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Luzern: Pädophiler kommt trotz Rückfallgefahr auf freien Fuss

Ein Mann ist 2012 wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu Gefängnis verurteilt worden. Inzwischen wurde er entlassen. Dies, obwohl gemäss Gutachten ein hohes Risiko für erneute Übergriffe besteht – und er sogar erneut mit Kinderpornografie erwischt wurde.
Lena Berger
Die Therapie von pädophilen Straftätern dient dem Schutz der Kinder vor Rückfällen. (Getty)

Die Therapie von pädophilen Straftätern dient dem Schutz der Kinder vor Rückfällen. (Getty)

Pädophilie ist im eigentlichen Sinn nicht heilbar – da sind sich viele Experten einig. Eine Therapie zielt einerseits darauf ab, dass sich betroffene Straftäter darüber klar werden, was sie ihren Opfern antun. Der zweite Schritt besteht dann darin, dass sie Strategien entwickeln, um die eigenen Risikofaktoren zu erkennen – und sie so zu managen, dass sie nicht wieder straffällig werden.

Wenn eine solche Therapie gelingt, reduziert sie das Rückfallrisiko pädophiler Straftäter. Was aber, wenn ein Betroffener gar nicht einsieht, dass eine Therapie notwendig ist? Dann kommt unser Rechtssystem schnell an seine Grenzen, wie ein Entscheid des Kantonsgerichts zeigt.

Es geht darin um einen Mann, der 2012 vom Kriminalgericht wegen mehrfacher sexueller Handlungen und Besitzes von Kinderpornografie zu einer Gefängnisstrafe von 3,5 Jahren verurteilt wurde. Gleichzeitig wurde angeordnet, dass er im Vollzug eine Therapie machen muss.

Die Strafe ist inzwischen verbüsst. Der Mann ist auf freiem Fuss. Wenige Monate vor der Entlassung hatte die Staatsanwaltschaft noch versucht, dies zu verhindern. Sie stellte – gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten – beim Kriminalgericht den Antrag, dass die angeordnete ambulante Therapie in eine stationäre Therapie umgewandelt wird. Der Grund: Eine solche Massnahme wäre mit einem erneuten Freiheitsentzug verbunden gewesen.

Mit ihrem Anliegen scheiterte die Staatsanwaltschaft allerdings. Und zwar wegen einer ­Formalität: Das Bundesgericht entschied nämlich, dass eine stationäre Therapie nur dann angeordnet werden kann, wenn die ambulante Therapie zuvor rechtskräftig aufgehoben wird.

Erfolg einer Therapie ist gemäss Gutachten fraglich

Das holte der Vollzugs- und Bewährungsdienst des Kantons ­Luzern zwar umgehend nach. Da war es aber schon zu spät. Der Mann musste 2014 aus dem ­Gefängnis entlassen werden, weil er seine Zeit abgesessen hatte. Schlimmer noch: Durch die Aufhebung der ambulanten Massnahme war er nun nicht einmal mehr dazu verpflichtet, die angefangene Therapie fortzusetzen. Er sah denn auch keinen Grund, dies freiwillig zu tun.

Erschreckend ist dies vor dem Hintergrund, dass über den Mann 2017 erneut ein Gutachten erstellt worden ist. Dies auf Druck der Staatsanwaltschaft, die fast zwei Jahre nach der Freilassung endlich die nachträgliche Anordnung einer stationären Massnahme ­beantragen konnte. Der Expertenbericht ist eindeutig: Der Mann leidet an einer Pädophilie, und es besteht – trotz kleiner Fortschritte – eine mittlere bis hohe Gefahr, dass er sich erneut an Kindern vergreift oder Kinderpornografie konsumiert. Letzteres hat sich in der Zwischenzeit bewahrheitet: Gegen den Mann läuft ­bereits wieder ein Verfahren, weil er mit entsprechenden Bildern oder Videos erwischt wurde.

«Der Beschuldigte muss sich die Konsequenzen eines weiteren Rückfalls vor Augen halten»

Im Gutachten wird ausgeführt, dass sich eine Weiterführung und Intensivierung der ­Behandlung aufdränge. Allerdings sei eine stationäre Therapie gegen den Willen des Betroffenen höchstwahrscheinlich zum Scheitern verurteilt. Auch der Erfolg einer ambulanten Massnahme sei eher fraglich, solange der Mann nicht motiviert sei, mitzumachen. Eine Verbesserung der Prognose sei allenfalls zu erwarten, wenn sich der Mann freiwillig in Therapie begebe und sich dabei auch mit dem eigenen sexuellen Missbrauch auseinandersetze.

Alles steht und fällt mit der Motivation des Beschuldigten. Dieser erklärte sich vor dem Kantonsgericht bereit, sich einer ambulanten Therapie zu unterziehen. Dies wegen des auf ihn zukommenden Verfahrens wegen Kinderpornografie. Das Gericht ordnete eine solche denn auch an. Dies nicht, ohne warnende Worte an den Mann zu richten: Er müsse sich «die Konsequenzen eines weiteren Rückfalls vor Augen halten», heisst es im Urteil.

Verdächtiger bleibt in U-Haft

Die Staatsanwaltschaft führt derzeit noch Ermittlungen gegen einen anderen Mann, der dringend verdächtigt wird, zwei Kinder missbraucht zu haben. Der mutmassliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft – und wird dort auch bleiben. Das Kantonsgericht hat einen Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts aufgehoben, das den Mann unter Auflagen entlassen wollte. Es sei «ernsthaft zu befürchten», dass der Beschuldigte bei einer Freilassung erneut Verbrechen begehen würde, heisst es im Urteil. Ein Gutachter geht davon aus, dass der Mann pädophil ist und hohes Rückfallrisiko besteht. (ber)

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