ÖFFENTLICHER VERKEHR: Neue Trolleybusse: Bestellung verzögert

Ab Ende 2016 fahren vier Trolley-Gelenkbusse auf der neuen Tangentiallinie von Kriens nach Emmenbrücke. Noch ist der Zuschlag aber nicht definitiv – mangels Konkurrenz.

Charly Keiser
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Ein Bus des Typs Mercedes Citaro bei der Luzerner Allmend. Die VBL haben nun 20 typähnliche Busse bestellt. (Bild: pd)

Ein Bus des Typs Mercedes Citaro bei der Luzerner Allmend. Die VBL haben nun 20 typähnliche Busse bestellt. (Bild: pd)

Über geplante Neuanschaffungen informierten die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) Anfang April dieses Jahres. Sie schrieben in der Folge Aufträge für 24 neue Busse aus, so wie es das Gesetz zur öffentlichen Beschaffung vorschreibt. Doch nur 20 Dieselbusse – genauer 16 Gelenkbussen und vier konventionelle Autobusse – haben die VBL Anfang Monat bestellt. Dies, nachdem die Ausschreibung beendet, der entsprechende Zuschlag erteilt und gegen die Vergabe keine Beschwerde erhoben worden war. Neun Millionen Franken kosten die 20 Dieselbusse des Typs Mercedes Citaro. Und rund zwölf Jahre lang werden die Busse ab Mitte 2016 in Betrieb sein; und damit in etwa gleich lange, wie deren Vorgänger (Ausgabe vom 3. Oktober).

Kommt es zu Beschwerden?

Noch eine Weile dauern wird es aber, bis die Verkehrsbetriebe die vier Gelenktrolleybusse und zwei weitere Optionsfahrzeuge definitiv bestellen können. Denn wie dem aktuellen Luzerner Kantonsblatt zu entnehmen ist, wurde der Auftrag erst letzte Woche vergeben und es muss noch zugewartet werden, ob allenfalls eine Beschwerde gegen die Vergabe eingeht. Der Grund für den verzögerten Zuschlag liegt in dessen Vergabeart. So haben sich nämlich für den Auftrag der besagten 20 Busse mehrere Anbieter gemeldet – der Normalfall. Trotz monatelanger Ausschreibung des Auftrags für die vier Trolleybusse meldete sich jedoch nur eine Firma – was höchst unüblich ist. Die Ausschreibung musste darum abgebrochen und der Auftrag freihändig an den einzigen Bieter, die Firma Carrosserie Hess AG aus Bellach, vergeben werden.

(Zu) kleine Menge

Doch warum haben sich nicht mehr Anbieter gemeldet? Dies fragen wir VBL-Mediensprecher Christian Bertschi. «Der Markt im Trolleybusbereich ist sehr klein, entsprechend gibt es auch nicht viele Anbieter», verrät Bertschi. Ausserdem sei die Menge mit vier ausgeschriebenen Gelenkbussen, die die VBL für die neue Tangentiallinie von Kriens nach Emmenbrücke ab Dezember 2016 benötige, für einen Anbieter, der bisher keine Fahrzeuge nach Luzern liefern konnte, gering gewesen. In der Schweiz biete nur die Carrosserie Hess AG Trolleybusse an, ergänzt Bertschi. «Und in Europa sind Van Hool in Belgien, Solaris in Polen sowie zwei, drei weitere Anbieter aus dem Osten mögliche Anbieter.»

1,225 Millionen Franken pro Bus

Die vier neuen Trolleybusse, mit je einem Gelenk ausgestattet, kosten insgesamt 4,9 Millionen Franken. Macht pro Fahrzeug 1,225 Millionen Franken.

War es denn für die VBL preislich ein Nachteil, dass sich nicht mehrere Anbieter gemeldet haben? «Ja, ein Konkurrenzkampf unter den Anbietern würde sich sicherlich positiv auf den Preis auswirken», sagt Mediensprecher Bertschi, verneint aber Verzögerungen aufgrund der mangelnden Konkurrenz. «Die Ausschreibung war von gleicher Dauer wie andere Ausschreibungen auch», präzisiert er und fügt an: «Verzögerungen oder Kostennachteile sind aber aufgrund der Ausschreibungsdauer nicht entstanden. Hingegen hätte sich vermutlich der Kaufpreis der Fahrzeuge nicht kostennachteilig ausgewirkt, wenn Konkurrenzangebote eingegangen wären.»

Da stellt sich natürlich die Frage, was die fehlende Konkurrenz und die darum erfolgte freihändige Vergabe für zukünftige Beschaffung von Bussen für die Verkehrsbetriebe bedeutet. «Wir gehen davon aus, dass bei einer künftigen Ausschreibung, bei der eine grössere Anzahl an Trolleybussen ausgeschrieben wird, sich auch wieder mehr Anbieter beteiligen werden», sagt Christian Bert­schi. «Im Dieselbusmarkt ist die Zahl der Anbieter grösser, wie auch die in diesem Jahr durchgeführte Ausschreibung der VBL gezeigt hat.»

Charly Keiser

VBL-Mediensprecher Christian Bertschi: «Der Markt im Trolleybusbereich ist sehr klein, entsprechend gibt es auch nicht viele Anbieter». (Bild: pd)

VBL-Mediensprecher Christian Bertschi: «Der Markt im Trolleybusbereich ist sehr klein, entsprechend gibt es auch nicht viele Anbieter». (Bild: pd)