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ONLINE-BEWERTUNGEN: Bewertung im Internet: Fünf Sterne für den Doktor

Im Internet bewertet werden nicht nur Restaurants und Hotels, sondern auch Ärzte. Deren nationaler Verband erwartet, dass die Bedeutung noch steigen wird. Anders sieht es bei den Anwälten aus.
Roseline Troxler
Ein Arzt demonstriert die Funktion des Kniegelenks. (Symbolbild LZ)

Ein Arzt demonstriert die Funktion des Kniegelenks. (Symbolbild LZ)

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

«Der Arzt schweift häufig ab und philosophiert lieber über die Politik und die Gesundheitskosten, als den Patienten ernst zu nehmen.» Dies ist das Urteil eines Patienten auf einer Bewertungsplattform über einen Arzt. «Seit mehreren Jahren meine Adresse bei Fragen in sämtlichen rechtlichen Angelegenheiten», lobt eine andere Person auf der Plattform anwaltvergleich.ch die Tätigkeit einer Anwaltskanzlei in Luzern.

Die Auszüge zeigen: Nicht nur Gastrobetriebe werden im Internet bewertet. Auch an Anwälte, Ärzte und Zahnärzte werden Punkte verteilt und Rezensionen über sie geschrieben.

Ärzte zweifeln am Nutzen

Yvonne Gilli, Mitglied des Zentralvorstands der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, sagt: «Die Bedeutung von Internetbewertungen wird steigen, da sie immer häufiger für verschiedene Lebensbereiche genutzt werden.» Auch Barbara Züst, Geschäftsführerin der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz, erwartet, dass der Einfluss «aufgrund der Digitalisierung, der verschärften Wettbewerbs­situation und wegen des Zugangs von immer mehr Ärzten aus dem Ausland» zunimmt.

Aus eigener Erfahrung spricht Aldo Kramis, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern. Für ihn haben Internetbewertungen einen «sehr geringen Stellenwert». Mehr Nutzen würden Umfragen bringen. Denn Bewertungen seien meist sehr persönlich gefärbt. Laufe eine einfache Operation gut ab, sei der Chirurg ein Held. Komme es bei einer schwierigen Operation zu Komplikationen, werde der Arzt schnell als «Kurpfuscher» dargestellt. Yann Deleurant schätzt die Bedeutung der Internetbewertungen als klein ein und erwartet, dass diese sogar «massiv abnehmen». Deleurant präsidiert die Schweize­rische Zahnärzte-Gesellschaft, Sektion Luzern. Laut Yvonne Gilli korrelieren Bewertungen nicht mit der Qualität der Behandlung. Zu diesem Schluss komme eine amerikanische Studie. «Negative wie auch positive Ratings können Patienten irreführen.»

Portale, um Ärzte zu bewerten, gibt es mehrere. Im Jahr 2008 etwa wurde okdoc.ch aufgeschaltet. Das Portal musste alle negativen Kommentare entfernen, als der Datenschutzbeauftragte interveniert hatte. Bei medico­search.ch hingegen können auch kritische Bewertungen abgegeben werden. Wenn neue Bewertungen vorliegen, werden die Ärzte per Mail informiert und erhalten laut Aussage des Portals die Möglichkeit zur Stellungnahme. Für Aldo Kramis sollten auf Plattformen auch kritische Bewertungen einen Platz haben. «Es gibt allerdings krasse Fälle, bei denen subjektiv und undifferenziert über einen Arzt hergezogen wird, was berufsschädigend ist.» Der Datenschutzbeauftragte hat deshalb auch schon Regelungen für Portale erlassen. So müssen Ratings unabhängig von industriellen oder versicherungspolitischen Interessen sein. Einem Arzt muss das Recht eingeräumt werden, nicht aufgeführt zu werden. Und die Website muss so überwacht werden, dass keine ehrverletzenden oder beleidigenden Kommentare erscheinen. Weist eine Bewertung ehrverletzenden Charakter auf, kann ein Strafverfahren eröffnet werden.

Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte hat in der Vergangenheit diskutiert, eine eigene Bewertungsplattform aufzuschalten. Sie hat diese Idee inzwischen verworfen. Unter doctorfmh.ch besteht für Mitglieder die Möglichkeit, den beruflichen Werdegang und weitere Angaben zu hinterlegen. Aldo Kramis hätte eine eigene Plattform begrüsst, «damit man objektiv und für die Patienten klar einsehbare Einträge ins Netz stellen kann».

Yann Deleurant erklärt, dass es auch Plattformen gibt, bei denen man zahlen kann, um eine bessere Positionierung zu erhalten. Auch Barbara Züst von der SPO sieht gewisse Portale eher als Marketinginstrument. «Der Patientennutzen ist bescheiden bis nicht vorhanden.» Ist ein Patient unzufrieden, rät sie diesem, das Gespräch mit dem Arzt zu suchen. «Falls das nichts bringt, gibt es in den meisten Spitälern interne Beschwerdestellen. Falls sich keine Lösung abzeichnet, stehen wir als externe und damit unabhängige Anlaufstelle zur Verfügung.»

«Anwaltsbesuch ist sehr persönlich»

Im Internet bewertet werden nebst Ärzten auch Anwälte. Doch die Anzahl scheint deutlich geringer zu sein als bei den Ärzten. Christine Hess-Keller, Öffentlichkeitsbeauftragte des Luzerner Anwaltsverbands, schätzt die Rolle von Onlineratings als untergeordnet ein. Und sie sagt: «Einige Anwälte sind auf Plattformen aufgeschaltet, ohne davon zu wissen. Andere werben auf solchen Webseiten aktiv für sich.» Hess glaubt nicht, dass die Bedeutung künftig zunimmt. Und erklärt: «Ein Besuch beim Anwalt ist etwas sehr Persönliches. Man redet nicht davon.»

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