Ökihof in Horw: Entsorgen am Samstag kostet neu fünf Franken

Um das Verkehrsaufkommen am Samstag zu verringern, führt der Ökihof Horw eine Gebühr für Autofahrer ein. Die Leute sollen stattdessen unter der Woche entsorgen – zum Beispiel an der neuen Abend-Entsorgung am Mittwoch.

Beatrice Vogel
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Im Ökihof Horw herrscht vor allem am Samstag jeweils Hochbetrieb. (Bild: Nadia Schärli, 7. August 2017)

Im Ökihof Horw herrscht vor allem am Samstag jeweils Hochbetrieb. (Bild: Nadia Schärli, 7. August 2017)

Der Ökihof in Horw wird insbesondere samstags jeweils von Entsorgungswilligen überrannt. Schon seit Jahren stösst er an seine Belastungsgrenzen, auf den Zufahrtsstrassen kommt es regelmässig zu Stau. Auch die Suche nach einem neuen Standort gestaltet sich schwierig.

Deshalb müsse Real nun Massnahmen treffen, um die Stausituation an Spitzentagen zu reduzieren, teilt der Entsorgungsdienstleister mit. So wird per 1. Januar beim Ökihof in Horw eine Mindestgebühr für Autofahrer eingeführt: Wer am Samstag entsorgt, muss fünf Franken zahlen. Dies soll dazu beitragen, dass sich der Kundenandrang auf die weniger ausgelasteten Werktage verlagert.

Immerhin: «Wer kostenpflichtige Abfälle entsorgt, dem wird die Gebühr angerechnet», sagt Martin Zumstein, Vorsitzender der Real-Geschäftsleitung. Die Gebühr ziele vor allem auf jene Kunden ab, die am Samstag den Ökihof benutzen, nur um beispielsweise ein paar PET- oder Bierflaschen zu entsorgen. Als Ergänzung gibt es neu auch eine Abend-Entsorgung bis 20 Uhr am Mittwochabend. Aktuell ist der Ökihof werktags von 8.30 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17.30 Uhr geöffnet, samstags von 8 bis 12.30 Uhr. «Öfter längere Öffnungszeiten anzubieten, ist leider kaum möglich», so Zumstein. Da der Ökihof Horw so stark ausgelastet sei, müssen die Mulden mehrmals täglich geleert werden. «Das können wir aus Sicherheitsgründen nicht während der Betriebszeiten tun. Und spätabends haben die Anwohner keine Freude.»

Massnahmen durch Umfrage gestützt

Die Vertreter von Horw, Kriens und Luzern sowie der Real-Vorstand haben sich laut der Mitteilung einstimmig für die Gebühr ausgesprochen. Beide Massnahmen werden während mindestens eines Jahres getestet.

Real hat diese Massnahmen aufgrund einer Kundenbefragung gewählt. Rund 350 Ökihofbesucher haben an der Befragung teilgenommen. Die Umfrage habe gezeigt, dass die Hälfte der Besucher auch an einem anderen Tag entsorgen könnte. Dreiviertel gaben an, dass ihnen längere Öffnungszeiten am Abend unter der Woche dienen würden. Längere Öffnungszeiten am Samstag schliesst Real allerdings aus, da diese bei einem früheren Versuch nicht genutzt wurden.

Rund 60 Prozent der Befragten sagten ausserdem, sie würden bei einer Gebührenerhebung auf einen anderen Ökihof ausweichen, während fast 50 Prozent an einem anderen Tag entsorgen würden. «Unser Ziel ist genau diese Verlagerung auf andere Tage oder Entsorgungsstellen», so Martin Zumstein. Mit den Massnahmen wolle man auch Gewohnheiten der Kunden ändern.

20 Prozent der Befragten nannten zudem die Möglichkeit, dass sie die Werkstoffe – statt sie zur Recyclingstelle zu bringen – im Kehrichtsack entsorgen würden. Das wäre ökologisch bedenklich. Zumstein relativiert: «Einerseits waren bei dieser Frage Mehrfachnennungen möglich. Andererseits handelt es sich oft um brennbaren Abfall, der ohnehin in der Renergia landen würde.» Auch seien die meisten Leute in Bezug auf die Sackgebühren ebenfalls kostensensibel.

Hinterschlund als mögliche Ergänzung

Trotz dieser Massnahmen: Real sucht weiter nach einem neuen Standort im Raum Luzern Süd. Im Gespräch sind derzeit die Areale Grütwäldli und Hinterschlund in Kriens. Für beide wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet.

Der Standort Grütwäldli ist der Favorit der FDP Kriens und Horw, die dazu eine Initiative in Kriens und eine Petition in Horw eingereicht haben (wir berichteten). Dort könnte ein Ersatz für den heutigen Standort erstellt werden. Allerdings müsste dafür auf dem Grundstück der Korporation Horw Wald gerodet werden, wofür eine Rodungsbewilligung des Kantons und eine Umzonung der Stadt Kriens nötig wären.

Das Grundstück Hinterschlund ist in Besitz der Stadt Luzern. Es ist als möglicher Standort für Carparkplätze im Gespräch. Laut Zumstein ist die Idee, dass neben den Parkplätzen ein kleiner Ökihof zur Entlastung des bestehenden Ökihofs erstellt würde, der nur temporär zu den Spitzenzeiten in Betrieb wäre.

Kommentar

Ökihof Horw: Das Problem wird verlagert

Wer am Samstag mit dem Auto in Horw zum Entsorgen vorfährt, zahlt ab 1. Januar fünf Franken. Das Erheben einer Gebühr ist jedoch eine äusserst drastische Massnahme, meint Redaktorin Beatrice Vogel.
Beatrice Vogel