Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ÖV: Viele Wege führen nach Zell

Mit einem neuen Angebot sollen Buspassagiere auch in Privatautos mitfahren können. Doch funktioniert das Angebot? Ein Selbstversuch.
Matthias Stadler
Mit dem Projekt Taxito sollen Autolenker Passagiere an Bushaltestellen mitnehmen. Unser Autor Matthias Stadler beim Test in Luthern. (Bild Pius Amrein)

Mit dem Projekt Taxito sollen Autolenker Passagiere an Bushaltestellen mitnehmen. Unser Autor Matthias Stadler beim Test in Luthern. (Bild Pius Amrein)

Matthias Stadler

Wie lange hat das Solarium in ­Willisau geöffnet? Eine Frage, die sich wohl nur wenige stellen. Doch der Autor dieser Zeilen weiss es nun ganz genau – unfreiwillig. Aber dazu später.

Der Verkehrsverbund Luzern (VVL) hat Anfang Juni in Luthern, Zell und Willisau einen ein Jahr dauernden Pilotversuch namens Taxito gestartet. Es geht darum, öffentliche Verkehrsmittel in abgelegenen Orten im Kanton Luzern mit Privatautos zu unterstützen. Private sollen Personen mitnehmen, welche an Bushaltestellen eine Mitfahrgelegenheit suchen. Quasi eine neue Form des Autostopps. Doch ist es wirklich so einfach?

Eine nicht so klare Anzeigetafel

Der Test beginnt an einem grauen Nachmittag in Luthern. Das Wetter weiss nicht so recht, was es will, aber wenigstens hält sich der Regen zurück. Ich möchte mit Taxito nach Zell gelangen und stelle mich dazu an die Bushaltestelle Luthern Post, wo eine neue Anzeige installiert wurde. Ein Informationsschild erklärt, dass ich ein SMS mit der gewünschten Destination zu senden habe, damit auf der darüber installierten Anzeigetafel der Zielort angegeben wird. Kurz darauf leuchtet Zell auch schon auf. Damit sollen Autofahrer sehen, dass hier jemand wartet. Doch ich wundere mich zum ersten Mal: Die Beleuchtung der Destination ist mit dem schwachen Weiss und dem kaum wahrnehmbaren Kontrast zu den anderen Destinationen sehr dürftig. Ich zweifle, ob das überhaupt jemand wahrnehmen wird, und stelle mich auf eine lange Wartezeit ein.

Doch siehe da: Unser Fotograf ist kaum mit seiner Arbeit fertig, hält auch schon ein roter Toyota an der Haltestelle. «Hat sich die Fahrerin verirrt?», frage ich mich. Doch sie lässt die ­Scheibe herunter – sie fahre nach Zell, ich ­könne mitfahren. Nach sage und schreibe elf Minuten und sieben vorbeigefahrenen Autos nimmt mich also bereits jemand mit – was für ein Erfolg.

Monika, so stellt sich heraus, ist aus der Region und kennt das neue Angebot: «Jetzt kann ich es auch probieren», freut sie sich. In Nullkommanichts sind wir in Zell, ich verabschiede mich und sende ein weiteres SMS mit dem Nummernschild von Monikas Auto. Damit kriegt sie die Hälfte der Einnahmen (weitere Details siehe Box).

Wenig Glück in Willisau

Trotzdem bleibe ich skeptisch: War das ein Zufallstreffer? Ich will es nochmals probieren und fahre nach Willisau, von wo aus ich wieder nach Zell gelangen möchte. Ich stelle mich an die Haltestelle an der Ettiswilerstrasse. Das SMS geschickt, wieder leuchtet Zell auf der Anzeige halbstark auf. Ich warte. Der Verkehr in Willisau ist, verglichen zu Luthern, immens. Ein Auto nach dem andern brummt, mich ignorierend, vorbei. Unterdessen entdecke ich auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein Solariumgeschäft, welches mich mittels Schaufensterbeschriftung nach meiner «Lust nach Bräune» befragt und anscheinend täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet hat. Ich habe ausgiebig Zeit, das Angebot zu studieren, denn die Autofahrer sind hier nicht so hilfsbereit wie in Luthern. Aber vielleicht liegt es ja auch daran, dass sich hier die Autofahrer wegen des dichten Verkehrs mehr konzentrieren müssen? Wie dem auch sei: Ich stehe eine geschlagene halbe Stunde am Strassenrand und wähne mich mit den frischen Abgasen in der Nase zuweilen in Peking.

Verbesserungspotenzial vorhanden

Das Taxito-System hat seine Vorzüge: Für Wanderer beispielsweise kann es dienlich sein, wenn keine Alternative vorhanden ist. Zudem ist das System sicher, da der Fahrgast das Nummernschild an Taxito weiterleitet und dieses somit registriert wird. Was überarbeitet werden ­sollte, ist der Kontrast der Anzeige. Gemäss Taxito-Chef Martin Beutler ist das Problem erkannt und eine bessere Beleuchtung bereits in Sicht. Zudem ist für den Passagier unklar, was mit dem Geld für die SMS-Anfrage passiert, wenn man nicht mitgenommen wird. Martin Beutler erklärt, dass der Betrag unkompliziert bei ihm zurückgefordert werden kann.

Zurück in Willisau trotte ich, wieder auf dem Boden der Realität angekommen, an den Bahnhof, um meinen Zielort doch noch zu erreichen. Der Zug nach Zell ist zuverlässig und pünktlich. Aber wenigstens weiss ich jetzt, wann das Solarium in Willisau geöffnet ist.

Regierung unterstützt Angebot

ÖV-Modelle mst. Bei Taxito kann jeder mitmachen, der ein Handy oder ein Auto hat. Eine Registrierung ist nicht nötig, ausser man möchte von reduzierten Preisen profitieren (anstatt 2 Franken pro Fahrt bezahlt der Mitgenommene dann 1.50 Franken, welche per Handyrechnung belastet werden). Die Hälfte erhält der Fahrer. Laut Christoph Zurflüh vom Verkehrsverbund Luzern ist das Pilotprojekt «wie ein Versuchslabor», Verbesserungen können laufend gemacht werden.

Die Luzerner Regierung hat soeben ein Postulat für teilweise erheblich erklärt, welches aufzeigt, wie schwach besiedelte Gebiete mit alternativen ÖV-Modellen erschlossen werden können. Taxito habe zum Ziel, freie Kapazitäten des Privatverkehrs zu nutzen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.