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ÖV: Volle Busse als Sicherheitsrisiko?

In den Bussen zwischen Rothenburg und Luzern herrscht oft dichtes Gedränge. Für den Verkehrsverbund besteht kein Anlass zur Sorge, einige der Fahrgäste fürchten jedoch um ihre Sicherheit.
Simon Bordier
Unter anderem auf der Buslinie 52 ist der Platz für die Passagiere immer wieder knapp. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Unter anderem auf der Buslinie 52 ist der Platz für die Passagiere immer wieder knapp. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Simon Bordier

Überfüllte Busse und Züge sind für viele Pendler ein Übel. Zurzeit erreichen unsere Zeitung vor allem Klagen von Buspassagieren zwischen Luzern und Rothenburg. «Highlight war bislang der 6.14-Uhr-Kurs ab Bösfeld. Mit knapper Müh schaffte ich es in den Bus der Auto AG, und als sich endlich die Türen geschlossen hatten und das Fahrzeug sich in Bewegung setzte, überkam mich ein mulmiges Gefühl», schreibt Stephan Wirt aus Emmenbrücke.

Er habe versucht, die Anzahl Fahrgäste zu schätzen. «Ich kam auf knapp 200», meint er. Die neuen Busse Solaris Urbino würden zwar überaus viele Stehplätze bieten, «doch sicher keine unmittelbar rechts neben dem Chauffeur, also vor der Barriere».

Ansturm auf direkte Busse

Grund für die angespannte Situation ist die Ende letzten Jahres erfolgte Reduktion direkter Verbindungen zwischen Luzern Bahnhof und Rothenburg/Rain: Statt dass Pendler mit dem Bus in die Stadt fahren, sollen sie nach dem Willen des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) vermehrt am Bahnhof Rothenburg Dorf auf die S-Bahn umsteigen. Doch der Andrang auf die verbleibenden Direktverbindungen nach Luzern Bahnhof hält an. Glück hat, wer überhaupt einen Platz im Bus ergattert (Ausgabe vom 5. Januar). Doch wie viele Passagiere darf ein Chauffeur überhaupt aufnehmen, ohne die Sicherheit zu gefährden?

Vier Stehplätze pro Quadratmeter

Gemäss VVL-Sprecher Christoph Zurflüh sind die Gelenkbusse auf den Linien 50, 51 und 52 der Auto AG Rothenburg zwischen Luzern und Rothenburg/Rain für rund 140 Personen zugelassen. «Dabei wären alle Sitzplätze belegt, und pro Quadratmeter würden vier Personen stehen», sagt er. In der Praxis habe man solche Werte noch nie erreicht, nicht einmal bei Grossveranstaltungen.

Man beobachte die Fahrgastzahlen des automatischen Zählsystems genau. Auf den stärksten Kursen zähle man aktuell bis zu 100 Personen. «Für den Fahrgast fühlt sich dies bereits äusserst eng an», sagt Zurflüh. Solche Werte erreiche man zu Pendlerzeiten aber seit Jahren auch auf anderen Linien in der Agglomeration. Die Sicherheit der Fahrgäste sei jederzeit gewährleistet. Die Schätzung des Leserbriefschreibers Stephan Wirt, der 200 Personen zählte, kann Zurflüh nicht nachvollziehen. Aktuell führt der Verkehrsverbund mit der Auto AG Rothenburg eine Informationskampagne durch. «Mit Plakaten an Haltestellen, Werbung in Bussen und Flyer in alle Haushaltungen möchten wir die Bevölkerung auf freie Kapazitäten zwischen Rothenburg und Luzern hinweisen», erklärt Zurflüh.

Auf den Kursen Bertiswil–Luzern Pilatusplatz und auf den Bussen in Kombination mit der S-Bahn gebe es auch zu Pendlerzeiten noch freie Plätze.

Überlastung durch Schüler

Auf dem Netz der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) sind insbesondere die Linien 6, 7 und 8 vom Bahnhof Luzern Richtung Kantonsschule Alpenquai am Morgen notorisch überlastet. Grund dafür sind Hunderte Kantonsschüler, die gleichzeitig zur Schule müssen.

«Es handelt sich um eine kurze, 20-minütige Phase vor 8 Uhr, in der es in den Bussen eng werden kann», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi. Das Problem bestehe vor allem im Winter und weniger im Sommer, wenn viele Schüler mit dem Velo anreisten.

Bis Ende 2017 ist laut Bertschi mit einer Entlastung zu rechnen. Dann nämlich sollen auf der Linie 8 neu Doppelgelenkbusse, wie man sie heute bereits auf der Linie 1 kennt, zum Einsatz kommen. Die stark frequentierte Linie 1 wiederum soll Ende Jahr mit der neuen Linie 5 Kriens–Emmenbrücke entlastet werden.

Passagiere bleiben bei Türe stehen

Ein Hauptproblem sei, dass Passagiere oft im Türbereich des Busses stehen blieben, meint Bertschi. Dadurch entstehe schnell der Eindruck, dass ein Bus überfüllt sei, obwohl es im Gang noch Platz gebe.

In Sachen Höchstpassagierzahl halte man sich an die Vorgaben des Bundesamts für Verkehr. Demnach sind beispielsweise die Doppelgelenkbusse für maximal 220 Passagiere ausgelegt, was durchschnittlich 4 Personen pro Quadratmeter entspricht. «Bis diese Zahl erreicht ist, muss der Bus schon sehr voll sein», erklärt Bertschi. Denn auch Taschen oder Kinderwagen würden viel Platz beanspruchen. Wichtig sei, dass sich alle Passagiere richtig festhalten könnten und der Bereich beim Chauffeur frei bleibe.

Chauffeur kann nicht mitzählen

Bei Grossanlässen wie Fussballspielen kommen Lotsen zum Einsatz, um die Besucherströme kontrolliert ein- und aussteigen zu lassen. Im Linienverkehr habe ein Chauffeur hingegen nur begrenzt Möglichkeiten, um die Passagiermengen zu steuern, sagt Bertschi: «Es wäre vermessen zu glauben, dass die Chauffeure die Passagiere zählen und damit die Höchstzahlen genau einhalten könnten.»

Ein Überschreiten der Zahl könne aus versicherungstechnischer Sicht zum Problem werden: dann nämlich, wenn ein übervoller Bus in einen Unfall verwickelt ist und wegen der Überlastung Schaden entsteht. Doch einen solchen Vorfall habe es bisher noch nie gegeben.

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