Reportage

Ohne Schuhe auf den Pilatus: Ein 76-Jähriger macht es vor

Trotz Corona-Pandemie hat am Samstag der «Swiss Trail Run» auf dem Pilatus stattgefunden. Dabei bestritt ein 76-Jähriger die Strecke ohne Schuhe und kaum Bekleidung. Sieger wurde jedoch ein Anderer.

Text: Chiara Zgraggen
Bilder: Manuela Jans-Koch
Drucken
Teilen

Soll ich bei diesem Wetter lieber den ganzen Tag Zuhause verbringen oder meine Zeit in einem Einkaufszentrum totschlagen? Sollten Sie sich diese oder ähnliche Fragen (wahrscheinlich aufgrund des «Hudel-Wetters») am Samstag gestellt haben, gehören Sie wohl nicht zu den 273 Bergläufern, die den zweiten «Swiss Trail Run» bestritten haben.

Sieger ohne Siegertreppchen: Andreas Probst aus dem Aargau.

Sieger ohne Siegertreppchen: Andreas Probst aus dem Aargau.

Übersicht über die beiden Strecken

  • Fun-Strecke: Krienseregg-Fräkmüntegg, 5,1 Kilometer, 430 Höhenmeter
    Keine Unterteilung in Alterskategorien
  • Trail-Strecke: Kriens-Fräkmüntegg, 8,5 Kilometer, 930 Höhenmeter
    Bergdohlen: Jahrgänge 1991-2004
    Falken: Jahrgänge 1971-1990
    Steinadler: Jahrgänge 1970+

Während Herr und Frau Schweizer wohl kaum ohne Regenschirm ihr Haus verlassen, geniessen die Bergläufer die erhöhte Luftfeuchtigkeit. «Es ist die optimale Temperatur für einen Lauf», sagt der Sieger der Kategorie «Falken Männer» und Gesamtsieger Andreas Probst. Der im Aargau wohnhafte Sportler mit der Startnummer 105 ist sichtlich glücklich über seinen Sieg. In nur 49 Minuten und 55 Sekunden hat er die Strecke von Kriens zur Fräkmüntegg hinter sich gelassen. Trotz Freude über den Sieg – die Atmosphäre sei anders. Denn: Er ist wegen den geltenden Corona-Richtlinien ein Sieger ohne Siegertreppchen.

Auch sein Training habe sich durch die Situation verändert. «Ich habe weniger hart trainiert als sonst», sagt der 35-Jährige, bevor er die letzte Etappe dieses Tages hinter sich bringt – den Weg zur Pilatus-Bahn.

Läuft auch im Winter ohne Schuhe: Franz Studer aus Oberwil (BL).

Läuft auch im Winter ohne Schuhe: Franz Studer aus Oberwil (BL).

Wenige Momente nach Probst erreicht auch Franz Studhalter das Ziel. Übersehen kann man den gebürtigen Krienser kaum. Der 76-Jährige trägt nämlich weder Schuhe noch ein T-Shirt. Laufen ohne Schuhwerk sei ein ganz anders Erlebnis. «Ich fühle mich so viel freier, die schönen Wege kann man barfuss besser spüren», sagt der älteste Läufer des Tages. Bemerkbar machen wird sich dieses Gefühl wohl noch länger – bei einem Stolperer hat er sich eine kleine Wunde am Fuss zugezogen.

273 Sportlerinnen und Sportler haben an diesem Samstag am «Trail Run» auf dem Pilatus teilgenommen.

273 Sportlerinnen und Sportler haben an diesem Samstag am «Trail Run» auf dem Pilatus teilgenommen.

Lieber ohne Siegerehrung, als abgesagt

Als um 11 Uhr immer mehr Läufer tröpfchenweise die Ziellinie überschreiten, tropft es weniger vom Himmel herab. Matthias Fanger erreicht das Ziel als Vierter seiner Kategorie. Er hält seine von Schlamm übersäte Wade. «Ich habe gerade einen Krampf», sagt er entschuldigend. Er, wie auch viele andere, bedauern nicht, dass es in diesem Jahr keine Siegerehrung gibt. So sind er und viele andere sich einig:

«Ich bin froh, dass der
‹Trail Run› überhaupt stattfinden kann.»
Läuft sonst eher an Halbmarathons: Marketa Maly aus Walchwil.

Läuft sonst eher an Halbmarathons: Marketa Maly aus Walchwil.

Als erste Frau an diesem Tag erreicht Marketa Maly die Fräkmüntegg. Sie benötigte für die Strecke 59 Minuten und 25 Sekunden. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Obwohl sie als Erste ihres Startblocks oben ankommt, wird sie den ersten Platz auf dem imaginären Siegertreppchen an eine andere Sportlerin abgeben müssen. Tatiana von Allmen ist zwar nach der gebürtigen Tschechin gestartet, toppte ihre Zeit jedoch um etwas mehr als eine Minute.

Chips in der Startnummer ermöglicht Contact-Tracing

Damit die Bergläufer überhaupt teilnehmen konnten, mussten die Organisatoren ein Schutzkonzept auf die Beine stellen und bewilligen lassen. Dies sei jedoch weniger aufwendig gewesen, als man sich das denken könnte. «Eine Bewilligung für eine solche Veranstaltung braucht man sowieso», sagt Beat Schorno, Pressesprecher vom Verein «Swiss City Marathon», welcher den Lauf organisiert hat, auf Anfrage dieser Zeitung. Darüber hinaus stehe der Geschäftsführer des Vereins, Reto Schorno, auch dem Verein «Swiss Running» vor und habe deshalb bereits viel Erfahrung mit der Ausarbeitung von Schutzkonzepten für verschiedene Läufe in der Schweiz.

Die Gewinner erhalten den Preis per Post zugestellt.

Die Gewinner erhalten den Preis per Post zugestellt.

Massnahmen aufgrund von Corona:

  • Versand aller Unterlagen im Vorfeld
  • Startblöcke à maximal 80 Teilnehmer
  • Keine Verpflegungsposten
  • Keine Siegerehrung
  • Contact Tracing mithilfe eines Chips

Das Contact Tracing funktioniere dank einem Chip, welcher in der Startnummer der Läufer eingebaut ist. An verschiedenen Orten kann so nachvollzogen werden, welche Läufer sich nahe waren, so dass bei einem Corona-Fall nicht allesamt in Quarantäne müssten. Zudem fand nicht wie geplant ein Massenstart statt, sondern Startblöcke mit maximal 80 Teilnehmern. «Das ist schade», bedauert Schorno, «aber nur so konnten wir die Sicherheit der Sportlerinnen und Sportler sicherstellen.»

Die Rangliste sowie weitere Informationen finden Sie unter www.swisstrailrun.ch