PAPST-KRITIK: Gläubige protestieren mit Gebeten und Gesang

Rund 1500 Katholiken haben am Sonntag­nachmittag in der Stadt Luzern demonstriert. Es ist die erste Kirchendemo in Luzern seit 30 Jahren. Auslöser: der Papst.

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Der Tross bei der Hofkirche. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Der Tross bei der Hofkirche. (Bild Chris Iseli/Neue LZ)

Erreichen wollen die Organisatoren, die den Verein Kirchendemo gegründet haben, zweierlei. Einerseits gehe es um ein deutliches Signal für eine offene Kirche, die hinter dem zweiten Vatikanum steht, andererseits um eine Ausdrucksmöglichkeit für die Gläubigen. «Es gibt so viele Menschen, die sich ärgern und aus der Kirche austreten. Wir wollen ihnen einen anderen Weg zeigen, ihren Protest auszudrücken», sagt Mitorganisator Florian Flohr.

Mehr Demokratie in der Kirche gefordert
Die Gläubigen haben sich unter dem Motto «Auftreten statt austreten – Wir sind für eine offene Kirche» um 14 Uhr vor der Jesuitenkirche getroffen und sind von dort aus mit Transparenten zur Hofkirche gezogen. An der Hofkirche hat es eine Abschlusskundgebung mit mehreren Reden geben. Mehrere Redner äusserten sich für mehr Demokratie in der Kirche, verlangten für die Frauen einen gleichberechtigten Platz in der römisch-katholischen Kirche und forderten Papst Benedikt XVI. auf, die Ökumene für unverhandelbar zu erklären und «das Kirche-Sein anderer Kirchen» anzuerkennen. Sie äusserten sich unter anderem auch für eine Kirche, die sich auf der Basis des Zweiten Vatikanischen Konzils entwickelt. Der Kundgebung wohnte unter anderem auch der Einsiedler Abt Martin Werlen bei, als Vertreter der Bischofskonferenz. Ausserdem fand ein gemeinsames Singen und Beten der Demonstranten statt.

Die Organisatoren hatten mit 300 bis 500 Teilnehmern gerechnet. Gekommen sind schliesslich «über 1500», wie «Radio Pilatus» meldet. Die Hofkirche wurde bewusst als Endpunkt der Demonstration gewählt, da hier auch die letzte Kirchendemonstration in Luzern stattgefunden hat: Protestiert hatte man an diesem Ort gegen die Absetzung des Theologieprofessors Hans Küng.

Drei Preise übergeben
Gleichentags übergab der kritische Schweizer Theologe Hans Küng in Luzern den Preis der Herbert-Haag-Stiftung «Für Freiheit in der Kirche» an alt Bundesrichter Giusep Nay sowie die Theologen Hermann Häring und Leo Karrer. Küng drückte dabei seine Solidarität mit den Katholiken aus, die zuvor in Luzern demonstriert hatten.

sw/scd/ap

Impressionen von der Demonstration: