Parkplätze
60 Rappen pro Stunde: Stadt Luzern will Parkgebühr für Töffs erheben

Die Nachfrage nach Motoparkplätzen ist vor allem in der Luzerner Innenstadt grösser als das Angebot. Das soll sich nun ändern. Die Stadt will auch eine Bewirtschaftung prüfen.

Beatrice Vogel
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Seit Anfang Jahr darf für das Parkieren von Motorrädern auf öffentlichem Grund eine Gebühr erhoben werden. Die Stadt Luzern will diese Möglichkeit nutzen – zumal sie ohnehin mehr Töffparkplätze schaffen will. Für diese sollen vor allem Autoparkplätze aufgehoben werden. Das kostenpflichtige Abstellen der Töffs und Roller auf öffentlichem Grund soll unter anderem Dauerparkierer dazu bringen, ihre Motorräder vermehrt auf privatem Grund abzustellen. Zudem fordert das Stadtparlament eine Bewirtschaftung der Töffparkplätze.

Weil die entsprechende Bundesverordnung erst kürzlich geändert wurde, gibt es noch keine Erfahrungswerte zur Gebührenerhebung bei Motoparkplätzen. Luzern plant nun als erste Stadt seit der Änderung ein Pilotprojekt. «Wir wollen Erkenntnisse zur Bewirtschaftung sammeln», sagt Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne). Es soll eruiert werden, ob Töfffahrer überhaupt bereit sind, Parkgebühren zu bezahlen.

Zweijähriges Pilotprojekt am Löwengraben

Das zweijährige Pilotprojekt ist am Löwengraben geplant. Der Standort sei optimal, weil die Nachfrage nach Motoparkplätzen in der Altstadt sehr hoch sei und es in der Nähe des Löwengrabens keine weiteren gibt.

Diese Töffparkplätze am Löwengraben sollen im Rahmen des Pilotprojekts kostenpflichtig werden.

Diese Töffparkplätze am Löwengraben sollen im Rahmen des Pilotprojekts kostenpflichtig werden.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 30. April 2021)

Die bestehende Parkfläche wird erweitert, sodass 24 kostenpflichtige statt wie bisher zwölf Gratis-Abstellplätze für Töffs zur Verfügung stehen. Dafür werden Veloparkplätze an den St.-Karli-Quai verschoben. Die Gebühr wird mittels Sammelparkuhr erhoben, bei der die Töfffahrer ihr Nummernschild hinterlegen. Pro Stunde kostet das Parkieren 60 Rappen – ein Fünftel eines Autoparkplatzes, weil auf einem solchen fünf Motorräder Platz haben. Es besteht vorerst keine Parkzeitbeschränkung.

Der Stadtrat rechnet für das Pilotprojekt mit Kosten von 15'000 Franken und mit Gebühreneinnahmen von jährlich 10'500 Franken. Das Pilotprojekt sollte sich also nach eineinhalb Jahren amortisieren. Starten soll es Ende Jahr. Nach Abschluss des Projekts wird entschieden, ob künftig für alle Töffparkplätze eine Gebühr erhoben wird. Möglich ist eine Ausweitung der Gebührenpflicht aber schon während des Pilotprojekts.

Auch E-Motos sind gebührenpflichtig

Nicht ausgenommen von der Gebührenpflicht sind Elektrotöffs – obwohl dies vom Stadtparlament gewünscht wurde. Im Moment sei es technisch «kaum kontrollierbar», ob ein Töff mit Elektro- oder mit Verbrennungsmotor läuft, schreibt der Stadtrat. Zudem seien aktuell nur 1,7 Prozent aller Motorräder E-Motos. «Wir müssen uns auch fragen, ob wir E-Motos wirklich gratis parkieren lassen wollen», sagt Adrian Borgula. «Erhebungen haben gezeigt, dass tendenziell Velofahrer auf E-Motos umsteigen.» Dies sei nicht im Sinn der Stadt, zumal auch Elektromobilität einen ökologischen Rucksack mit sich bringe.

«Zudem müsste man dann konsequenterweise auch Elektroautos gratis parkieren lassen.»

Der Grosse Stadtrat wird voraussichtlich am 10. Juni über die Einführung des Pilotprojekts entscheiden. Unabhängig davon will die Stadt 200 bis 300 neue – vorläufig kostenlose – Töffparkplätze schaffen. Denn es fehlen vor allem in der Innenstadt Abstellflächen, sodass heute Motorräder oft wild parkiert werden. Adrian Borgula:

«Motos sind flächeneffizienter als Autos, weshalb wir deren Nutzung fördern wollen.»

Rund 200 Motoparkplätze sollen auf etwa 35 heutigen Autoparkplätzen entstehen, rund 100 auf übrigen Flächen. Wo genau, ist noch offen. Die Stadt prüft dazu die Vorschläge eines Fachberichts, der Fokus liegt auf der Innenstadt. Grundsätzlich sollen viele kleine und gut verteilte Abstellbereiche geschaffen werden. Gerechnet wird mit Kosten von 70'000 Franken. Da diese in der Ausgabenkompetenz des Stadtrats liegen, braucht es für die Umsetzung keinen Parlamentsbeschluss. «Unser Ziel ist es, die zusätzlichen Parkplätze innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahren zu erstellen», sagt Borgula.

Luzern prüft Gebühren für Motoparkplätze

Video: Tele 1