PANDEMIE
Arbeitslosenquote in Luzern im Jahr 2020 deutlich angestiegen

Die Arbeitslosigkeit im Kanton Luzern ist 2020 auf 2,2 Prozent angestiegen. Letztmals lag die Quote nach der Finanzkrise von 2008 so hoch. Jugendliche und das Gastgewerbe sind besonders hart betroffen. Die Zentralschweizer Arbeitslosigkeit liegt aber unter dem Schweizer Durchschnitt.

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(sok) 2020 waren im Kanton Luzern durchschnittlich 5198 Personen als arbeitslos gemeldet, das teilt Lustat Statistik Luzern mit. Das sind 1431 Personen mehr als im Vorjahr und entspricht einer Arbeitslosenquote, die von 1,6 auf 2,2 Prozent geklettert ist.

Zum Vergleich: Das letzte Mal, dass die Arbeitslosenquote so hoch angestiegen ist, war in der Finanzkrise vor über zehn Jahren der Fall gewesen. Damals lag sie sogar etwas höher. Grund für den Anstieg im 2020 ist die Coronapandemie. Der Kanton Luzern liegt dennoch immer noch unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 3,1 Prozent.

Grossregion Zentralschweiz hat tiefste Quote

Am stärksten betroffen vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren schweizweit die Kantone Ob- und Nidwalden sowie Graubünden. Die drei Kantone vermeldeten fast 70 Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahr, so Lustat. Gleichzeitig blieben die Arbeitslosigkeitsquoten von 1,2 Prozent in Obwalden und 1,4 Prozent in Nidwalden unter dem Schweizer Gesamtschnitt von 3,1 Prozent. Die Zentralschweiz war mit einer Arbeitslosenquote von 2 Prozent dann auch die Grossregion mit der tiefsten Quote in der Schweiz.

Innerhalb des Kantons Luzern lag die Arbeitslosenquote im Agglomerationskern und in der Stadt Luzern mit 3,0 respektive 2,9 Prozent am höchsten. Niedrig blieben die Quoten im Entlebuch, in der Region Rottal-Wolhusen und in der Region Willisau mit einem geringen Anstieg gegenüber 2019.

Jugendliche trifft die Krise besonders stark

Am stärksten traf die Pandemie bedingte Arbeitslosigkeit die Jugendlichen. Gegenüber 2019 stieg sie um 43 Prozent an. Im Schnitt waren 732 Jugendliche und junge Erwachsene (im Alter von 15–24 Jahren) arbeitslos. Verhältnismässig gering war die Altersgruppe 50+ betroffen, hier stieg die Arbeitslosenquote um 30,4 Prozent an – der geringste Anstieg im Kanton Luzern pro Altersgruppe. Dies entspricht dem gesamtschweizerischen Trend, die Luzerner Werte befinden sich jedoch deutlich unter dem Gesamtschnitt.

Obwohl Jugendliche und junge Erwachsene insgesamt mehr von Arbeitslosigkeit betroffen sind, gliedern sie sich in der Regel schneller wieder in den Arbeitsmarkt ein. Knapp 84 Prozent der Unter-25-Jährigen fand innerhalb von sechs Monaten wieder eine Stelle. Nur 2,5 Prozent waren über ein Jahr ohne Stelle und fielen somit unter die Kategorie der Langzeitarbeitslosen. Anders verläuft der Trend mit dem Anstieg des Alters. Bei den 55-Jährigen und älteren Luzerner Stellensuchenden fand im vergangenen Jahr nur jeder oder jede Zweite innerhalb 12 Monaten eine neue Stelle. Somit waren ein Viertel der Betroffenen dieser Alterskategorie langzeitarbeitslos. Bezüglich der Dauer der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr kann das Lustat zurzeit keine Unterschiede gegenüber den Vorjahren feststellen.

Arbeitslosigkeit besonders im Gastgewerbe hoch

Wie schon in den vergangenen Jahren lag 2020 die Arbeitslosenquote im Bau- und Gastgewerbe am höchsten, so Lustat. Diese beiden Branchen sind zudem stark saisonalen Schwankungen ausgesetzt und vermelden jeweils in den Wintermonaten höhere Quoten. Die Coronakrise hat das Gastgewerbe besonders hart getroffen – insbesondere das Luzerner Gastgewerbe, welches stark vom ausländischen Tourismus abhängig ist. 2020 waren im Jahresmittel im Luzerner Gastgewerbe 594 Personen arbeitslos, im Baugewerbe 622 Personen. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 61,4 Prozent im Gastgewerbe (+226 Personen) und um 35,5 Prozent im Baugewerbe (+163 Personen).

Auch der Handel verzeichnete einen ähnlichen Anstieg wie das Baugewerbe. Ihnen setzte der Shutdown im Frühjahr zu. Dementsprechend stiegen im Handel die Arbeitslosen um 194 Personen respektive um 35,8 Prozent an. Deutlich geringer fiel der Anstieg – um 21, 7 Prozent – in der Warenherstellung aus.

Kurzarbeitsentschädigung verhindert das Schlimmste

Dass die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr nicht stärker angestiegen ist, ist gemäss Lustat unter anderem auf die massive Vergabe von Kurzarbeitsentschädigungen zurückzuführen. Dank dem Covid-19-Bundesbeitrag konnten viele Arbeitnehmende von der Kurzarbeit profitieren und Arbeitslosigkeit verhindert werden. In Zahlen bedeutet das: Bezogen im März 2020 noch 44'048 Arbeitnehmende eine Kurzarbeitsentschädigung, so waren es im April bereits 63'349 Personen. Diese Zahl sank von Mai bis Oktober. Im Oktober erhielten noch 9442 Personen eine Kurzarbeitsentschädigung. Die jüngsten Verschärfungen der Massnahmen liessen diese Zahlen jedoch wieder ansteigen, wie hoch diese Zahl ist, werde sich in den kommenden Monaten zeigen, so Lustat.

Keine Erholung für die nächsten zwei Jahre in Sicht

Gemäss aktuellsten Einschätzungen der Expertengruppe des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco, welche quartalsweise Konjunkturprognosen erstellt, werden auch die Jahre 2021 und 2022 noch stark von der Pandemie beeinflusst werden. Für das Jahr 2021 rechnet die Expertengruppe mit einer schweizweiten Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent. Diese soll 2022 wieder auf 3,0 Prozent sinken. Kantonale Prognosen liegen keine vor.