Oranges Polit-Blut bei den Huerenaffe

Comeback der Luzerner Regierung an einem der berüchtigsten Lozärner Gesellschaftsanlässe - dem LFK Empfang. Das sorgt für Spekulationen.

Drucken
Teilen
Die CVP trägt die Fasnacht - LFK-Präsident Flavio Bezzola - auf Händen (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Nationalrat Ruedi Lustenberger, alt Grossratspräsident Erwin Bachmann und Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Die CVP trägt die Fasnacht - LFK-Präsident Flavio Bezzola - auf Händen (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Nationalrat Ruedi Lustenberger, alt Grossratspräsident Erwin Bachmann und Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Die Lozärner Fasnacht ist hochpolitisch. Schon seit Weisch-no-Zeiten. Und besonders bei den zünftigen und ehrenfesten Huerenaffe am jährlichen Empfang des Lozärner Fasnachtskomitees LFK. Dass das Parkett im Dunstkreis (früher: Stumpenrauch) des Herrenabends sauglatt sein kann, weiss man spätestens seit dem regierungsrätlichen Auftritt eines gewissen SVP-Vertreters im Jahr 2006. Seither hat es auf die LFK-Einladungen lauter magistrale Entschuldigungen – manche behaupten: Ausreden – gehagelt.

Die CVP trägt die Fasnacht - LFK-Präsident Flavio Bezzola - auf Händen (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Nationalrat Ruedi Lustenberger, alt Grossratspräsident Erwin Bachmann und Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
15 Bilder
Bild: Pius Amrein/Neue LZ
Flavio Bezzola, Präsident des LFK, mit seinem Weibel Hanspeter Wassmer. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Bild: Pius Amrein/Neue LZ
Erwin Bachmann, VR-Präsident der Neuen Luzerner Zeitung. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Ehrengast und Regierungsrat Reto Wyss bei seiner Ansprache. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Fritschivater 2012, Damian Hunkeler und sein Weibel Rudolf von Werdt. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Bruno Schmid, Dominus der Fidelitas Lucernensis. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Ehrengast und Stadtrat Stefan Roth bei seiner Ansprache. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Wey-Zunftmeister 2012, Heinz Steimann mit seinem Weibel Primo Luccarini. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)
Bild: Pius Amrein/Neue LZ
Bild: Pius Amrein/Neue LZ
Bild: Pius Amrein/Neue LZ
Bild: Leserbilder Rita Räber/Robert Habijan

Die CVP trägt die Fasnacht - LFK-Präsident Flavio Bezzola - auf Händen (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Nationalrat Ruedi Lustenberger, alt Grossratspräsident Erwin Bachmann und Stefan Roth. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Doch gestern Abend hat einer den Reigen erstmals seit Kollega Bühlmann wieder durchbrochen: Reto Wyss erschien auf Einladung von LFK-Präsident Flavio Bezzola im Saal der Maskenliebhaber MLG. Wusste der CVP-Regierungsrat, da erst seit Sommer im Amt, am Ende gar nicht, worauf er sich einlässt?

Schliesslich geht es am Herrenabend mit seinen rund 120 Vertretern der vier «Grossen» – Zunft zu Safran, Maskenliebhabergesellschaft, Fidelitas Lucernensis und Wey-Zunft – in der Regel hoch her: Sprüche, Witze, Zoten, Kalauer – von ganzverreckt bis furztrocken. Und hoch das Glas! Regierungsrat Wyss meint: «Ich weiss nicht viel. Aber, dass das Parkett hier glitschig sein kann, das haben sie mir gesagt.»

Gleich vier CVPler

Seit gestern Abend ist politisch aber auch augenfällig, dass die Lozärner Fasnacht in partei-orange strahlt: Eine richtiggehende CVP-Phalanx hat sich bei Schweinscarré-Braten, Bier und Wein inmitten der Zünftig-Ehrenfesten installiert. Nebst Regierungsrat Wyss sind das Nationalrat und höchster Schweizer in spe Ruedi Lustenberger, Stadtrat Stefan Roth und alt Grossratspräsident und LZ-Medien-Verwaltungsratspräsident Erwin Bachmann. Da wird nun rüüdig spekuliert: oranges Blut in den Adern des LFK-Präsidenten? Am Ende gar ein christdemokratisches Parteibüchlein im Jacket aller Köfferlifasnächtler? «Purer Zufall, das hat sich einfach so ergeben», winkt Bezzola ab, lacht – und zeigt beim Foto mit der CVP-Phalanx null Berührungsängste.

Aber wie metzgen sich denn die Politiker bei den Huerenaffe? Das Terrain in der «liberalen Hochburg Luzerns, der MLG-Hütte», bereitet Erwin Bachmann mit sprühenden Polit-Witzen. Er erläuterte etwa die Probleme im Bundeshaus bei einem Radwechsel: «Vorne links war ein Michelin platt, und prompt haben sie wieder einen Schlauch gefunden. Aber auch hinten rechts eierts ein bisschen. » Johlen im Saal.

Der städtische Finanzoffizier in Russenuniform brachte saftige Internas aus dem Stadthaus mit. Und dazu nicht wie vor zwei Jahren die Moneygirls (sie fielen Sparübungen zum Opfer), sondern die Lucerne Cash Dollys. Stimmen für die Stadtratswahlen holte sich Schlagerfan Roth mit dem seiner Kollegin Ursi Stämmer gewidmeten Hit «Dann geh doch!» Die Huerenaffe johlten und klatschten, die Gläser schepperten.

Fasnacht und Politik, das funktioniert rüüdig gut. Oder um es in den Worten von Wey-Zunftmeister Heinz Steimann zu sagen: «Wo sonst kannst du dem Regierungs- oder Stadtrat Huerenaff sagen, ohne dafür gebüsst zu werden?»

Jérôme Martinu