Orgelsommer in der Hofkirche Luzern: Am zweiten Konzert wurde Planetenmusik aus Jazz und Sinfonik gespielt

Als «The Keys-and-pipes-forever-hand-and-foot-Orchestra» bespielten Patricia Ott und Otmar Bayer die Hoforgel.

Gerda Neunhoeffer
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Das zweite Konzert des diesjährigen Orgelsommers in der Hofkirche Luzern stand unter dem Motto «Leben auf den Planeten». Die Organistin Patricia Ott, die in Luzern geboren ist, brachte zusammen mit Otmar Bayer die grosse Hoforgel zu sphärisch himmlischen und sehr irdischen Klängen. Ein bunter Mix aus Jazz, Big-Band-Sound, ungewöhnlichen Arrangements über «Salve Regina» und «Resurrection» wurde zusammengehalten durch drei Sätze aus der berühmten «The Planets Suite» von Gustav Holst für grosses Orchester, arrangiert von Patricia Ott. Da befand man sich auf bekanntem Terrain, und wie gut sich diese Musik auf der Orgel darstellen lässt, demonstrierten die beiden Künstler eindrucksvoll.

Wie meist bei den Konzerten des Orgelsommers, konnte man den beiden Organisten dank Bildübertragung genau auf Finger und Füsse schauen. Sie tauschten während des Spielens schon mal die Plätze, und ihre Hände griffen mühelos in- und übereinander. Manchmal sah man in einem kleinen Bild daneben Beat Thalman am Drumset. Er unterstützte mit sicherem Rhythmusfeeling bei «Liberty City», «Wrygly» und «Home­coming», einer mitreissend gespielten Samba. In «Planetenmusik accentury 2020–2099» wurden die vielen Bescher, die mit dem gebotenen Abstand die Kirchenbänke füllten, auf eine Geduldsprobe gestellt. Zu dem Bild der Tierkreiszeichen, in dem sich fünf kleine Kreise (Planeten) langsam vor und zurück bewegten, erklangen von der Orgel einzelne Intervalle, und diese achtzig Jahre waren selbst im Schnelldurchlauf der rasenden Daten doch recht lange. Spannend waren die Planeten von Holst in der Orgelfassung für vier Hände und Füsse. «Neptun» mit mystischen Klängen zu Beginn, «Uranus» in vielschichtigen Melodieverzweigungen und «Jupiter, der Bringer der Fröhlichkeit». Tänzerisch, fili­gran in den spritzigen Teilen, klangstark im vollen Tutti, war das ein grossartiger Abschluss.

Extrakonzert für die neue CD

Am Samstag wurde die neue CD «Laudes» in einem Extrakonzert vorgestellt. Mit Horn, Alphorn und Orgel breiten da Gabriel Sieber, Lukas Christinat und Wolfgang Sieber musika­lische Landschaften aus. Mit höchst kreativen Variationen über das «Alte Guggisbergerlied», einer Ballade über den Sturm Kyrill für Alphorn und Orgel, Impressionen über Laudes am Morgen oder die Vesper am Abend.

Persönliche musikalische Widmungen von Wolfgang Sieber an seinen Sohn Gabriel ­Johannes und seine Tochter Lena Sakura zeigen die Klangmalereien des Hoforganisten in vielseitiger Weise. Die klaren Töne von Horn und Alphorn überzeugen in allen Stücken. Gabriel Sieber und Lukas Christinat ergänzen sich hervorragend, in dichtem Legato ebenso wie in übermütigen Tonsprüngen. Das virtuose, mal tiefgründige, mal vollgriffige Spiel von Wolfgang Sieber ist so vielschichtig wie die Möglichkeiten der Orgel. Die nutzt er stets voll aus. In «PluP», in dem ein Thema aus «Pulp Fiction» verarbeitet ist, setzt Sieber auch noch Ägypten, dem Entstehungsland der Orgel, ein Denkmal. Ob Tanz, Ländler, Gebet oder eine Hommage an Kastanienbaum; es ist wunderbar lebendige, vielfältige Musik auf dieser neuen CD. Hörenswert!

Weitere Konzerte jeweils dienstags, 20 Uhr, Reservationen über www.hoforgel-luzern.ch.

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