Papst brüskiert Schweizer Katholiken – Bischof Felix Gmür schickt deutliche Worte nach Rom

Der geweihte Priester steht unangefochten an der Spitze jeder Pfarrei und ist auch Herr über die Gemeindefinanzen: Mit dieser Forderung giesst Papst Franziskus in der Schweiz Öl ins Feuer. Der Basler Bischof Felix Gmür kritisiert die päpstlichen Worte scharf.

Robert Knobel
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Mit seinem neusten Positionspapier sorgt Papst Franziskus für Wirbel: Unter dem Titel «Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde» äussert sich das katholische Kirchenoberhaupt zu Fragen von Organisation und Leitung von Pfarreien. Dabei macht er unmissverständlich klar, dass ausschliesslich geweihte Priester einer Pfarrei vorstehen sollen.

Papst Franziskus während des Angelus-Gebets auf dem Petersplatz Anfang Juli.

Papst Franziskus während des Angelus-Gebets auf dem Petersplatz Anfang Juli.

Riccardo De Luca / AP

Diese Forderung steht in krassem Gegensatz zur Realität in der Schweiz. So haben von den insgesamt 100 Luzerner Pfarreien heute nur noch etwa 20 einen Priester als Chef. Alle anderen werden von weltlichen Personen geleitet – in der Regel Theologinnen und Theologen. Dies hat einen einfachen Grund: Es gibt schlicht nicht genügend Priester, welche diese Aufgabe wahrnehmen könnten. Diesen Umstand anerkennt zwar auch der Papst – allerdings betont er, dass eine nicht-geistliche Leitung einer Pfarrei stets eine provisorische Situation darstelle und nicht zum Standard werden dürfe.

Sogar dem Begriff «Pfarreileiter» geht es an den Kragen

Damit nicht genug: Gemäss dem Schreiben aus dem Vatikan soll insbesondere die in Luzern weit verbreitete Bezeichnung «Pfarreileiter» vermieden werden, da damit der Eindruck erweckt würde, es handle sich um eine dauerhafte Funktion. Auch Begriffe wie «Leitungsteam» oder «Pfarreiteam» seien abzulehnen, weil sie der hierarchischen Struktur der Pfarrei widersprächen. Zu guter Letzt wird dem Priester auch eine zentrale Rolle bei der Verwaltung der Pfarreifinanzen zugestanden – auch dies eine Sichtweise, die in vielen demokratisch organisierten Pfarreien weit von der Realität entfernt ist.

Das sieht auch der Basler Bischof Felix Gmür so, der sich veranlasst sah, umgehend mit einer Stellungnahme auf das päpstliche Schreiben zu reagieren. Gmür schreibt auf der Website des Bistums Basels unter anderem:

«Dass die Pfarrei so sehr auf den Pfarrer zentriert gesehen wird, entspricht nicht unserer Wirklichkeit und ist obendrein theologisch defizitär und klerikalistisch verengt.»

Der Bischof verteidigt zudem das duale Schweizer System, auf dem sämtliche Pfarreien und Kirchgemeinden aufbauen. Unter dualem System versteht man, dass es neben der kirchlichen Hierarchie (Priester, Bistum etc.) ein paralleles, demokratisch organisiertes System gibt (Kirchgemeinden, Kantonalkirchen). Das System habe sich bewährt, so Bischof Gmür. Es gebe daher keinen Grund, Organisationsstrukturen oder Funktionsbezeichnungen zu ändern.

Der Basler Bischof Felix Gmür, hier an einem Anlass in der Braui Hochdorf im vergangenen November.

Der Basler Bischof Felix Gmür, hier an einem Anlass in der Braui Hochdorf im vergangenen November.

Lz / Boris Bürgisser / LZ / Boris Bürgisser

Bischof: Dialog mit Rom ist «mangelhaft»

Felix Gmür zeigt sich gleichzeitig konsterniert darüber, dass es der Vatikan beim Verfassen des Schreibens offenbar nicht für nötig befand, die Bischöfe vorgängig zu konsultieren. Das zeige «einmal mehr, dass der Dialog zwischen den Bistümern und den römischen Dikasterien noch sehr mangelhaft ist.» Es zeige aber auch, dass eine theologische Debatte über die Rolle von Priestern und Laien nottue.

Derweil plädiert Hanspeter Wasmer für Gelassenheit. Wasmer ist Leiter des Bischofsvikariats St. Viktor und somit offizieller Vertreter des Basler Bischofs in Luzern und Zug. Mit seinem Schreiben wolle der Papst wohl betonen, dass ihm «die missionarische Kirche und dementsprechend ausgerichtete Pfarreien wichtig sind». Gleichzeitig räumt Wasmer ein, dass das Schreiben «in der römischen Sichtweise und in der römischen Sprache» daherkomme. Es sei daher Aufgabe des Bischofs, solche Schreiben auf die jeweiligen lokalen Verhältnisse herunterzubrechen.

Das habe Felix Gmür denn auch getan. Zudem, so Wasmer, müsse man die Bedeutung von solchen päpstlichen Instruktionen nicht überschätzen. «Wenn man die bisherigen Instruktionen anschaut, ist es eher so, dass sie beim Erscheinen heiss diskutiert wurden und dann aber wieder aus dem Bewusstsein verschwanden.» Das sei auch richtig so. «Denn es obliegt dem Bischof, was er wie in seinem Bistum umsetzen will.»

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