Ortsplanung

Hochdorf sagt Ja zu «massvollem» Wachstum – Komitee prüft rechtliche Schritte

Mit 61 Prozent Ja-Stimmen wird Variante 2 der Ortsplanungsrevision angenommen. Damit kann im Seetaler Zentrum dichter gebaut werden. Die Vorlage ist allerdings noch nicht ganz in trockenen Tüchern.

Niels Jost
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Blick auf die Gemeinde Hochdorf mit dem Kirchenspitz im Vordergrund.

Blick auf die Gemeinde Hochdorf mit dem Kirchenspitz im Vordergrund.

Bild: Pius Amrein (7. November 2018)

Eine Petition, ein Flugblatt und eine vorhergehende Gemeindeinitiative: Die Gesamtrevision der Ortsplanung in Hochdorf sorgte im Vorfeld für viel Aufregung. Nun haben die Stimmbürger entschieden: Mit 1615 Ja- zu 1033 Nein-Stimmen haben sie Variante 2 angenommen. Das entspricht einem Ja-Anteil von rund 61 Prozent. Die andere, erste Variante wurde mit 59,4 Prozent abgelehnt.

Damit haben sich die Hochdorfer für «ein massvolles Wachstum» ihrer Gemeinde ausgesprochen. So sind künftig in einzelnen Gebieten Um- und Aufzonungen möglich. Zudem werden die Nutzungsfläche angehoben und Dachgeschosse voll nutzbar. Damit soll der inneren Verdichtung Rechnung getragen werden, welche der Bund und Kanton verlangen.

«Ein Bekenntnis zum Regionalzentrum»

Mit dem Ja zur zweiten Abstimmungsvariante stützen die Hochdorfer den Gemeinderat, welcher diese zur Annahme empfohlen hatte. Entsprechend erfreut zeigte sich am Sonntag Gemeindepräsidentin Lea Bischof-Meier. «Das ist ein starkes, zukunftsweisendes Bekenntnis zum Regionalzentrum Hochdorf», sagte die CVP-Politikerin.

Mit der inneren Verdichtung sei eine Attraktivierung des Zentrums möglich. Zudem habe die Gemeinde nun grössere Entwicklungsmöglichkeiten – «mit einem massvollen Wachstum und ohne zusätzliche Einzonungen», wie Bischof betonte.

Komitee befürchtet Mehrverkehr

Enttäuscht ist hingegen das Komitee «Für eine massvolle und qualitative Ortsplanung». Dessen rund 30 Mitglieder aus den Quartieren Moosstrasse und Kannenbühl hatten sich für Variante 1 ausgesprochen und eine Sammeleinsprache gegen die Aufzonung in ihren Gebieten eingereicht. «Wir bedauern, dass sich Hochdorf nun nicht die Zeit nimmt, zuerst das Verkehrsproblem zu lösen, bevor es nach innen verdichtet wird», sagt Heinz Spichtig vom Komitee.

Er und seine Mitstreiter befürchten, dass die über 100 Jahre alten Dorfquartiere einen städtischen Charakter mit vielen Flachdächern erhalten werden. Zudem rechnen sie mit einer massiven Zunahme des Verkehrs im Zentrum und in den Quartieren. Davon ist gemäss Gemeindepräsidentin Lea Bischof derzeit keine Rede. «Es liegen ja noch gar keine konkreten Bauprojekte vor.» Sollten Gesuche eingereicht werden, müsse die Verkehrsverträglichkeit geprüft werden. Bischof dazu: «Das Thema Verkehr ist dem Gemeinderat ein grosses Anliegen. Wir werden die weitere Entwicklung sehr sorgfältig angehen.»

Gemeindeinitiative: Volkswille werde umgesetzt

Ein weiterer umstrittener Punkt war im Vorfeld die 2015 angenommene Gemeindeinitiative «Hochdorf wächst langsam». Diese verlangt eine Begrenzung des Bevölkerungswachstums im fünfjährigen Durchschnitt von 0,7 Prozent pro Jahr. Das könne mit Variante 2 nicht eingehalten werden, argumentierten die Gegner. Dem widerspricht Lea Bischof vehement. Sie hebt erneut hervor, dass mit der nun angenommenen Ortsplanungsrevision lediglich ein «massvolles» Wachstum möglich sei. Aktuell weise Hochdorf über die letzten fünf Jahre gesehen ein durchschnittliches Bevölkerungswachstum von 0,34 Prozent auf – «der damalige Volkswille wird also umgesetzt», so Bischof.

Ob mit dem gestrigen Volksentscheid seine Initiative künftig hintergangen werden könnte, wollte Beat Meister nicht kommentieren. Er nimmt das Resultat sportlich. «Ich gratuliere dem Gemeinderat zum erfolgreichen Abschluss dieses Geschäfts, an dem er über sieben Jahre gearbeitet hat», sagt der frühere SVP-Kantonsrat und fügt an: «Ich hoffe jedoch, dass vor lauter Verdichtung nach innen der Schutz des historischen Ortsbildes nicht komplett unter die Räder kommt.»

Einsprachen gegen Abstimmung möglich

Nach dem gestrigen Ja muss der Regierungsrat die Ortsplanung genehmigen – sofern innerhalb der nächsten Tage keine Einsprache erhoben wird. Davon ist gemäss Heinz Spichtig aber auszugehen. Auch das Komitee prüfe rechtliche Schritte.

Ebenso klar angenommen haben die Stimmbürger am Sonntag das Budget 2021 (Ja-Anteil von 83,6 Prozent) sowie die Bestimmung der externen Revisionsstelle für die Jahre 2021-2024 (Ja-Anteil von 91,4 Prozent).