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Das neue Luzerner Theater braucht dringend Mäzene: Wie sie zu finden sind, zeigt ein Kulturbetrieb in Zürich

Die öffentliche Hand allein kann den Neu- oder Erweiterungsbau des Luzerner Theaters nicht stemmen. In welchem Ausmass sich Mäzene und spendable Firmen finden lassen, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Hugo Bischof
Blick auf das Luzerner Theater und den Theaterplatz, rechts die Jesuitenkirche. (Bild: Corinne Glanzmann, 29. November 2018)

Blick auf das Luzerner Theater und den Theaterplatz, rechts die Jesuitenkirche. (Bild: Corinne Glanzmann, 29. November 2018)

226,5 Millionen Franken kostete der Bau des 2010 fertiggestellten Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL). Rund 30 Prozent davon, 63 Millionen Franken, trugen private Geldgeber und Firmen bei. Etwa 1400 Privatpersonen und Firmen in Luzern und der Zentralschweiz machten mit. Es war eine damals schweizweit beispiellose Sammelaktion.

In Luzern steht ein neues Grossprojekt an: Der Neu- oder Erweiterungsbau des Luzerner Theaters (siehe Kasten). Für eine detaillierte Kostenschätzung ist es zu früh. Es ist aber absehbar, dass es auch hier um einen dreistelligen Millionenbetrag gehen wird. Das bedeutet: Ohne einen privaten finanziellen Kraftakt wird es auch hier nicht gehen.

Optimismus beim Stiftungsrat des Theaters

Birgit Aufterbeck Sieber, Stiftungsratspräsidentin des Luzerner Theaters, ist optimistisch: «Wir haben positive Signale von Luzerner Persönlichkeiten, die bereit sind, das Projekt auch finanziell zu unterstützen.» Konkret werden kann und will sie noch nicht: «Das ist erst im kommenden Jahr möglich, wenn wir wissen, in welche Richtung sich das Projekt genau entwickelt.»»

Hans Rudolf Schurter, Verwaltungsratspräsident der Schurter Holding AG, ist skeptischer. Der heute 69-Jährige war erster Präsident der KKL-Betreibergesellschaft. «Ich habe Zweifel, ob eine private Geldsammelaktion beim Luzerner Theater gleichermassen funktionieren wird», sagt er. Ein grosses privates Interesse sei zwar da. Etwas Wichtiges fehle aber: «Es müsste eine Vision kommen, die Begeisterungsstürme auslöst.»

«Es müsste eine Vision kommen, die Begeisterungsstürme auslöst.»

Hans Rudolf Schurter, erster KKL-Präsident

Wie steht der Stadtrat zu privaten Geldgebern?

Beim KKL sei das der Fall gewesen, sagt Schurter: «Das war ein richtiges Public-Private-Partnership-Projekt, bei dem Private und der Staat gemeinsam für etwas einstanden.» Das KKL habe alle überzeugt, «auch linke Kreise, die sonst eher staatsgläubig sind und privater Einflussnahme kritisch gegenüber stehen». Auch der damalige Stadtrat habe sich klar hinter das KKL-Projekt gestellt. Bei der heutigen Stadtregierung ist sich Schurter nicht sicher, ob sie einem PPP-Projekt ebenso positiv gegenüberstünde: «Der Widerstand gegen das von Privaten lancierte Carparkierungs-Projekte spricht Bände.»

Schurter sieht einen weiteren Unterschied: «Das KKL hatte von Anfang an eine nationale, wenn nicht gar internationale Ausstrahlung. Das war bei der Sponsorensuche ein Vorteil, da das positive KKL-Image auf die Geldgeber abfärbte.» Das Theater hingegen sei vor allem regional, zentralschweizerisch verankert: «Da wird die Sponsorensuche schwieriger.»

Sinfonieorchester und Lucerne Festival würden profitieren

Numa Bischof, Geschäftsführer des Luzerner Sinfonieorchesters, kennt sich im Kultursponsoring bestens aus. Kürzlich konnte er bekannt geben, dass der Unternehmer und langjährige Unterstützer des Luzerner Sinfonieorchesters Michael Pieper einen mit 15 Millionen Franken dotierten Fonds äufnete. Ziel: Das Luzerner Sinfonieorchester in die «Champions League» der internationalen Toporchester zu bringen. Wie gut die Chancen für ein grosses Theater-Sponsoring sind, dazu will sich Bischof nicht äussern: «Dafür ist es viel zu früh; es gibt noch kein konkretes Projekt.»

Auch Michael Häfliger, Intendant des Lucerne Festival, findet den Zeitpunkt für eine Stellungnahme zu früh. Das Luzerner Sinfonieorchester und das Lucerne Festival würden von der Theater-Erneuerung profitieren, denn damit würden hier endlich Opern-Grossprojekte möglich.

«Es muss ein Public-Private-Partnership-Projekt sein.»

Rosie Bitterli,



Chefin Kultur und Sport der Stadt Luzern

Rosie Bitterli, Chefin Kultur und Sport der Stadt Luzern, relativiert den Vergleich mit dem KKL, was die finanzielle Grössenordnung betrifft. «Es ist nicht die Intention von Stadt und Kanton, ein zweites KKL zu bauen. Wir brauchen Räume und einen Betrieb für professionelles Theaterschaffen, das alle Bevölkerungsteile anspricht.» Auch für sie ist klar: «Es muss ein Public-Private-Partnership-Projekt sein.»

Vorbild Kunsthaus Zürich

Ein Vorbild ist zurzeit das Kunsthaus Zürich. Es erhält bis 2020 einen Erweiterungsbau für insgesamt 206 Millionen Franken. 88 Millionen davon zahlen private Spender. Die restlichen Kosten übernehmen Stadt und Kanton Zürich. Der Erweiterungsbau hat eine Nutzfläche von 13'000 Quadratmetern. Damit wird für Galerien und Wechselausstellungen fast 60 Prozent mehr Platz zur Verfügung stehen als bisher. Unter anderen soll darin die Sammlung Bührle Platz finden.

Der hohe Spendenbeitrag kam nicht dank eines einzelnen grossen Mäzens zustande, sagt Jacqueline Greenspan, verantwortlich für Sponsoring und Fundraising bei der Kunstgesellschaft Zürich. Eine Vielzahl von Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen hätten dazu beigetragen: «Wir haben viele Freunde des Hauses, die uns über Generationen hinweg die Treue halten. Sie sind sich bewusst, dass Kunst etwas Bleibendes ist, und wollen die Tradition unseres Hauses weiterführen.» Für die Sammelaktion habe es einigen Aufwand gebraucht: «Ganz wichtig war, dass wir Ambassadoren, bekannte Persönlichkeiten, hatten, die für unser Anliegen warben.»

«Ganz wichtig war, dass wir bekannte Persönlichkeiten hatten, die für unser Anliegen warben.»

Jacqueline Greenspan,



Kunstgesellschaft Zürich

Ist für ein Kunstmuseum, das Bilder von bleibendem Wert zeigt, die Sponsorensuche einfacher als für ein Theater, das vom allabendlichen Wechsel lebt? «Jede Sparte hat ihre Liebhaber», sagt Greenspan. «Es gibt Kunstliebhaber, denen Theater nichts sagt. Auf der anderen Seite gibt es solche, die mit bildender Kunst weniger anfangen können.»

Engelhorn-Millionen sind weg

Im Fall des Luzerner Theaters haben sich potenzielle Geldgeber bisher noch nicht «geoutet». Möglicherweise warten auch sie ab, wie vielversprechend sich das Projekt entwickelt. Dass öffentlich noch keine Namen genannt werden, hat einen weiteren Grund. Ein «name-dropping» könnte potenzielle Mäzene abschrecken, wird befürchtet.

Noch gibt es in Luzern viele Leute, die den 120 Millionen Franken nachtrauern, die der 2010 verstorbene Christof Engelhorn einst für den Bau eines flexiblen Theatergebäudes (Salle Modulable) in Luzern in Aussicht gestellt hatte. Dieses Geld steht nicht mehr zur Verfügung, nachdem das Kantonsparlament einen Kredit für die «Salle»-Planung 2016 abgelehnt hatte.

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