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PARTEI: Ein Querdenker und Wadenbeisser

Oliver Imfeld, Manager von DJ Bobo, ist neu Vizepräsident der Luzerner SVP. Er soll frischen Wind in die Parteileitung bringen.
Seit 25 Jahren ist er im Musikbusiness tätig: Oliver Imfeld (47), neuer Vizepräsident der Luzerner SVP. (Bild Eveline Beerkircher)

Seit 25 Jahren ist er im Musikbusiness tätig: Oliver Imfeld (47), neuer Vizepräsident der Luzerner SVP. (Bild Eveline Beerkircher)

Als Teenager tanzte er auf der Strasse mit einem gewissen René Baumann, heute bekannt als DJ Bobo, Breakdance. Wenige Jahre später gründete er mit diesem eine Künstleragentur, die heutige Yes Music AG in Stans. Seit letzter Woche ist Oliver Imfeld (47) – auch heute noch Manager und Freund von DJ Bobo – zudem Vizepräsident der kantonalen Luzerner SVP. Musikbusiness und Politik, passt das zusammen? Auf jeden Fall, findet Imfeld: «Entgegen gewissen Klischees musst du im Musikbusiness seriös arbeiten. Sonst ist man ganz schnell wieder draussen. Dass wir dies können, beweisen wir mit DJ Bobo seit 25 Jahren.» Das Musikmanagement sei «kein 10-, sondern ein 20-Kampf», beschreibt Imfeld. «Konzerte und Events zu organisieren, ist nur ein Aspekt. Dazu kommen Strategie, die Pflege der Marke, die Musik natürlich und vieles mehr.»

Berufswunsch Diplomat

Ein Einstieg in die Politik stand für Imfeld, der seit 1997 in Horw lebt, dennoch lange nicht zur Diskussion. «Zwar interessierte ich mich schon als Jugendlicher für Politik, und ich beschäftigte mich sogar damit, eine diplomatische Laufbahn einzuschlagen. Parteipolitik war für mich aber lange kein Thema.» Das änderte sich 2007, als er von SVP-Kantonsrat Urs Dickerhof, wie Imfeld Mitglied des FCL-Beirats, darauf angesprochen wurde. «Er meinte, ich müsse mich doch politisch engagieren. Ich lehnte ab. Denn wenn ich etwas mache, will ich es richtig machen. Und damals war ich bis zu 150 Tage im Jahr unterwegs.» Vier Jahre später versuchte es Dickerhof wieder, und diesmal mit Erfolg. Seit 2012 ist Imfeld Mitglied der Horwer SVP. Auch, weil sich Imfelds Firma mittlerweile neu aufgestellt hatte. Dadurch konnte er für die diesjährigen Kantonsrats- und Nationalratswahlen kandidieren. Gewählt wurde er nicht, er erzielte jedoch achtbare Resultate.

DJ Bobo hält sich von Parteien fern

Die Firma, die mit ihren zehn Mitarbeitern neben Tourneen und Shows für DJ Bobo auch die Shows von Schlagersängerin Andrea Berg konzipiert und deren Tournee produktionstechnisch durchführt, bleibt also Imfelds Haupttätigkeit. Sein SVP-Engagement habe er mit DJ Bobo vor den Kantonsratswahlen intensiv diskutiert. Vor den Nationalratswahlen folgte die Diskussion im Team. «Natürlich gab es auch kontroverse Stimmen», gesteht Imfeld. «Aber das Echo war allgemein eher positiv: Es sei gut, wenn man sich für sein Land engagiere – egal in welcher Partei.» Dass seine Parteiarbeit einen Einfluss auf das Image von DJ Bobo haben könnte, glaubt Imfeld nicht. «Wir haben Bobo immer von jeglichen politischen Äusserungen ferngehalten. Und ich bin sicher, die Schweizer können da auch differenzieren.» Bobo werde deshalb auch nie an einem SVP-Anlass (Imfeld augenzwinkernd: «Das könnte sich die Luzerner SVP auch nie leisten.») auftreten. «Aber ich darf natürlich in meiner neuen Funktion auch aus Rücksicht auf Bobo keinen ‹Seich› machen», weiss Imfeld.

Grosse Erwartungen

Nun ist der Quereinsteiger, der sich als «Querdenker und Wadenbeisser beschreibt, der alles hinterfragt, immer nach Verbesserungen sucht und nicht lockerlässt», Vizepräsident der wählerstärksten Luzerner Partei. Und die Erwartungen an den gebürtigen Nordwestschweizer sind parteiintern gross: Imfeld soll in seiner neuen Funktion «frischen Wind in die Parteileitung bringen», heisst es im Bericht auf der Parteihomepage. Imfeld dämpft die Erwartungen zunächst. «Ich bin sehr vorsichtig. Schliesslich haben wir sehr viele erfahrene Leute in der Partei. Da werde ich erst einmal zuhören.»

Wichtig ist das Team

Wichtig ist ihm aber insbesondere der Teamgedanke. «Im Musikbusiness ist dieser unabdingbar. Nur gemeinsam kommt man ans Ziel.» Diesen Teamgedanken will er auch in der SVP weiter festigen. Einen ersten Vorgeschmack gab die von Imfeld mitorganisierte Aktion «SVP on Tour», bei welcher die Nationalratskandidaten alle 83 Luzerner Gemeinden besuchten. «Das war eine riesige Übung, aber es hat die Kandidaten zusammengeschweisst. Alle haben an einem Strang gezogen.» Klar ist für ihn nach den Wahlergebnissen dieses Jahres eines: «Wir müssen nun liefern. Im Kantons- und im Nationalrat, in den Ortsparteien, aber auch programmatisch – und wir müssen versuchen, noch näher ans Volk zu kommen.» Letzteres soll auch dank neuer Ortsparteien geschehen. Das Ziel, dieses Jahr in allen Luzerner Gemeinden vertreten zu sein, hat die SVP verpasst.

Gesellschaftliche Zwänge

Nun hat Imfeld diese Aufgabe übernommen. «Ich werde keine genauen Ziele und Termine nennen», stellt Imfeld klar. «Mein Vorgänger, Urs Liechti, hat gute Arbeit geleistet, aber es gibt einige Knackpunkte. Zum Beispiel gibt es in Gemeinden, wo gewisse Parteien stark verankert sind, immer noch gesellschaftliche Zwänge. Vielleicht braucht es da findige Lösungen.» Er denkt zum Beispiel daran, dass eine Ortspartei in einem ersten Schritt mehrere Gemeinden umfassen könnte. «Wichtig ist auch hier, dass die Leute mitziehen, etwas bewegen wollen. Diese Leute gibt es. Und unsere Aufgabe ist es, ihnen dabei zu helfen. Schliesslich machen sie dies alles in ihrer Freizeit.»

Lernen und lehren im Einwohnerrat

Seine politischen Ambitionen schildert Imfeld eher zurückhaltend. «Wenn es gewünscht ist, kann ich mir eine erneute Kandidatur für den Kantons- oder den Nationalrat vorstellen.» Vorerst wird er im Horwer Einwohnerrat tätig werden. «Ich werde dort sein, um die politische Arbeit besser zu lernen. Und ich werde mich wohl auch lehren müssen, mich etwas zu zügeln und auch kleine Probleme als solche zu erkennen.»

Cyril Aregger

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