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PANAMA-PAPIERE: Luzerner Sportrechtehändler im Visier

Bei heiklen TV-Verträgen der Uefa soll auch die Luzerner Firma Team-Marketing eine Rolle gespielt haben. Diese weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Claudio Zanini
Die Luzerner Firma Team-Marketing gerät in den Strudel der Affäre um die sogenannten Panama-Papiere. (Bild Pius Amrein)

Die Luzerner Firma Team-Marketing gerät in den Strudel der Affäre um die sogenannten Panama-Papiere. (Bild Pius Amrein)

Claudio Zanini

Die Auswertung der Panama-Papiere wirft weiter unangenehme Fragen auf. Fragen, die in erster Linie an Gianni Infantino gerichtet sind. Die Unruhe um seine Person fusst nicht auf seinem jetzigen Amt als Fifa-Präsident, sondern auf seiner einstigen Tätigkeit als Direktor der Rechtsabteilung bei der Uefa. Im Herbst 2006 soll der Walliser dubiose TV-Verträge mit der Briefkastenfirma Cross Trading unterzeichnet haben (Ausgabe von gestern). Die Südamerikaner sicherten sich damals zu einem verdächtig tiefen Preis (110 000 US-Dollar) die Übertragung der Champions League für drei Saisons und verkauften sie mit hohem Gewinn weiter. Cross Trading wird vom argentinischen Sportrechtehändler Hugo Jinkis und seinem Sohn Mariano geführt – beide gehören zu den Hauptverdächtigen im Verfahren der US-Justiz gegen die Fifa und werden der Bestechung von Fussballfunktionären beschuldigt.

Schriftliche Auskunft aus Luzern

Gianni Infantino liess per Communiqué ausrichten, dass er persönlich nie mit Cross Trading oder ihren Besitzern verhandelt habe. Der Deal sei von der Agentur Team-Marketing im Auftrag der Uefa durchgeführt worden. Besagte Firma ist am Alpenquai in Luzern stationiert. 1991 mit fünf Mitarbeitern gestartet, beschäftigt sie heute rund 100 Angestellte. Die Agentur vermarktet im Auftrag der Uefa die weltweiten Medienrechte von Champions und Europa League. 2 Milliarden Franken soll das Unternehmen jährlich aus Uefa-Wettbewerben lösen. Experten schätzen, dass Team-Marketing allein mit dem Erfolgsmodell Champions League rund 85 Prozent des Umsatzes generiert. Die Verantwortlichen von Team-Marketing wollten gestern auf Anfrage unserer Zeitung keine Fragen beantworten – eine kurze Pressemitteilung folgte aber. Darin steht, dass die Vergabe der TV-Rechte für die drei Spielzeiten von 2006 bis 2009 nach einer «fairen und offenen Ausschreibung» vonstatten ging. Die Offerte von Cross Trading sei die höchste gewesen, und deshalb hätten die Südamerikaner den Zuschlag bekommen. «Zu dieser Zeit konnte keinem bewusst sein, dass Cross Trading Gegenstand von kriminellen Untersuchungen sein würde», heisst es in der Mitteilung, in der sich der Verwaltungsrat Martin Wagner zum Abschluss wie folgt zitieren lässt: «Es scheint nicht mehr als ein beschämender Versuch von bestimmten Medien zu sein, der Reputation des Fifa-Präsidenten zu schaden.»

Razzia am Uefa-Sitz in Nyon

Nur wenige Stunden nach den gestrigen Berichten über die Verträge zwischen der Uefa und Cross Trading führte die Bundesanwaltschaft eine Razzia in den Büros der Uefa in Nyon durch. Die Durchsuchungen würden sich aber nicht gegen eine konkrete Person, sondern gegen unbekannte Täterschaft richten, hielt die Bundesanwaltschaft fest. Die Fifa-Ethikkommission taxiert den zehn Jahre zurückliegenden Vorfall offenbar weder als moralisch verwerflich noch als strafrechtlich relevant. Laut der deutschen Nachrichtenagentur DPA gäbe es aktuell keine Voruntersuchung gegen Infantino. Zu den Vorwürfen an den Fifa-Präsidenten wollte sich die Kommission nicht äussern.

Ein anderer Fifa-Funktionär trat nach der Einleitung von internen Vorermittlungen gegen ihn gestern zurück: Juan Pedro Damiani. Der Anwalt, seit 2006 Mitglied der Ethikkommission, soll drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fussballfunktionäre bestochen worden sein sollen. Auch dieser Verdacht ging aus der Aufarbeitung der Panama-Papiere hervor.

Schweizer Tochter der Gazprombank betroffen

Datenleck tga. Die Schweizer Tochter der Gazprombank steht wegen der Panama Papiere international im Fokus. Gemäss diversen Medien soll der russische Musiker Sergei Roldugin mehrere Konten eröffnet haben, ohne dass das Institut ihn ausreichend überprüfte. In der Schweiz gelten bei Kontoeröffnungen von politisch exponierten Personen (PEP) besondere Auflagen.

Bank weist Vorwürfe zurück
Roldugin, ein Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin, gab an, er sei kein PEP und habe auch keine Beziehungen zu solchen Personen. Das zeigen Formulare der Bank, welche die britische Zeitung «Guardian» ins Internet gestellt hat. Deshalb ist fraglich, ob die Gazprombank Schweiz ihren Sorgfaltspflichten nachgekommen ist und abgeklärt hat, woher die Millionenbeträge des Musikers stammen. Das Institut schrieb gestern auf Anfrage, es könne wegen des Schweizer Bankgeheimnisses keine Auskünfte über Kundenbeziehungen erteilen. Es habe aber die nötigen Compliance-Prüfungen für alle Kunden stets erfüllt. Dazu gehöre auch die Prüfung aller offiziellen Datenbanken.
Vizepräsident des sechsköpfigen Verwaltungsrats der Schweizer Tochtergesellschaft der Bank ist der SVP-Politiker und Wirtschaftsanwalt Wolfram Kuoni aus Herrliberg.

Wichtig fürs Exportgeschäft
Kuoni nimmt die Bank in Schutz: Es sei für die Schweiz sehr wichtig, Unternehmen im Land zu haben, die Export- und Handelsfinanzierungen anbieten. Dies habe er in seiner Kampagne für die Nationalratswahlen immer wieder betont. Die Bank ermögliche es, Exportgeschäfte zu finanzieren, unter anderem mit Unterstützung der schweizerischen Exportrisikoversicherung. «Mein politisches Engagement hat mit dem Mandat bei der Gazprombank Schweiz nichts zu tun.»

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