OLDTIMER: Alte Traktoren erobern Schötz

20 000 Besucher und über 1000 landwirtschaftliche Maschinen – Liebhaber von alten Traktoren sorgen im Hinterland für einen Ausnahmezustand.

Stephan Santschi
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Der Schötzer Hans Wey und sein Lieblingstraktor: der Hürlimann H12, Jahrgang 1951. (Bild Pius Amrein)

Der Schötzer Hans Wey und sein Lieblingstraktor: der Hürlimann H12, Jahrgang 1951. (Bild Pius Amrein)

«Es wird ein spezielles Bild sein: Zwischen 8 und 8.30 Uhr werden am Samstag aus allen Richtungen Traktoren ins Dorf fahren. Wer kein Frühaufsteher ist, könnte vom Dröhnen der Motoren geweckt werden. Es ist wie die Einfahrt eines Zirkusses.» Hans Wey blickt dem Wochenende mit viel Vorfreude entgegen. Dann nämlich wird in Schötz zum vierten Mal das alle fünf Jahre stattfindende internationale Oldtimer-Traktorentreffen über die Bühne gehen. Der von Wey präsidierte Verein «Freunde alter Traktoren Schötz» ist für die Organisation verantwortlich.

Motor weckt Erinnerungen

Erwartet werden in der 3900-Einwohner-Gemeinde 20 000 Besucher. Und natürlich eine Vielzahl an alten Traktoren, Landmaschinen und handwerklichen Gerätschaften. 1000 bis 1200 Aussteller aus der Schweiz und dem nahen Ausland nehmen die Beobachter mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. «Es wird chlöpfen, und es werden Rauchwolken in den Himmel steigen», sagt Hans Wey und strahlt.

Der 56-jährige Schötzer besitzt selber mehrere Oldtimer-Traktoren. Sein Lieblingsstück ist ein Hürlimann H 12 mit Jahrgang 1951, Spitzengeschwindigkeit: 25 km/h. «Mit dieser Maschine hat mein Vater früher auf dem Hof in Eppenwil gearbeitet. Wenn ich heute den Motor höre, kommen Erinnerungen an meine Kindheit auf. So geht es vielen Besitzern von alten Traktoren.»

20 Jahre war der Hürlimann H 12 von der Bildfläche verschwunden, ehe er ihn bei einem Sammler in Hünenberg ausfindig machen konnte. «Der Traktor bestand nur noch aus verrosteten Teilen und war kaum noch zu erkennen. Eineinhalb Jahre habe ich gebraucht, um ihn wieder flott zu machen», erzählt Hans Wey, Inhaber der Wey Malerei & Spritzwerk in Schötz.

Ein Traktor mit zwei Tanks

Neben persönlicher Nostalgie fasziniert ihn die Mechanik von damals. «Die Schaltung ist manuell, heute passiert das meiste elektrisch», sagt er, schwingt sich auf das 30 PS starke Fahrzeug und startet den Motor. «Der Traktor hat zwei Tanks. Früher ist er mit Benzin gestartet worden. Wenn der Motor genug warm war, schaltete man auf Petrol-Antrieb um. Petrol war damals billiger, doch damit sprang der Motor nicht an», erklärt Wey.

Wenn er mit Kollegen in der Gegenwart eine Ausfahrt macht, wird nur noch Benzin verwendet. Zwei, drei Mal pro Jahr begeben sich die «Freunde alter Traktoren Schötz» auf Tour. «Der Ostermontag ist traditioneller Saisonstart. Wir fahren gemütlich über Landstrassen, ohne den Verkehr zu beeinträchtigen.» An Fasnachtsumzügen ziehen Oldtimer-Traktoren hin und wieder auch närrisch dekorierte Wagen durch die Dörfer.

Der Verein, den es seit 1996 gibt und den Hans Wey im dritten Jahr präsidiert, zählt insgesamt 40 Mitglieder und einen Gesellen. «Der Geselle ist ein mögliches Neumitglied.» Voraussetzung sei, dass er aus Schötz oder einer angrenzenden Gemeinde komme. Er braucht einen fahrtüchtigen Oldtimer-Traktor, welcher der Motorfahrzeugkontrolle vorgeführt wurde. Und er sollte sich aktiv am Vereinsleben beteiligen. «Bevor jemand definitiv zu uns stösst, müssen wir von seinem Interesse überzeugt sein. Hier wird nicht nur ein wenig Traktor gefahren. Hier geht es um Kultur», so Wey.

Gemeinde steht hinter dem Anlass

Kultur wird in Schötz an diesem Wochenende gelebt. Das OK unter der Leitung von Toni Hunkeler ist seit eineinhalb Jahren mit der Planung beschäftigt, rund 200 Helfer werden im Einsatz stehen. Neben dem Sponsoring, Zahlen nennt Hans Wey keine, erhält der Veranstalter von der Gemeinde und von lokalen Bauern grosse Landflächen für das Ausstellungsgelände und die Parkplätze bereitgestellt. «Dafür sind wir sehr dankbar.»

Hinweis

www.oldietreffenschoetz.ch