PARLAMENT: Horw sorgt für Veloweg-Ärger

Stadtpolitiker sind des Lobes voll über den Velo-/Fussweg zum Mattenhof. Ebenso gross ist die Enttäuschung über die Gemeinde Horw, die nicht mitzahlen will.

Robert Knobel
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Nico van der Heiden (SP, links) und Stadtrat Adrian Borgula gestern nach der Parlamentsdebatte mit ihren Velos auf dem stillgelegten Zentralbahntrassee im Bereich Horwerstrasse. (Bild Eveline Beerkircher)

Nico van der Heiden (SP, links) und Stadtrat Adrian Borgula gestern nach der Parlamentsdebatte mit ihren Velos auf dem stillgelegten Zentralbahntrassee im Bereich Horwerstrasse. (Bild Eveline Beerkircher)

Seit zwei Jahren liegt das ehemalige Trassee der Zentralbahn zwischen Steghof und Mattenhof brach. Die Züge fahren seither durch den neuen Tunnel Richtung Allmend – auf der oberirdischen Strecke sollen bald Velos und Fussgänger unterwegs sein. Für total 4,8 Millionen Franken wird das Trassee ab nächstem Jahr zu einem Rad- und Gehweg ausgebaut. Dieser führt vom Steghof beim früheren Hallenbad über rund zwei Kilometer bis zur S-Bahn-Haltestelle Mattenhof auf Krienser Boden. Die Gemeinde Kriens sicherte denn auch bereits einen Beitrag von 500 000 Franken an die Baukosten zu. Auch Bund und Kanton Luzern zahlen mit.

«Ein Leuchtturmprojekt»

Und seit gestern ist auch der städtische Beitrag von 1 Million Franken im Trockenen. Das Stadtparlament hat diesen einstimmig abgesegnet. Alle Parteien sind sich einig, dass das brachliegende Bahntrassee eine einmalige Chance darstellt, für vergleichsweise wenig Geld eine neue Verkehrsverbindung zu schaffen. «Auf den Meter heruntergerechnet relativieren sich die Baukosten», sagte etwa Urs Zimmermann (SVP). Nico van der Heiden, SP-Fraktionschef und Co-Präsident von Pro Velo, sprach in Superlativen von dem Projekt: «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist fantastisch, das wird ein Leuchtturmprojekt für Luzern.» Auch für Rieska Dommann (FDP) ist die neue Verbindung ein «Glücksfall».

Eine Maut für Horwer?

Bei so viel Lob für das städtische Projekt gab es gestern ebenso viel harsche Kritik an der Nachbargemeinde Horw. Im Gegensatz zu Kriens will diese nämlich nichts an den neuen Velo-/Fussweg bezahlen. Dies mit dem Argument, das Projekt liege nicht auf Horwer Boden. «Auch die Horwer profitieren stark von der neuen Verbindung», sagte indes Nico van der Heiden. Mehrere Grossstadträte äusserten ihre Enttäuschung über die in ihren Augen mangelnde Solidarität über die Gemeindegrenzen hinweg. Grüne-Fraktionschefin Korintha Bärtsch ärgerte sich: «Am Horwer Agglomerationsverständnis müssen wir noch arbeiten.» Auch Rieska Dommann zeigte sich «sehr enttäuscht» über Horws Absage. «Man kann sich die Frage nicht verkneifen, bei welcher nächsten Gelegenheit die Stadt die Gemeinde Horw wieder daran erinnern wird.» Und die Redner von SP und Grünen meinten ironisch, man müsste eigentlich von den Horwern eine Maut für die Benutzung des neuen Radwegs verlangen.

Seitenhiebe gab es nicht nur Richtung Horw, sondern auch zu den Anwohnern, die sich gegen die neue Langsamverkehrsachse wehrten. Dass die Anwohner, die früher den Zuglärm in Kauf nahmen, gegen einen Veloweg sind, stösst bei einigen Politikern auf Unverständnis. Nico van der Heiden fand aber: «Der vernünftige Teil der Anwohner wird sich über den neuen Weg freuen.»

Einbahn auf der Eichwaldstrasse

Die Bauarbeiten sollen im nächsten Frühling starten und bis Anfang 2016 dauern. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Plänen sollen Velo- und Fussgängerweg durch Markierungen klar getrennt werden. Der Fussweg soll auch für Sehbehinderte benutzbar sein – dank eines Absatzes am Wegrand, an dem man sich orientieren kann. Im Zusammenhang mit der neuen Langsamverkehrsachse soll auf einem Teil der Eichwaldstrasse Einbahn eingeführt werden, was von der SVP kritisiert wurde. Die Massnahme dient gemäss Stadtrat der Sicherheit der Velofahrer und Fussgänger, die auf dem neuen Weg unterwegs sind. Denn durch die Einbahn werden Autos von der Arsenalstrasse nicht mehr nach rechts in die Eichwaldstrasse abbiegen können, was die unübersichtliche Kreuzung entschärfen soll.