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Ohne diese Krienser Firma bleibt der Tesla stehen

Der Krienser Stromtankstellenhersteller Evtec kann sich im Moment kaum retten vor Aufträgen – so beliebt sind seine Produkte. Trotzdem ortet das Unternehmen bei der E-Mobilität in der Schweiz noch viel Aufklärungsbedarf.
Gregory Remez
Die Köpfe hinter den Ladestationen von Evtec (von links): Firmengründer Roland Bucher und Markus Kramis sowie der Marketing-Verantwortliche Dominik Mock. (Bilder: Jakob Ineichen, Kriens 24. Juli 2019)

Die Köpfe hinter den Ladestationen von Evtec (von links): Firmengründer Roland Bucher und Markus Kramis sowie der Marketing-Verantwortliche Dominik Mock. (Bilder: Jakob Ineichen, Kriens 24. Juli 2019)

Gerade mal an zwei öffentlichen Stationen konnte man sein Elektroauto in Luzern zu Beginn des Jahres aufladen. Mit nur einer Ladestation auf 40'000 Einwohner bildete die Stadt schweizweit das Schlusslicht (wir berichteten). Zum Vergleich: In Zürich gab es zu diesem Zeitpunkt gemäss dem Branchenverband Swiss eMobility immerhin eine öffentliche Ladestation pro 18'000 Einwohner, in Bern gar eine pro 8500. Inzwischen hat Luzern nachgerüstet und weitere Stationen installiert, im Vergleich zu anderen Städten hinkt man aber noch immer stark hinterher.

Umso erstaunlicher scheint es, dass sich unweit von Luzern der Unternehmenssitz einer der schweizweit gefragtesten Produzenten für Stromtankstellen befindet. Die Krienser Firma Evtec (ausgesprochen: «Ivitec») stellt seit 2010 mobile Ladegeräte und fixe Ladestationen für Elektroautos her. Und hat damit zunehmend Erfolg. Co-Geschäftsleiter Markus Kramis sagt:

«Wir können uns derzeit kaum vor Aufträgen retten. Der E-Boom ist deutlich zu spüren, die Nachfrage ist in den letzten Monaten förmlich explodiert.»

Wenn Kramis über die Entstehungsgeschichte von Evtec spricht, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Zu sehr entspricht es dem gängigen Tech-Start-up-Klischee, zu sehr klingt es nach Silicon Valley. «Angefangen haben wir im Dachstock meiner Mutter», sagt der Elektroingenieur. Nach einem Projekt, bei dem er gemeinsam mit anderen Studenten von der Hochschule Luzern und der ETH Zürich einen Elektrorennwagen entwickelt hatte, habe er angefangen, sich Gedanken über die E-Infrastruktur in der Schweiz zu machen. «Mir wurde ziemlich schnell klar, dass aus mir kein E-Autobauer wird. Doch ich war fasziniert von E-Mobilität», erinnert sich der heute 34-Jährige. Deshalb tat er sich mit seinem Studienfreund Roland Bucher zusammen, holte den Tessiner Elektroautopionier Marco Piffaretti an Bord und gründete eine eigene Firma. Kramis:

«Damals gab es auf den Strassen noch fast keine E-Fahrzeuge, aber ich ahnte, dass es irgendwann viel mehr sein würden und dass sie alle irgendwo werden Strom beziehen müssen.»

Heute kann man in der Schweiz an rund 250 mobilen und fixen Evtec-Ladestationen sein E-Fahrzeug aufladen. Hier die mobile Variante:

Ins Ausland setzte das Unternehmen mit aktuell 24 Mitarbeitenden bereits über 1000 Geräte ab, die meisten davon in die Nachbarländer Deutschland, Italien und Österreich. So sieht die fest installierte Ladestation aus:

Zu den Kunden zählen neben den Grossen aus der Automobilbranche wie Volks­wagen oder Honda auch hiesige Städte und Kommunen. So arbeitet die Firma seit längerem mit den Verkehrsbetrieben St. Gallen und den Zugerland Verkehrsbetrieben zusammen. «Wir wollen Lademöglichkeiten nicht nur für Elektroautos, sondern für alle möglichen E-Fahrzeuge anbieten, dazu gehören auch Nutzfahrzeuge wie Busse und Lastwagen», sagt Dominik Mock, der bei Evtec für den Verkauf und die Vermarktung zuständig ist. Unter anderem plant das Unternehmen eine baldige Kooperation mit den Verkehrsbetrieben Luzern, die zum Ziel hat, die Trolleybusse in Zukunft effizienter mit Strom über die Fahrleitungen zu versorgen.

Zehn Minuten laden für 100 Kilometer

Als Hauptkonkurrenten von Evtec bezeichnet Mock den Energiekonzern ABB. Um sich jedoch vom Badener Industrieriesen ­abzusetzen, fahren die Krienser eine eigene Strategie: «Statt Massenware bieten wir massgeschneiderte Lösungen für alle gängigen Lade- und Anschlusstechniken an. Der Kunde kann seine Ladestation also wunschgemäss zusammenstellen», sagt Mock. Hierzu stellt Evtec derzeit drei Grundmodelle her, wobei der sogenannte «Espresso & Charge» das Flaggschiffprodukt bildet; bei diesem muss man für eine Strecke von 100 Kilometern nur rund zehn Minuten Ladezeit (bei bis zu 150 kW) einrechnen – «also ungefähr einen Espresso lang», wie Mock es nennt. Das Modell steht derzeit vor allem an hiesigen Autobahnraststätten, ist aber immer öfter auch im Ausland zu sehen.

Doch auch wenn die E-Autobranche boomt und Evtec davon direkt profitiert – das Unternehmen machte im vergangenen Jahr erstmals einen Umsatz von über 5 Millionen Franken – gibt Co-Geschäftsführer Markus Kramis zu bedenken:

«Immer mehr fahren Tesla, doch die für die E-Mobilität nötige Infrastruktur wird in der Schweiz immer noch etwas stiefmütterlich behandelt. In diesem Bereich gibt es noch viel Aufklärungsbedarf, das Know-how ist bei vielen noch nicht da.»

Dies fange bereits bei der Ausbildung an. So sei es etwa trotz des Booms nicht ganz einfach, Elektroingenieure zu finden. Dabei sei man dringend auf guten Nachwuchs angewiesen.

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