OFFENE TÜREN: Eine Stadt im Theaterrausch

Das Luzerner Theater hat am Samstag sein 175-jähriges Bestehen gefeiert. Gleichzeitig eröffnete das Kleintheater Luzern die neue Saison und liess seine Besucher hinter die Kulissen blicken.

Beatrice Vogel
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Wie auf Bestellung schien gestern die Sonne für das Jubiläumsfest des Luzerner Theaters. Gross und Klein tummelten sich gemütlich vor und im Luzerner Theater. Mit wenigen Worten eröffnete Theaterdirektor Dominique Mentha die Feierlichkeiten: «Luzern besitzt das älteste Theater der Schweiz.» Dieses sei vor allem ein Theater der Luzerner Bürger, weshalb an diesem Festakt die Türen für das Volk geöffnet werden. Ganz in diesem Sinne durften die Festbesucher den Theaterbetrieb live miterleben.

«Wichtigste Kulturstadt»

In den Ateliers im obersten Stock sah man den Kostümschneiderinnen und Maskenbildnerinnen bei der Arbeit zu. Therese und André Emmenegger-Hirschi liessen sich als langjährige Theaterabonnenten diese Gelegenheit nicht entgehen. «Ich wusste nicht, dass hier alle Stoffe für die Kostüme selbst gefärbt werden. Das ist unglaublich interessant», berichtet Therese Hirschi-Emmenegger begeistert. Die Besucher durften nicht nur beim Arbeiten zusehen, sondern teilweise auch Kostüme anprobieren. So schlüpfte Frank Dutschke aus Berlin, der in Luzern zu Besuch ist, in ein Frauenkostüm. «Das ist eine ganz neue Erfahrung für mich», erklärt Dutschke lachend. Neben den Ateliers konnten Musik- und Schauspielproben besucht werden. So beispielsweise im UG, wo Regisseur Andreas Herrmann mit seinem Schauspielensemble Szenen aus The Black Rider probte.

Ulrike Scheiderer (schwarzes Shirt) kleidet Pascal Bösch aus St. Erhard ein. (Bild: Corinne Glanzmann)
33 Bilder
Das Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Kleintheater feiert seine Eröffnung. (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Im Bild vorne Dominik Kaschke; er führt durch das Theater. (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Im Bild Jürg Kienberger. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Im Bild Jürg Kienberger bei der Probe. (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Im Bild das Splätterlitheater bei der Probe. (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Im Bild das Splätterlitheater bei der Probe (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Im Bild Denise Wintsch. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. Im Bild Ulrike Scheiderer (schwarzes Shirt) zeigt die Kleider. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. Im  Bild eine Probe. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. Hier werden Schauspieler geschminkt. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. In der 'Makse' werden Schauspieler geschminkt. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre Jubiläum. In der 'Makse' werden Schauspieler geschminkt. (Bild: Corinne Glanzmann)
Beatrice Turnher, links, und Vreni Schacher in der Theater-Schreinerei. (Bild: Corinne Glanzmann)
Ulrike Scheiderer (schwarzes Shirt) zeigt die Theaterkleider. (Bild: Corinne Glanzmann)
Zuschauer bei einer  musikalischen Probe. (Bild: Corinne Glanzmann)
Zuschauer bei einer Probe. (Bild: Corinne Glanzmann)
Zuschauer bei einer  musikalischen Probe. (Bild: Corinne Glanzmann)
Ulrike Scheiderer (schwarzes Shirt) kleidet Pascal Bösch aus St. Erhard ein. (Bild: Corinne Glanzmann)
Ulrike Scheiderer (schwarzes Shirt) kleidet Pascal Bösch aus St. Erhard ein. (Bild: Corinne Glanzmann)
Probe im UG zu "The Black Rider". (Bild: Corinne Glanzmann)
Probe im UG zu "The Black Rider" (Bild: Corinne Glanzmann)
Probe im UG zu "The Black Rider" (Bild: Corinne Glanzmann)
Probe im UG zu "The Black Rider" (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre-Jubiläum. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre-Jubiläum. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das Luzerner Theater feiert sein 175 Jahre-Jubiläum. (Bild: Corinne Glanzmann)
Kleintheater Luzern feiert sein Eröffnungsfest. Rundgang fotografiert am 06. September 2014. (Bild: Corinne Glanzmann)

Ulrike Scheiderer (schwarzes Shirt) kleidet Pascal Bösch aus St. Erhard ein. (Bild: Corinne Glanzmann)

Unter den Gästen befand sich auch Stadtpräsident Stefan Roth. «Der Besuch des Theaters gehört natürlich zu meinen Aufgaben – aber es ist eine sehr schöne Aufgabe», so Roth. Er freue sich immer über die spannenden Begegnungen hier. Roth betonte die Bedeutung des Theaters für Luzern: «Unsere Stadt ist die Kulturstadt der Schweiz, und in diesem Zusammenhang spielt das Theater eine wichtige Rolle.» Gerade heute, da sich aufgrund der finanziellen Lage die Politik viele Gedanken zur Kultur mache, sei ein solcher Anlass sehr wichtig.

Klein, aber fein

Neben dem Luzerner Theater ist in der Kulturstadt Luzern das Kleintheater nicht wegzudenken. Auch dieses feierte gestern – nämlich die Eröffnung der neuen Spielsaison, neu unter der Leitung von Caroline Haas und Sonja Eisl. Die Besucherzahl war im Vergleich zu jener des Stadttheaters zwar verschwindend klein, das Programm jedoch nicht weniger exquisit.

Als Vorgeschmack auf die Saison führten Romeo Meyer und Dominik Kaschke das Publikum hinter die Kulissen des Kleintheaters. Auf dem Rundgang sah der Besucher alles – von der Garderobe bis zum Notausgang der Bühne – und erlebte so manche amüsante Überraschung. Beispielsweise «das Monster im Keller», den Spoken-Word-Künstler Renato Kaiser, der einen seiner Texte zum Besten gab, und Jürg Kienberger, der mit den Rundgangbesuchern ein Lied über Burnouts einstudierte.

Besucherin Silvie von Kaenel, selbst Theaterschaffende in der Roten Fabrik in Zürich, betont, dass es zwischen Stadttheater und Kleintheater heute keinen Graben mehr gebe: «Die Grenzen sind aufgelöst, viele Schauspieler spielen auf beiden Bühnen, und auch für die Zuschauer ist beides interessant.» Diese Meinung teilt Denise Wintsch, die im neuen Programm ihr zweites Solostück präsentiert. Sie selbst lässt sich von allen künstlerischen Richtungen inspirieren: «Es ist toll, dass in Kunst und Kultur die Grenzen aufgebrochen werden und sich alle gegenseitig beeinflussen.» So stand denn der gestrige Tag ganz im Zeichen der Kultur, und beide Spielstätten dürften ihn als vollen Erfolg verbuchen.