PÄDAGOGISCHE AUSBILDUNG: Läuft die Auswahl der Lehrer falsch?

Zu viele weibliche, musisch oder sozialwissenschaftlich orientierte Studenten: Die künftigen Lehrer kommen zu oft aus der gleichen Ecke, kritisiert eine Studie.

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Alles nur «Kuschelpädagogen»? Eine Studie kritisiert die einseitige Herkunft künftiger Lehrpersonen. (Karikatur Jals/Neue LZ)

Alles nur «Kuschelpädagogen»? Eine Studie kritisiert die einseitige Herkunft künftiger Lehrpersonen. (Karikatur Jals/Neue LZ)

Wer strebt heute den Lehrerberuf an? Diese Frage hat Co-Autor Stefan Denzler in einer aktuellen Studie untersucht – am Beispiel von 1500 Maturanden. Die Resultate der Studie «Unsere zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer» müssen die Branche gehörig beunruhigen. Denn das Fazit von Stefan Denzler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, lautet: In der Schweiz herrscht «eine problematische Selbstselektion in den Lehrberuf».

Oder anders ausgedrückt: Zu viele künftige Lehrpersonen kommen aus der gleichen Ecke, wählen das Studium oft auch eher aus praktischen, denn aus inhaltlichen Gründen. Mittelfristig könne dies «dem Berufsimage abträglich» sein. Die in diesem Jahr publizierte Untersuchung macht folgende zentrale Problemfelder aus:

  • Fürs Lehramt an der Volksschule entscheiden sich vor allem Personen, «die an kurzer, wenig wissenschaftlicher Ausbildung interessiert sind». Häufig sähen sie die pädagogische Ausbildung nur als «Übergangslösung».
  • Studierende an pädagogischen Hochschulen seien eine «spezifische Auswahl», so Studienautor Denzler: «Studiengänge an pädagogischen Hochschulen werden überdurchschnittlich häufig von Frauen sowie von Personen mit musischem oder sozialwissenschaftlichem Maturitätsprofil» ausgewählt.
  • Auch dass die Ausbildungsstätte meist näher liegt als die nächste Uni, sei ein Grund für die Lehrberufswahl.
  • «Schliesslich erweist sich das Motiv der guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf als relevanter Faktor bei der Berufswahl Lehramt», so die Studie.

Die Folgen der einseitigen Lehrerselektion werden auch anderswo wahrgenommen. Werner Bründler, Direktor des Luzerner Gewerbeverbands: «Lehrerinnen und Lehrer haben heute eine gymnasiale Matura im Rucksack, aber nie gewerblich-industriell gearbeitet. Auch die Berufsberater kommen oft aus dem psychologisch-pädagogischen Bereich.»

Andreas Töns

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Samstag in der Neuen Luzerner Zeitung.