Outdoor-Fitness
Muscle Beach jetzt auch in Luzern: «Wir haben ein ganzes Gym an die frische Luft ausgelagert»

Um den Körper unter freiem Himmel zu stählen, musste man früher nach Kalifornien reisen. Neuerdings kann man dies auch in Luzern tun, im Sun Gym im Strandbad Tribschen.

Roger Rüegger
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Ronny Gwerder trainiert im neuen Sun Gym im Strandbad Tribschen.

Ronny Gwerder trainiert im neuen Sun Gym im Strandbad Tribschen.

Bild: Jakob Ineichen (Luzern, 28. Mai 2021)

Sieben blau-weisse Fitnessgeräte hinter Absperrgittern prägen neu das Bild der Liegewiese im Strandbad Tribschen in Luzern. Die schweren Konstruktionen haben Ronny Gwerder und Timon Bussinger an einem nasskalten Freitag Mitte Mai zusammengesetzt und in einer Reihe platziert. Der Name «Sun Gym» muss für die beiden Männer an diesem verregneten Tag wie ein Hohn geklungen haben, nun aber sind die Gewichte festgeschraubt, man kann die Muskeln spielen lassen.

In dieser Art erstmalig in der Schweiz und in Europa

Es handelt sich hierbei um ein Outdoor-Fitnesscenter, das es in dieser Art in der Schweiz und Europa noch nicht gibt, wie Gwerder betont. «Wir sehen darin grosses Potenzial, weil im Sommer erfahrungsgemäss weniger Leute Lust haben, bei Kunstlicht in einem Raum zu trainieren. So bieten wir ihnen nun die Möglichkeit, ihre Übungen unter der Sonne zu absolvieren.»

Der 31-jährige Fitnessstudio-Betreiber ist seit sechs Jahren in der Branche tätig und kennt die Bedürfnisse seiner Kundschaft. Er setzt sich an eine Maschine und demonstriert deren Handhabung. «Die Geräte sind speziell für den Outdoor-Bereich konstruiert worden. Die Gewichte in Form von Scheiben können leicht verstellt werden», erklärt er.

Im Strandbad Tribschen weht damit auch ein Hauch Kalifornien. Wer erinnert sich nicht an die Bilder des jungen Arnold Schwarzenegger, der an der Muscle Beach gerne vor Publikum trainierte! Auch heute quälen dort Männer und Frauen ihre Körper unter der heissen Sonne.

360 Quadratmeter Trainingsfläche

Ob sich diese Form von Trainingskult auch in Luzern durchsetzt, wird sich zeigen. Die Trainingsfläche im Strandbad beträgt 360 Quadratmeter. Neben den Geräten steht auch diverses weiteres Trainingsequipment zur Verfügung. Im abgesperrten Bereich sind in einem Container Frei- und Langhanteln, mehrere Bänke, schwere Seile – sogenannte Battle Ropes –, Springseile oder auch ein Schlitten deponiert, die nutzbar sind. Und demnächst wird das Arsenal durch eine Metallvorrichtung erweitert, welche verschiedenste Elemente beinhaltet und weitere Trainingsmöglichkeiten bietet. So unter anderem eine kleine Version der Himmelsleiter, die man aus den «Ninja Warrior»-Staffeln kennt. Später soll das Angebot mit Gruppenfitness-Kursen, Crossfit, Yoga oder ähnlichen Sportarten ergänzt werden.

Für 13 Franken bade- und trainingsberechtigt

Die Öffnungszeiten richten sich nach dem Strandbad. Die Trainingsanlage kann jeder benutzen. Der Eintritt ins Strandbad kostet fünf Franken, die Benutzung des Sun Gym acht Franken. Auch Abos können gelöst werden. Die Geschichte steckt noch in den Kinderschuhen, wie Gwerder sagt. «Wir sind gespannt, wie das Interesse ist, gehen aber davon aus, dass sich nach einer kurzen Angewöhnzeit etliche Leute mit dem Training unter der Sonne anfreunden und dies schätzen werden. Vielleicht werden durch das Zuschauen auch Badegäste inspiriert, sich an dieser Form von Sport zu versuchen», hofft er.

Wochentags ist kein Fitnessinstruktor anwesend, der die Geräte erklärt. Gwerder empfiehlt daher jenen Leuten, die sich nicht mit Fitnessgeräten auskennen, an einem Samstag ein Einführungstraining zu absolvieren. «Es besteht auch die Möglichkeit, einen Personal Trainer zu buchen, um sich intensiv in das Training unter freiem Himmel einführen zu lassen», fügt er hinzu.

Der Vertrag mit dem Schwimmbad Tribschen läuft bis auf weiteres. Die Installation erachtet Dominik Berchtold, Leiter Verkauf und Marketing sowie stellvertretender Geschäftsführer, als Wertsteigerung des sportlichen Angebots. «In der Badi bieten wir bereits viele sportliche Aktivitäten an. Neben Stand-up-Paddling, Kanu- und Kajak-Verleih sind wir auch im Besitz zweier Beachvolleyball-Felder. Weil wir über viel Grünfläche verfügen, können wir dennoch genügend Platz für alle Badegäste garantieren.»

Die Neuheit trifft den Nerv der Kundschaft

Outdoor-Gyms seien in der Schweiz momentan noch einzigartig, jedoch sowohl in Amerika wie auch Lateinamerika der Runner und voll im Trend. Berchtold glaubt, dass die Neuheit den Nerv der Kundschaft trifft. «Unser Kundensegment ist vielschichtig. Vom Geniesser bis hin zum Sportler trifft sich die ganze Palette in der Tribschen Badi.» Mit dem zusätzlichen Angebot würden den Sportlern ideale Bedingungen geboten, zu trainieren, aber auch ihre Freizeit zu geniessen. «Für uns ist das Open Gym eine Bereicherung.»

Mit Ronny Gwerder und Timon Bussinger habe man zwei innovative junge Leute kennen gelernt, deren Elan man nicht stoppen wolle. «Wir waren von Anfang von der Idee begeistert und sind auch überzeugt, dass das Konzept funktioniert. Wir würden es begrüssen, wenn die Zusammenarbeit auf langfristiger Basis beibehalten wird. Es soll keine Eintagsfliege sein», so Berchtold.

Corona spiele solchen Projekten in die Karten. So hätten zuletzt diverse Fitnesscenter auf Outdoor-Gruppenkurse gesetzt. Die Tribschen-Badi setze hier noch einen drauf: «Wir haben gleich das ganze Gym an die frische Luft ausgelagert.»