

Der Gewerkschaft VPOD sind aktuell keine Vorwürfe in diese Richtung bekannt. Viviane Hösli, Regionalsekretärin von VPOD Zentralschweiz, betont jedoch: «Die betroffenen Personen sind eingeladen, sich direkt bei uns zu melden.» Auch beim Personalverband Verkehrsbetriebe Luzern (pvl) seien die geäusserten Vorwürfe «in dieser Form nicht bekannt», sagt dessen Co-Präsident Tony Zedel. Er betont: «Der pvl hat immer ein offenes Ohr für die Anliegen des Personals.»

VBL-Verwaltungsratspräsident Renzo Simoni schreibt auf Anfrage, dass in der letzten Personalumfrage im Herbst 2020 eine «noch nie dagewesene, hohe Personalzufriedenheit» festgestellt wurde. Simoni fährt fort:

«Die Mitarbeiterzufriedenheit war noch nie so hoch – trotz Corona und trotz des ‹Subventionsfalls›».

Wenn Verunsicherungen von Mitarbeitenden festgestellt würden, nehme dies die Geschäftsleitung immer ernst und suche mit den Betroffenen das Gespräch. Simoni betont weiter: «Es wurde gegenüber der Belegschaft immer kommuniziert, dass der Subventionsstreit nicht zu ihren Lasten ausgetragen wird.» Zu den Vorwürfen der Mitarbeitenden sagt Simoni : «Zu anonymer Kritik können wir nicht Stellung nehmen.»

Dass die Busfahrer nicht ernst genommen würden, bestreitet Simoni: «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fahrdienst erfüllen tagtäglich eine äusserst wichtige Aufgabe. Dessen sind wir uns bewusst und geben dies auch immer wieder zum Ausdruck.»

Eine Prüfung der Geschäftsleitung wolle der VR in Zukunft angehen. «Es ist klar, dass mit dem bevorstehenden Wechsel in der Direktion die Governance und die Abläufe überprüft werden», so Renzo Simoni.