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«Oft fehlt Notfallpraxen die Zeit für eine Krisenintervention»

Nachgefragt

Dass in Luzern jährlich Hunderte von einer fürsorgerischen Unterbringung (FU) betroffen sind, führt Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, auch auf akuten Personalmangel in der Medizin zurück:

Aldo Kramis, die Zahlen der Luzerner Psychiatrie (Lups) weisen auf eine leichte Zunahme der Fälle hin. Deckt sich diese Entwicklung mit Ihren Erfahrungen?

Da eine fürsorgerische Unterbringung meist ausserhalb der Sprechstunde angeordnet wird, kann ich die aktuelle Entwicklung kaum beurteilen. Klar ist: Weil Hausärzte heute weniger oft Notfalldienst leisten, stellt ein Arzt weniger FU aus als früher. Dennoch gehe ich davon aus, dass die Zahl der FU ansteigend ist.

Liessen sich gewisse fürsorgerische Unterbringungen mit einer besseren ambulanten Versorgung vermeiden?

Die ambulanten Strukturen im Kanton sind bereits heute gut ausgebaut. Dazu zählt etwa die gemeindeintegrierte ambulante Psychiatrie, bei der Patienten daheim betreut werden. Zudem betreiben wir Ambulatorien in Luzern, Hochdorf, Sursee und Wolhusen und bieten mit Sozialberatungszentren eine Anlaufstelle für Suchtkrankheiten an. Das ­Problem ist: Die Angebote sind mobilen Teams und auswärtigen Notfallärzten wenig bekannt. Zudem leiden alle Dienste unter Personalmangel. Weil die Fallzahlen steigen, aber nicht genügend Psychiater verfügbar sind, gibt es leider oft zu lange Wartezeiten in der Betreuung der psychischen Patienten. In der Folge kommt es öfters zu Eskalationen mit vorzeitiger Überweisung in die Lups.

Julius Kurmann, Chefarzt der Lups, erklärt sich die Zunahme der FU ebenfalls mit mangelnden Kennt­nisse der zuweisenden Ärzte über die regionalen Versorgungsstrukturen.

Dem pflichte ich bei. Ein Hausarzt des Hausbesuchsdienstes versorgt weitere Teile des Kantons und kennt sich mit lokalen Strukturen schlechter aus. Auch auswärtige mobile Teams ordnen öfters einen FU an, da ein Patient mit psychischen Problemen seltener dem Hausarzt übergeben werden kann. Hinzu kommt: In Notfallpraxen an den Spitälern oder in der Permanence am Bahnhof Luzern wird man sehr oft von Patienten überrannt. Die Zeit für Gespräche und Krisenintervention fehlt. Psychisch Kranke werden ­lieber gleich in die Lups überwiesen. (fi)

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