«Wir konnten eine breite Diskussion anregen»: 1600 Personen sahen Luzerner Spar-Dokfilm

Am Montag ist die vorerst letzte Vorstellung von «Luzern – der Film», der Dokumentation über die kantonale Finanzpolitik. Die Organisatoren ziehen eine positive Bilanz – selbst von bürgerlicher Seite sei das Projekt gelobt worden.

Niels Jost
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Bei den Dreharbeiten von «Luzern – der Film, Kopf oder Zahl» mit Ivan Buck, Direktor der Wirtschaftsförderung Kanton Luzern. (Screenshot: «Luzern – der Film»)

Bei den Dreharbeiten von «Luzern – der Film, Kopf oder Zahl» mit Ivan Buck, Direktor der Wirtschaftsförderung Kanton Luzern. (Screenshot: «Luzern – der Film»)

Über 1600 Zuschauer haben «Luzern – der Film, Kopf oder Zahl» schon gesehen, nach der nun zu Ende gehenden «Road Show» durch den ganzen Kanton Luzern werden es an die 2000 sein. Eine entsprechend positive Bilanz zieht Andreas Stäuble, Geschäftsleiter des Vereins «Luzern – der Film», im Interview mit unserer Zeitung. Und er sagt, wo der rund 80-minutige Dokumentarfilm weiterhin zu sehen sein wird.

Andreas Stäuble, viele der 17 Gratisvorführungen waren ausgebucht, auch die letzte am kommenden Montag in der Teiggi in Kriens. Sind Sie zufrieden mit dem Projekt?

Wir sind sehr zufrieden, ja. Bis jetzt haben den Film 1600 Personen gesehen, am Ende werden es knapp 2000 sein. Wir mussten sogar Zusatzvorstellungen durchführen. Das zeigt: Das Thema beschäftigt die Bevölkerung.

Trotzdem dürften den Film mehrheitlich Interessierte aus linken Kreisen gesehen haben.

Nicht nur. Gerade auf der Landschaft war das Publikum durchaus bürgerlich. In Willisau beispielsweise waren bürgerliche Mitglieder und Wähler stark vertreten. Das hat man nicht zuletzt anhand der Voten aus dem Publikum gemerkt.

Inwiefern? Im Vorfeld wurde befürchtet, der Film würde einseitig gegen die bürgerlich geprägte Finanzpolitik berichten.

Die Resonanz war fast durchwegs positiv, wohlbemerkt auch von bürgerlicher Seite! Alle schätzten es, dass der Film ein solch komplexes Thema aufgreift und einen Beitrag zur weiteren Diskussion leistet. Ich habe wahrgenommen, dass das Problem oft ähnlich eingeschätzt wurde, selbst die Lösungsansätze fand ich ähnlicher als zu vermuten war. Zudem haben viele Medien den Film und damit die Finanzpolitik thematisiert. Insofern haben wir unser Ziel erreicht: Wir konnten eine breite Diskussion anregen.

Ein Teil der Produktion ist mit 137000 Franken aus dem Crowdfunding finanziert worden, für einen weiteren Teil sowie für die Tour durch den Kanton haben Sie Kulturfördergelder erhalten. Konnten die Ausgaben gedeckt werden?

Würden wir alle Mitarbeitenden normal entlöhnen, würden wir es nicht schaffen, nein. Dank der zahlreich geleisteten ehrenamtlichen Arbeitsstunden wird es aber möglich sein. Wichtig war uns, dass wir den Film, welcher ja ohnehin von der Bevölkerung mitfinanziert wurde, im Kanton gratis zeigen konnten. Da haben wir bewusst auf die Eintrittseinnahmen verzichtet, um eben die Streuung des Films zu erhöhen.

Am Montag ist die letzte Vorführung. Ist das Projekt damit zu Ende?

Noch nicht. Am 16. März wird der Film auf Tele 1 ausgestrahlt. Zudem klären wir derzeit ab, ob er ins reguläre Programm vom Kino Bourbaki aufgenommen wird. Dies würde dann im Vorfeld der nationalen Steuerabstimmung und des zweiten Wahlgangs vom 19. Mai der Fall sein. Beim SRF hatten wir mit der Ausstrahlung bis anhin leider keinen Erfolg: Dafür werden wohl Ausschnitte aus dem Film eine Club-Sendung bei SRF ergänzen. Die Produktionsfirma «Point de vue» wird zudem versuchen, den Film an Festivals zu platzieren. Das Thema bleibt auf jeden Fall aktuell.

Regierung zeigt Film intern – und muss dafür zahlen

Auf Interesse stösst der Dokumentarfilm auch bei der Luzerner Regierung. Gemäss Andreas Stäuble, Geschäftsleiter des Vereins «Luzern – der Film», hat der Regierungsrat die Kantonsangestellten zu einer internen Vorführung eingeladen.

Gratis kann der Film jedoch nicht gezeigt werden: Da der Regierungsrat im Oktober 2018 ein Kulturfördergesuch des Vereins trotz entsprechender Empfehlung der Fachkommission abgelehnt hatte, stellen der Verein und die Produktionsfirma «einen branchenüblichen Betrag für eine Kinovorführung» von 1500 Franken in Rechnung. Diesen Betrag haben die Verantwortlichen bereits gespendet, dem Verein «Horwer hälfed enand».

Das Projekt «Luzern – der Film» ist Ende 2017 aus linken Kreisen initiiert worden. Um die Unabhängigkeit des Filmes zu gewähren, wurde die Finanzierung via Crowdfunding sichergestellt und ein auswärtiger Regisseur engagiert, der weder im Kanton Luzern lebt noch arbeitet und dadurch von der Luzerner Finanzpolitik beeinflusst gewesen wäre: der Basler Reinhard Manz. Inhaltliche Vorgaben habe er keine erhalten, nur den Zeitplan: Der Film sollte vor den Kantons- und Regierungsratswahlen vom 31. März 2019 gezeigt werden. (jon)

Hinweis: Zusatzvorstellung von «Luzern – der Film, Kopf oder Zahl» am Samstag, 20 Uhr, Südpol in Kriens. Im Fernsehen läuft der Film am Samstag, 16. März, um 20.20 Uhr, auf Tele 1.