ORTSZENTRUM: Krienser Parteien rüffeln Gemeinderat wegen Kosten des Zentrumsprojekts – und sich selbst

Politiker ärgern sich über die Kostenüberschreitung bei der Überbauung des Krienser Ortszentrums. Doch eingebrockt haben sie sich das teilweise selber.

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Besucher sehen sich den Rohbau des neuen «Zentrum Pilatus» in Kriens an. (Bild: Philipp Schmidli / LZ (Kriens, 28. Oktober 2017))

Besucher sehen sich den Rohbau des neuen «Zentrum Pilatus» in Kriens an. (Bild: Philipp Schmidli / LZ (Kriens, 28. Oktober 2017))

Die Realisierung des Krienser Zentrumsprojekts verteuert sich um 4,7 Millionen Franken. Einen Teil dieser Mehrkosten hat der Gemeinderat bereits bewilligt, jetzt muss der Einwohnerrat Ende April noch über einen Zusatzkredit von 3,55 Millionen Franken befinden (Artikel vom Mittwoch).

Der Einwohnerrat hat faktisch fast keine andere Wahl, als dem Kredit zuzustimmen – schliesslich befindet sich die Neuüberbauung des Krienser Zentrums bereits in der Abschlussphase. Trotzdem wird nun Kritik laut, allen voran von der SVP, die den Zusatzkredit aus Protest vielleicht ablehnen wird. Die SVP hatte bereits 2013 gefordert, das über 60 Millionen Franken teure Zentrumsprojekt zu etappieren, statt alles auf einmal zu bauen. Doch das Parlament ging damals nicht auf diese Forderung ein. «Jetzt haben wir die Quittung dafür», ärgert sich SVP-Fraktionschef Räto Camenisch. Er wirft dem Gemeinderat vor, er habe dem Volk geschönte Zahlen vorgegaukelt, um das Projekt an der Urne nicht zu gefährden. Das Krienser Stimmvolk sagte 2014 Ja zu einem 61,4-Millionen-Kredit. Nun zeigt sich, dass dieser Betrag wohl von Anfang an zu tief angesetzt war.

Schallschutz nicht einberechnet

Selbst der Gemeinderat räumt ein, dass man die Baukosten damals unter grossem Spardruck budgetiert habe. Das bestätigt SP-Fraktionschef Cla Büchi, der auch Mitglied der Zentrumskommission ist. Diese Kommission begleitet und überwacht die Realisierung der Zentrumsprojekte. «Beim Kulturzentrum Schappe mussten die Architekten ihre Kostenschätzung nach dem Wettbewerb auf Druck der Politik um mehr als eine Million herunterschrauben. Jetzt zeigt sich, dass dies unrealistisch war», sagt Cla Büchi. Tatsächlich sind die Mehrkosten beim Schappe-Bau besonders gross. Elementare Baumassnahmen wie zum Beispiel der Schallschutz wurden bei der Kostenberechnung einfach ausser Acht gelassen. Nun finden sich diese Kosten eben im Zusatzkredit wieder.

Auch beim Zentrum Pilatus hätte man durchaus schon 2013 wissen können, dass die Gemeindeverwaltung mehr Platz brauchen würde, findet Grünen-Fraktionschef Bruno Bienz. «Das Mitarbeiterwachstum hätte Teil der Kalkulationen sein müssen.» Die Planung sei offenbar «blauäugig» erfolgt, so Bienz. Seine Kritik richtet sich aber nicht nur an den Gemeinderat, sondern auch an den Einwohnerrat, der genauso an der Kostenschraube gedreht habe.

«Abweichungen sind unvermeidlich»

«Die Kosten wurden damals politisch kalkuliert», lautet auch das Fazit von SP-Fraktionschef Cla Büchi. Auch er erwähnt, dass man offenbar grosse Angst vor einem Volks-Nein hatte und daher den Realisierungskredit möglichst tief halten wollte.

Auch für CVP-Fraktionschef Andreas Vonesch ist die Kostenüberschreitung «unerfreulich», wie er sagt. «Doch diese Kröte müssen wir jetzt wohl schlucken.» Vonesch weist darauf hin, dass bei solchen Grossprojekten gewisse Abweichungen meist unvermeidlich sind. Im konkreten Fall bedeuten die Mehrkosten von 4,7 Millionen Franken eine Abweichung von 7,5 Prozent nach oben. Auch FDP-Einwohnerrat Thomas Lammer sagt, dass dies immer noch innerhalb der üblichen 10-Prozent-Schwankungen liegt. Lammer glaubt zudem nicht, dass im Vorfeld der Volksabstimmung bewusst mit zu tiefen Zahlen operiert wurde.

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch