Mit diesem «Täfeli» feiert Willisau den Ausbau des ÖV-Angebots

Die grösste ÖV-Angebotserweiterung in der Region Luzern West seit zehn Jahren sorgte für ein grosses Fest. Aus einer weissen Röhre – genannt Täfeli – regnete es Überraschendes für die Besucher.

Jonathan Biedermann
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Beim Festakt ziehen die Verantwortlichen – unter anderem die Willisauer Stadtpräsidentin Erna Bieri und Regierungsrat Fabian Peter (Dritter von rechts) – an einer Röhre, genannt Täfeli. Daraus regnet es danach Süssigkeiten und Gutscheine für die Essensstände.

Beim Festakt ziehen die Verantwortlichen – unter anderem die Willisauer Stadtpräsidentin Erna Bieri und Regierungsrat Fabian Peter (Dritter von rechts) – an einer Röhre, genannt Täfeli. Daraus regnet es danach Süssigkeiten und Gutscheine für die Essensstände.

Bilder: Roger Grütter, Willisau 15. Dezember 2019

Pünktlich mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag feierten die Luzerner Bevölkerung, Politiker und ÖV-Betriebe den grössten Ausbau der vergangenen zehn Jahre in der Region Luzern West: Rund 3000 Personen nahmen gemäss Romeo Degiacomi, Sprecher des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) am ÖV-Fest auf dem Bahnhofplatz in Willisau teil. Sie kamen unter anderem in den Genuss einer eigens entwickelten Lichtshow der Kantonsschule Willisau und von Klängen der Feldmusik Menznau.

Für die Willisauer Stadtpräsidentin Erna Bieri (FDP) ist der Ausbau ein Meilenstein: Eine dritte Verbindung pro Stunde während der Hauptverkehrszeiten für die Strecke Luzern-Willisau und ausserdem je eine zusätzliche frühmorgens und spät abends seien für die Bevölkerung eine grosse Bereicherung, sagte sie vor dem eigentlichen Festakt im persönlichen Gespräch. Auch die neuen Buslinien und viele zusätzliche Verbindungen sorgten für eine bessere ÖV-Erschliessung der Region. Bieri sagte:

«Als Regionalzentrum, Bildungsstätte sowie als Arbeits- und Wohnort ist auch Willisau auf attraktive und schnelle Verbindungen angewiesen.»

Bei dem Stau auf den Strassen werde ersichtlich, wie wichtig ein ausgebauter öffentlicher Verkehr sei. Sie wünsche sich, dass noch mehr Menschen auf den «ÖV-Geschmack» kommen. Sie persönlich gehe zum Beispiel gerne an kulturelle Anlässe in Luzern. «Ich freue mich darüber, in Zukunft nach einem Konzert oder Theater nicht mehr direkt auf den letzten Zug eilen zu müssen.» Der Ausbau sei ein wichtiges Zeichen für die Region Luzern West, die dadurch gestärkt werde, obwohl sie sich nicht direkt an den Hauptverkehrsachsen befinde.

Während des Gesprächs mit Bieri füllte sich der Platz beim Busbahnhof Willisau allmählich. Bis er kurz vor der ersten Ankunft der S77 gerammelt voll war und der vorweihnachtliche Punschduft die Luft durchzog. Die Anwesenden richteten ihren Blick in Richtung Perron eins, als von Menznau her ein Pfiff ertönte. Ein Applaus blieb allerdings aus – auch, als die Gäste der S-Bahn über den extra ausgelegten roten Teppich in Richtung Busbahnhof schritten.

Nach der offiziellen Ansprache von Bieri richtete Regierungsrat Fabian Peter (FDP) seine Worte ans Publikum.

Der Direktor des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements nutzte den Auftritt für ein Plädoyer dafür, wie wichtig die effizientere Nutzung der Verkehrsinfrastruktur sei. Bis zum Jahr 2035 solle sowohl beim öffentlichen Verkehr als auch beim Strassenverkehr die Kapazität erhöht werden. So schaffe beispielsweise der Durchgangsbahnhof in Luzern eine Kapazitätsverbesserung von 50 Prozent. «Mobilität ist schliesslich ein menschliches Grundbedürfnis», sagte Peter anschliessend im persönlichen Gespräch. Die Anforderungen an die Infrastruktur würden immer grösser. «Früher galt: Die Strasse ist schmutzig, die Schiene ist sauber.» Heute und in Zukunft werde auch die Strasse immer sauberer, man denke nur an all die elektrisch betriebenen Fahrzeuge.

Keine zu klein, eine Chauffeuse zu sein: Rahel (8).

Keine zu klein, eine Chauffeuse zu sein: Rahel (8).

Lobender Worte von Festbesuchern

«Die dritte Verbindung in der Stunde für die Strecke Willis­au-Luzern ist super!» sagte Festbesucher David Meyer aus Willisau. Er benutze den Zug regelmässig für sein Studium in Horw. Auch Festbesucherin Astrid Gruber aus Willisau ist über die besseren Verbindungen erfreut: «Dann muss ich an der Fasnacht nicht mehr den Nachtstern benutzen!» Da passe sie als Pensionierte ohnehin nicht hin.

Der Fahrplanwechsel verlief laut Degiacomi vom VVL im ganzen Kanton Luzern am Sonntag reibungslos. Wobei: Die Bewährungsprobe folgt ohnehin erst am Montag mit dem Berufsverkehr.

Hinweis: Weitere Infos auf www.mein-öV.ch/fahrplanwechsel

Bahnhof Menznau erstrahlt in neuem Glanz

Das ÖV-Fest in Willisau steht stellvertretend für den Ausbau von Bahn und Bus in der Region. Als Beispiel ist die neue S-Bahn-Linie 77 genannt, die zwischen Willisau und Luzern verkehrt – und auch in Menznau Halt macht. Dort wurde am Sonntag der neue Bahnhof eingeweiht. In fast zwei Jahren wurde dieser für gut 30 Millionen Franken modernisiert. Die Investitionen wurden über einen Bundesfonds finanziert. Herzstück des Umbaus sind neue Gleise und ferngesteuerte Weichen. Auch wurde das alte Bahnhofsgebäude abgerissen und durch einen Wartesaal aus Glas ersetzt. Gleichzeitig mit der Einweihung fand die Taufe eines Zugs der BLS statt. Der Niederflur-Nahverkehrszug mit bis zu 191 Sitzplätzen wurde auf den Namen «Menznau» getauft. (avd)

Der neue Zug mit dem Wappen von Menznau.

Der neue Zug mit dem Wappen von Menznau.

Bild: PD
Sie enthüllten das Wappen in Menznau (von links): Markus Kuhn, Pfarreileiter Menznau; Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS und Mitglied der Geschäftsleitung; Adrian Duss, Gemeindepräsident Menznau und Roger Braun, CEO Swiss Krono.

Sie enthüllten das Wappen in Menznau (von links): Markus Kuhn, Pfarreileiter Menznau; Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur BLS und Mitglied der Geschäftsleitung; Adrian Duss, Gemeindepräsident Menznau und Roger Braun, CEO Swiss Krono.

Bild: PD