ÖV Stadt und Region Luzern
Neuer VBL-Direktor: «Sonst müssen wir eines Tages tatsächlich Leute entlassen»

Damit die Verkehrsbetriebe Luzern wettbewerbsfähig bleiben, muss der neue Direktor Laurent Roux Kosten sparen. So werden Dienstpläne optimiert. Entlassungen soll's trotzdem keine geben – vorerst.

Roman Hodel
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Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie heute zur Arbeit gekommen?

Laurent Roux: Standesgemäss mit dem Bus. Es ist für mich auch ein wichtiger Kontakt zum Fahrdienstpersonal. Ich war zuvor schon ÖV-Mensch, besass bereits ein GA. Velo und Auto fahre ich nur in der Freizeit.

Sie sind seit etwas mehr als 100 Tagen VBL-Direktor – wie sind Sie gestartet?

Gut. Ich war positiv überrascht vom warmen Empfang.

Warum hatten Sie sich überhaupt für diesen Posten beworben?

Die VBL sind ein Unternehmen, das mich immer fasziniert hat. Es ist eine extrem sinnvolle und zukunftsgerichtete Dienstleistung, sowohl ökologisch als auch ökonomisch gesehen. Auf das Inserat aufmerksam gemacht hat mich übrigens ein ehemaliger Arbeitskollege.

Ich frage auch darum: Sie leiten neu ein Unternehmen, das wegen der Pandemie Millionen-Verluste einfährt und wegen eines Subventionsskandals in den Schlagzeilen ist. Es gäbe wohl bessere Zeitpunkte, um einen solchen Job anzutreten.

Ich komme lieber in ein krisengeschütteltes Unternehmen als in ein gemachtes Nest. Hier weiss jede und jeder – wir müssen etwas verändern, damit wir erfolgreich in die Zukunft gehen können.

Der neue VBL-Direktor Laurent Roux im VBL-Depot in Luzern.

Der neue VBL-Direktor Laurent Roux im VBL-Depot in Luzern.

Bild: Eveline Beerkircher (17. November 2021)

Sie dürfen wegen des laufenden Verfahrens nichts zum Subventionsstreit sagen. Nur so viel: Wie sehr absorbiert Sie dieses Thema bei der Arbeit?

Gar nicht. Der Verwaltungsrat hat das strategische Thema zu sich genommen. Mein Auftrag ist es, vorwärts zu schauen.

Die Einarbeitung durch Ihren Vorgänger Norbert Schmassmann Anfang August dauerte nur eine Woche, obwohl dieser offiziell erst Ende Oktober in Pension ging. Warum?

Dies war ein Entscheid des Verwaltungsrats. Auch ich wollte selbstständig und unabhängig loslegen, mir meine eigene Meinung bilden und nicht ‹vorgeframed› sein von meinem Vorgänger. Die Woche war intensiv. Es ging darum, mich intern und extern vorzustellen und mich über laufende Geschäfte zu informieren.

Was hat Ihnen Ihr Vorgänger sonst auf den Weg mitgegeben?

Da war er zurückhaltend. Wir stehen auch nicht in Kontakt. Was aus meiner Sicht Sinn macht, denn 99 Prozent des Know-hows sind ohnehin in der Firma, nicht beim Chef.

Trotzdem weht mit einer neuen Führungsposition ein neuer Wind. Wo merken das die Mitarbeitenden?

Primär komme ich in eine bestehende Firmenkultur, aber ich habe meine Erwartungen. Transparenz und Verbindlichkeit sind für mich wichtig. Das verbinde ich etwa mit offenen Türen. Mein Büro ist fast immer zugänglich für alle Mitarbeitenden. Es sind viele Details. Ein Beispiel ist auch meine erste vierstündige Sitzung der Geschäftsleitung. Als ich nach 1,5 Stunden eine Kaffeepause ausgerufen habe, staunten alle. Das gab's vorher nicht.

Zur Person

Laurent Roux (39) ist seit dem 1. August VBL-Direktor. Der gelernte Polymechaniker schloss ein Maschinenbau-Diplomstudium an der Hochschule Luzern ab und verfügt über einen Master of Science in Maschinenbau (ETH Zürich) und ein Executive MBA (Uni Zürich). Zuletzt war er Geschäftsleitungsmitglied bei Dätwyler IT Infra. Roux ist in Langnau am Albis aufgewachsen und lebt mit seiner Frau und den drei Kindern (3, 5 und 7 Jahre alt) in der Stadt Luzern.

Laut dem Verkehrsverbund Luzern (VVL) ist das Verhältnis mit den VBL wegen des Subventionsstreits «in der täglichen Zusammenarbeit angespannt». Dies sagte der VVL-Sprecher im März zu unserer Zeitung. Erleben Sie dies auch so?

Nein, gar nicht, sondern sehr wertschätzend und zielorientiert.

Dennoch will der VVL die Ausschreibung von ÖV-Linien vertieft prüfen. Erste Konzessionen laufen 2026 ab. Wie wappnen sich die VBL dafür?

Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Die Kosten sind dabei ein wichtiger Faktor. So verzichten wir neu mehrheitlich auf externe Berater, denn wir haben gut ausgebildete Kaderleute. Erfreut stelle ich zudem fest, dass gewisse Teams bereits agil unterwegs sind, andere haben da noch Potenzial. Einsparungen erhoffen wir uns von der Optimierung der Dienstpläne. Wir wollen mit weniger Leuten den Tag bestreiten.

Das klingt nach Entlassungen.

Nein. Unsere Mitarbeitenden müssen sich aktuell keine Sorgen machen. Dienstpläne optimieren heisst, dass wir bestehende Dienste anpassen und bisher bezahlte Pausen zwischen zwei Diensten nicht mehr entschädigen. Neue dreiteilige Dienste bieten aber auch Chancen für Teilzeitmitarbeitende. Ferner werden wir Fluktuationen nutzen. Zentral ist für uns, dass wir die Ausschreibungen gewinnen. Sonst müssen wir eines Tages tatsächlich Leute entlassen.

Wegen Corona haben die VBL im letzten Jahr 30 Prozent Fahrgäste verloren. Wie sieht die Prognose für 2021 aus? Auf der Strasse rollt der Individualverkehr ja wieder wie vor Corona ...

... aber uns fehlen immer noch fast 30 Prozent der Fahrgäste. Dies entspricht rund 10 Millionen Franken weniger Verkehrseinnahmen als noch im Jahr 2019. Über die Gründe können wir nur mutmassen – Homeoffice, die Anschaffung eines E-Bikes oder zurück aufs Auto umgestiegen.

Wann wird der Takt deswegen ausgedünnt?

Das bestimmt der VVL, er ist der Besteller. Vorläufig gibt's keine Anzeichen dafür. Grundsätzlich reagieren wir, wenn neue Bedürfnisse entstehen. Beispiel 14er. Dieser ist in Stosszeiten inzwischen oft sehr voll. Deshalb kommen dort ab Fahrplanwechsel neu auch Gelenkbusse zum Einsatz.

Von wegen neuen Bedürfnissen: Für den Fahrplanwechsel am 12. Dezember haben die VBL einen Pilotversuch mit drei Elektrobussen angekündigt. Sind Sie auf Kurs?

Ja. Der Pilotversuch auf der Linie 10 wird starten können. Während der Morgen- und Nachmittagsspitze sind alle drei Elektrobusse unterwegs.

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