ÖFFENTLICHER VERKEHR: Vor 25 Jahren fuhr der letzte Zug nach Beromünster

Zwischen Beinwil und Beromünster verkehrt seit einem Vierteljahrhundert das Postauto anstelle der Bahn. Das Ende der Bahnlinie bewegte die Bevölkerung – sogar ein Polizeieinsatz war nötig.

Susanne Balli
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Einfahrt des ersten Zuges bei der Station Münster (heute Beromünster) vor knapp 111 Jahren. (Archivbild: «Wynentaler Blatt» (30. September 1906))

Einfahrt des ersten Zuges bei der Station Münster (heute Beromünster) vor knapp 111 Jahren. (Archivbild: «Wynentaler Blatt» (30. September 1906))

Das Ereignis löste in der Bevölkerung wehmütige Gefühle und auch Unverständnis aus: Am 30. Mai 1992 fuhr die letzte Eisenbahn auf der SBB-Strecke Beinwil am See–Beromünster. Einen Tag später wurde auf Busbetrieb umgestellt. Der Wechsel ging nicht ohne Rumoren über die Bühne. «Einmal mehr setzen uns die SBB vor vollendete Tatsachen. Wo bleiben da die schönen Sprüche vom umweltfreundlichen Verkehrsmittel?», schrieb der «Anzeiger Michelsamt».

Die SBB begründeten die Einstellung des Bahnbetriebs auf der Strecke, die mit bis zu 3,8 Prozent die grösste Steigung auf dem damaligen Netz der SBB aufwies, mit der unhaltbaren finanziellen Situation. Bei der Linie handle es sich gesamtschweizerisch um die drittschlechteste Linie. Einem Bruttoerlös von jährlich knapp 190 000 Franken stünden Vollkosten von fast 2,3 Millionen Franken gegenüber, schrieb die «Luzerner Zeitung» am 8. April 1992 anlässlich einer Pressekonferenz der SBB.

Linie erinnerte an Frühzeit der Eisenbahn

Der grosse Personalaufwand mit 14 Angestellten war auf dieser Strecke beachtlich. Der Zugverkehr sei «wie eine Linie aus der Frühzeit der Eisenbahn» betrieben worden, hiess es in einem weiteren Artikel der «Luzerner Zeitung». Am deutlichsten habe sich dies am Bahnhof Menziken gezeigt, der kein Stellwerk besass:

«Wenn sich einer der im Stundentakt fahrenden Züge von Beromünster nähert, fährt ein Stationsarbeiter mit dem Velo zum südlich gelegenen Bahnübergang, schliesst dort mit der Kurbel die Barriere des noch weiter südlich gelegenen Kantonsstrassen-Überganges, öffnet hernach das Einfahrsignal und sichert mit der roten Fahne den Verkehr. Ist der Zug vorbei, schwingt er sich wieder aufs Velo, fährt an dem im Bahnhof wartenden Zug vorbei zum nördlichen Übergang und vollzieht dort ein ähnliches Prozedere.»

Trotz aller Rechtfertigungen von Seiten der SBB war die Wehmut in der Bevölkerung gross. Robert Stocker (65) war damals Gemeindeammann von Beromünster und erinnert sich: «Besonders die ältere Generation wollte, dass die Bahn bestehen bleibt.» Man sei stolz gewesen auf den Bahnhof und auf die Strecke, deren Bau in schwierigem Gelände eine Pionierarbeit dargestellt habe. «Die Bahn wurde mit Tränen in den Augen stillgelegt.»

Die SBB unternahmen einiges, um die Bevölkerung zu besänftigen. So lockten sie zum Beispiel mit Gratisfahrten mit dem Postauto. Dennoch: Als das erste Postauto als Ersatz für die Bahn zwischen Beinwil und Beromünster verkehrte, war sogar ein Polizeiaufgebot nötig. Im Vorfeld hatten einige Gegner der Umstellung mit Aktionen gegen das Postauto gedroht. So weit kam es glücklicherweise nicht.

Die Verkehrsführung mit Postautos brachte gegenüber der Bahn Vor- und Nachteile. Die Fahrzeit im Bus verlängerte sich, und es war weniger Platz vorhanden. Dafür wurden aber mehr Kurse pro Tag angeboten und zusätzliche Haltestellen eingeführt. So konnte auch das Dorf Schwarzenbach erschlossen werden.

Was als fünfjähriger Versuch verkauft wurde, war das definitive Ende dieser Bahnstrecke. Damit ging damals eine über 100- jährige Geschichte zu Ende. Ab 1887 – vier Jahre nach der Eröffnung der Seetalbahn – dampften die Züge auf der Normalspurstrecke von Beinwil bis Reinach-Menziken. In den Jahren danach wurde die Strecke nach Beromünster (damals noch Münster) verlängert. Am 30. September 1906 fuhr der erste Zug in der Station Münster ein. Die Bahn erhielt den Übernahmen «Chorherren-Express», da bei den Konzessionsverhandlungen immer auch ein Vertreter des Stiftes Beromünster dabei war.

Heute fahren auf dem ehemaligen Bahntrassee die Velos. «Der Veloweg, der die Kantone Luzern und Aargau verbindet, ist eine schöne Sache», sagt Robert Stocker. Auch die Postauto-Linie zwischen Beinwil und Beromünster hat sich längst etabliert, die Fahrgastfrequenz stieg auf der Strecke kontinuierlich an. «Waren es anfangs jährlich weniger als 100 000 Fahrgäste, ist die Zahl im Jahr 2016 auf 184 000 gestiegen», teilt Postauto mit. Deshalb werde längerfristig ein integraler Halbstundentakt in Erwägung gezogen.

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch