ÖV: Kunden sollen profitieren

Dank einem neuen Konzept sollen die Busbetriebe effizienter werden. Pro Bahn Zentralschweiz stellt dennoch klare Forderungen.

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Die Buslinie 12 der VBL soll dereinst mit der Linie 8 zu einer sogenannten Durchmesserlinie verbunden werden. (Archivbild)

Die Buslinie 12 der VBL soll dereinst mit der Linie 8 zu einer sogenannten Durchmesserlinie verbunden werden. (Archivbild)

Christian Glaus

Längere Linien und grössere Busse. So lässt sich grob das neue Konzept Agglomobil tre des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) für die Jahre 2018 bis 2022 zusammenfassen. Damit will der VVL je zwei Buslinien zusammenlegen (Ausgabe vom 13. Mai). Zwischen Horw (Linie 20) und Meggen (Linie 24) sollen die Busse durchgehend via Bahnhof verkehren. Auch zwischen Littau (Linie 12) und Würzenbach (Linie 8) soll es eine sogenannte Durchmesserlinie via Bahnhof geben. Zudem sollen auf drei Linien Doppelgelenkbusse verkehren, wie man sie heute von der Linie 1 kennt. Und zwar zwischen Emmenbrücke und Luzern, Littau und Würzenbach und zwischen Hirtenhof und Luzern Bahnhof. Damit wird die Kapazität ausgebaut.

«Pünktlichkeit verbessern»

Behörden, Interessenverbände und die Verkehrsbetriebe selbst haben nun bis am 3. Juli Zeit, um zum Agglomobil tre Stellung zu nehmen. In einer ersten Stellungnahme zeigt sich Christian Bertschi, Mediensprecher der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL), zufrieden: «Das Konzept geht in die richtige Richtung», sagt er auf Anfrage. Man merke, dass das Agglomobil tre und das Gesamtverkehrskonzept aus einem Guss kämen. «Mit dem Agglomobil tre und den geplanten baulichen Massnahmen lässt sich die Pünktlichkeit verbessern», sagt Bertschi. Dies ist auch nötig. In der letzten Kundenumfrage im Herbst 2014 hatten die VBL in Sachen Pünktlichkeit einen neuen Tiefstwert erreicht. Von 100 möglichen Punkten bekamen die VBL nur deren 56. Die geplanten Durchmesserlinien würden zudem den Betrieb erleichtern, sagt Bertschi. Die Busse könnten besser ausgelastet werden, was die Produktivität erhöhe.

Zweifel haben die VBL allerdings, ob die neue Fahrleitung zwischen Kreuzstutz und Littau, die es für die neue Trolleybuslinie braucht, tatsächlich bis 2022 in Betrieb genommen werden kann. «Wir sind skeptisch, ob der Zeitplan funktioniert», sagt Bertschi.

Bahnhofplatz entlasten

Bei Pro Bahn Zentralschweiz, einer Vereinigung, welche die Interessen der ÖV-Kunden vertritt, ist man erfreut, dass neue Durchmesserlinien entstehen sollen. «Dafür haben wir uns schon lange starkgemacht», sagt Vizepräsident Romeo Degiacomi. Er verweist auf die Stadt Zürich, wo es seit vielen Jahren solche Durchmesserlinien gibt. «Zürich beweist, dass solche Linien funktionieren.» Auch in Bern seien sie erfolgreich auf dem Vormarsch. Die Durchmesserlinien könnten wesentlich dazu beitragen, den Bahnhofplatz in Luzern zu entlasten, sagt Degiacomi. «Heute stehen sich die Busse beim Ein- und Wegfahren gegenseitig im Weg.»

Eine Entlastung erwartet Pro Bahn aber auch auf der Pilatusstrasse und der Seebrücke. «Es gibt weniger Busse, die von der Pilatusstrasse Richtung Bahnhof abbiegen. Heute kommt es dort oft zu Rückstaus. Auf der Seebrücke werden künftig weniger Busse die Spur wechseln müssen.»

Gefahr: Mehr Verspätungen

Gleichzeitig mahnt Degiacomi, dass die Durchmesserlinien für die VBL eine Herausforderung sind. Bei längeren Linien sei die Gefahr einer Verspätung grösser. Steht ein Bus, der von Meggen bis Horw fährt, bei der Haldenstrasse im Stau, wirkt sich das auf die gesamte restliche Fahrt aus. Wer nach Horw will, hat das Nachsehen. «Auf solche Fälle und auf Störungen müssen die VBL vorbereitet sein. Allenfalls müssten die Busse dann doch, so wie sie das heute tun, beim Bahnhof oder am Pilatusplatz wenden», sagt Romeo Degiacomi.

Eine Durchmesserlinie müsse nicht unzuverlässiger sein als eine Linie, die beim Bahnhof Luzern endet, entgegnet VVL-Sprecher Christoph Zurflüh. Diese Erfahrung habe man mit der Zusammenlegung der Linien 31 und 14 gemacht. Die neue Linie führt nun von Horw via Südpol, St. Anna zur Brüelstrasse. Durch die Zusammenlegung sei die Linie nicht unzuverlässiger geworden, sagt Zurflüh. Eine Feststellung, die auch Romeo Degiacomi bestätigt.

«Keine weiteren Preiserhöhungen»

Die Effizienzsteigerung der VBL soll sich künftig auch auf die Preise auswirken, sagt Degiacomi. «In den letzten Jahren sind insbesondere die Passepartout-Preise übermässig gestiegen. Inzwischen haben sie ein hohes Limit erreicht.» Der ÖV habe im Vergleich zum Auto an Konkurrenzfähigkeit eingebüsst. «Wenn die Verkehrsbetriebe effizienter werden, sollten auch die Preise für vier bis fünf Jahre nicht mehr weiter steigen», fordert Degiacomi.

Ein weiterer Wermutstropfen ist für Pro Bahn Zentralschweiz, dass die ­Linie 2 weiterhin beim Bahnhof endet und nicht auch zu einer Durchmesserlinie wird. Eine Verlängerung bis zum Hirtenhof, wo künftig ebenfalls Doppelgelenktrolleybusse verkehren sollen, würde sich anbieten. Solche Pläne gebe es tatsächlich schon, sagt VVL-Sprecher Christoph Zurflüh auf Anfrage. Die Umsetzung dieser Idee sei technisch aber noch nicht geklärt.