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ONLINE: Robert Bachmann: Der Teletext war seine Einstiegsdroge

Robert Bachmann ist Leiter unserer Online-Redaktion. Der 45-jährige Luzerner arbeitet seit über 20 Jahren bei unserer Zeitung. Der Journalist ist von Berufs wegen permanent online. Wie sich diese stetige Erreichbarkeit auf das Zusammenleben mit seiner Ehefrau und den beiden Söhnen (9 und 12) und auf sein Lese- und Konsumverhalten auswirkt, schilderte er uns letzte Woche.
Interview Roger Rüegger
Robert Bachmann. Leiter der Online-Redaktion der Neuen Luzerner Zeitung. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Robert Bachmann. Leiter der Online-Redaktion der Neuen Luzerner Zeitung. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Robert Bachmann, als Online-Chef sollten Sie Herr über modernste Geräte sein. An Ihrem Arbeitsplatz steht jedoch der älteste Fernseher der Redaktion. Misstrauen Sie der neuen Technik?

Robert Bachmann: Das wäre in meiner Funktion ungünstig. Im Gegenteil, ich bin technisch sehr interessiert. So häuft sich halt einiges an, das irgendwann museal anmutet. Das Gerät, das Sie ansprechen, ist ein Mini-Fernseher. Dank seiner Teletext-Funktion war er einst ideal für den schnellen Überblick über die Nachrichtenlage. Der Teletext, 1984 in der Schweiz eingeführt, war quasi der Vorläufer der heutigen Nachrichtenangebote im Web. Als Bub war ich fasziniert von diesem Medium. Heute arbeite ich in jener Branche, die bewirkt, dass mein Teletext-Apparat Staub ansetzt.

Sie haben eine Affinität zu technischem Firlefanz. Was nutzen Sie für Gadgets, die ein Normalbürger nicht braucht?

Bachmann: Ich halte stets die Augen offen nach Reporter-Werkzeug für die Hosentasche. Etwa Ergänzungen für das Smartphone wie ein Mikrofon, eine wasserdichte Hülle oder ein Fernrohr-Adapter. Oder Übermittlungshilfen wie ein mobiler WLAN-Router. Es gibt den Begriff «Mojos» für mobile Journalisten. In dieser jungen Reporter-Disziplin schöpft man die Möglichkeiten aus, die das mobile Internet, portable Geräte, Apps und diverses Zubehör zu bieten haben.

Sie sind beruflich stets online. Wie halten Sie es in der Freizeit mit Smartphones, Tablets und all dem Zeugs?

Bachmann: Ich greife für mein Empfinden nicht überdurchschnittlich oft zum Handy. Um dies zu ermitteln, habe ich die App «Moment» installiert. Resultat: Nur selten halte ich das Handy häufiger als 25-mal pro Tag in der Hand. Zu Hause hat sich mein Medienkonsum weg vom Fernsehen und hin zum Tablet verschoben. Ich lese gerne – am liebsten auf dem Tablet. Auf dem Smartphone nutze ich vor allem E-Mail und News-Apps.

Wie bringen Sie es fertig, dass Ihre Söhne vernünftig auf solche Medien zugreifen?

Bachmann: Das ist zugegebenermassen ein ewiger Kampf, den ich klar mitverschuldet habe. Ich nehme oft Tablets oder Smartphones vom Geschäft nach Hause, um die Apps der Neuen LZ durchzutesten. Das weckt bei den Jungs natürlich Begehrlichkeiten. Dass ich aus beruflichen Gründen an diesen Geräten herumdrücke, nahmen sie mir lange Zeit nicht ab.

Etwas verbieten und es nicht selber vorleben geht ja auch nicht.

Bachmann: Als newsgetriebener Online-Journalist fällt es mir in der Tat nicht leicht, einen sparsamen Internetkonsum vorzuleben. Das färbt natürlich auf den Nachwuchs ab. Unser zwölfjähriger Sohn hat seit den Herbstferien ein eigenes Handy. Nachdem er meiner Frau und mir glaubhaft versicherte, er sei der Letzte seiner Klasse. So hat er jetzt rund um die Uhr Internet übers Handynetz. Die Folge sind abendfüllende Diskussionen über die altersgerechte Zugangszeit ins Internet.

Sie sind vor 20 Jahren in unsere Redaktion eingetreten. Online-Portale gab es damals nicht. Wie funktionierte der damalige Redaktionsalltag?

Bachmann: Ich habe als redaktioneller Mitarbeiter im Ressort Kanton begonnen. Ein wesentlicher Unterschied zu heute war die Informationsmenge, die die Redaktion zu verarbeiten hatte. Sie war weit geringer als heute. Es erreichten uns ja noch keine E-Mails. Unsere Hauptquellen waren Briefpost – zweimal pro Tag –, Fax und Agenturmeldungen per Telex. Wurden Besuchsgruppen durchs Haus geführt, war der Telexraum eine der beliebtesten Attraktionen, weil man mit eigenen Augen mitverfolgen konnte, wie die tickernden Maschinen Zeile um Zeile der neusten Nachrichten aus aller Welt ausspuckten. Heute würde das wohl niemanden mehr beeindrucken.

In 20 Jahren kommt sicherlich einiges an eigenen Artikeln zusammen. An welchen erinnern Sie sich am liebsten?

Bachmann: Lustigerweise an einen meiner ersten. Keine weltbewegende Story, aber im wahrsten Sinne weltumspannend. Es ging um den Moosbach in Gunzwil und um die Diktatur in Nordkorea.

Auf diesen Zusammenhang bin ich ja gespannt. Schiessen Sie los!

Bachmann: Im April 1995 war in einem dürren Polizei-Communiqué vermeldet worden, dass es beim Landessender Beromünster zu einer Bachverschmutzung durch Öl gekommen war. Ich ging der Sache nach und wollte von der Telecom PTT wissen, weshalb aus dem Landessender Öl entweicht. Da wurde mir erklärt, dass sieben Arbeiter aus Nordkorea damit beschäftigt seien, einen tonnenschweren Mittelwellensender auszubauen und ihn für den Abtransport nach Nordkorea bereitzustellen. Man hatte ausrangierte Sendeanlagen ausgerechnet einem der letzten kommunistischen Bollwerke dieser Welt verschenkt. Möglicherweise hört das Volk von Kim Jong Un heute noch Radio Beromünster. Die Recherche, der Besuch im Landessender und die Begegnung mit den medienscheuen Koreanern haben mir grossen Spass gemacht.

Das ist doch allerhand. Was waren Ihre ersten Schritte im Journalismus?

Bachmann: In meiner Jugend wollte ich zum Radio. Ich war grosser Fan von DRS 3 und den damaligen Moderatoren. Folglich wollte ich das Studio in Basel besichtigen und Radiomoderator François Mürner kennen lernen. Das ist mir und meinem Jugendfreund Lukas Gresch gelungen – als selbst ernannte Bild- und Textreporter des legendären «Musenalp-Express».

Wieso sind Sie jetzt nicht beim Radio?

Bachmann: Mir wurde damals empfohlen, das journalistische Handwerk zuerst auf einer Zeitungsredaktion zu erlernen. So bin ich als Zwanzigjähriger beim «Luzerner Tagblatt» gelandet und letztlich in Zeitungsredaktionen geblieben.

Was ist Hauptbestandteil Ihrer Arbeit?

Bachmann: Mein Team der Online-Redaktion ist für alle digitalen Kanäle der Neuen LZ und ihrer Regionalausgaben zuständig. Dazu gehören die Websites, die Apps, die Social-Media-Kanäle und die News-Bildschirme in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Team besteht aus Newsjournalisten, Technikern sowie Verantwortlichen für Service- und Community-Inhalte. Das Spektrum meiner Arbeit ist dadurch breit; vom journalistischen Tagesgeschäft über Konzeptarbeit für neue digitale Angebote bis hin zu technischer Knochenarbeit. Es ist eine dauerhafte Weiterentwicklung.

Der Internetauftritt unserer Zeitung wird neu gestaltet. Was ändert sich?

Bachmann: Wir optimieren die Ladezeiten unserer App und bereiten ein Facelifting für die Startseite unserer Website vor. Zudem wird das E-Paper für Desktop-Computer komplett überarbeitet.

Immer mehr Onlineportale von Printmedien reissen ihre Artikel nur an. Man wird aufgefordert, für den ganzen Artikel zu bezahlen oder ein Abo zu kaufen. Die Leute werden «gwundrig» gemacht und stehen dann vor der Bezahlschranke. Funktioniert diese Strategie?

Bachmann: Der Wettbewerb im Newsgeschäft ist hart. Eine Branche, die ihre Produkte verschenkt, ist auf Dauer nicht überlebensfähig. Die Rechnung kann nicht aufgehen, wenn News möglichst schnell ins Netz gelangen, ausführlich und erst noch gratis sind. Ich glaube, das ist den Konsumenten zunehmend bewusst. Die «Neue Luzerner Zeitung» ist ein Bezahlmedium. Aus Rücksicht gegenüber unseren zahlenden Abonnenten können und wollen wir nicht alles gratis online stellen.

Das leuchtet ein. Wie ist die Strategie, dennoch an die Leute heranzukommen? Was muss der Webauftritt einer Zeitung heute bieten?

Bachmann: Zuallererst sein Hauptprodukt, die Zeitung, in digitaler, nutzbarer Form. Als Gesamtwerk als E-Paper und als einzeln verfügbare Artikel. Durchaus kostenpflichtig. Darüber hinaus hat jeder Verlag seine eigene Strategie. Unsere Online-Angebote bestechen in allen Bereichen durch ihre regionale Stärke. Den Kern bilden relevante und aktuelle regionale und überregionale News sowie regionalbezogene Services. Unsere stetig steigenden Zugriffszahlen deuten darauf hin, dass es nicht falsch ist, wenn wir uns in erster Linie auf das Regionale fokussieren.

Interview Roger Rüegger

Die Serie «Menschen hinter den News» ist auch online zu finden: <b>www.luzernerzeitung.ch/autoren</b>

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