PARAPLEGIKERSTIFTUNG: Eine Nottwiler Millionenspende ärgert Zürich

In Fribourg wird ab 2009 für ein besseres Leben der Paraplegiker geforscht - dank 14 Millionen aus Nottwil. Doch das führt zu Verstimmungen.

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Bruno Frick, Präsident der Schweizer Paraplegikerstiftung. (Bild Keystone)

Bruno Frick, Präsident der Schweizer Paraplegikerstiftung. (Bild Keystone)

An der Universität Fribourg wird im Herbst 2009 ein Lehrstuhl für Paraplegie eingerichtet. Die Paraplegiker-Stiftung in Nottwil hat gestern rund 14 Millionen Franken für das Projekt gesprochen. Stiftungsratspräsident und CVP-Ständerat Bruno Frick (Schwyz) sprach von einem «sehr wichtigen Schritt für die Querschnittgelähmten».

Der Lehrstuhl wird unter der Leitung von Professor Gerold Stucki stehen. Stucki ist heute an der Paraplegiker-Forschung in Nottwil tätig. Daneben lehrt und forscht er an der Klinik und Poliklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation an der Ludwig-Maximilian-Universität in München.

Irritation im Zürcher Gesundheitsdepartement
Der Entscheid aus Nottwil sorgte gestern im Zürcher Gesundheitsdepartement für grosse Irritation - denn der Kanton Zürich steht der engen Zusammenarbeit zwischen Fribourg und Nottwil skeptisch gegenüber. Grund: Zürich forciert seinerseits eine Kooperation zwischen Nottwil, der Uni Zürich und der Balgrist-Klinik und betrachtet einen Lehrstuhl in Fribourg deshalb als Konkurrenz.

Gesundheitsdirektor Heiniger reagierte «überrascht» auf die gestrige Nachricht aus Nottwil. «Mit einem ernsthaften Partner führt man Vorgespräche.» Heiniger kann nicht verbergen, dass er Fricks Schritt nicht nachvollziehen kann. «Unsere Kompetenz in der klinischen Forschung und Anwendung ist sehr hoch. Ich gehe davon aus, dass Zürich ein sehr wertvoller Partner für Nottwil sein könnte.»

Eine Aussage dazu, wie sich der Lehrauftrag nach Fribourg auf eine Zusammenarbeit zwischen Zürich und Nottwil auswirken wird, will Gesundheitsdirektor Heiniger erst dann machen, wenn er detaillierte Informationen zum Fribourger Lehrstuhl kennt.

«Lebensqualität erhöhen»
Fribourg wende sich anderen Aspekten der Forschung zu, so Frick. «Der Lehrstuhl in Fribourg kommt einer Zusammenarbeit mit Zürich, wie da und dort befürchtet, nicht in die Quere», betont der Schwyzer CVP-Ständerat. In Fribourg werde der Fokus auf soziale, psychologische und wirtschaftliche Komponenten gelegt, mit denen sich Querschnittgelähmte und ihr Umfeld konfrontiert sehen.

Christoph Reichmuth

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag in der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.