PARTEIEN: Der stille Schaffer gibt Gas

Der Luzerner Nationalrat Roland Fischer ist stets gut vorbereitet. Auch auf seine allfällig neue Rolle als Partei-Vizepräsident. Nur beim Jassen zögert er.

Carole Gröflin
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Er hat gut lachen: Die GLP setzt im nächsten Jahr voll auf den Luzerner Nationalrat Roland Fischer. (Bild Eveline Beerkircher)

Er hat gut lachen: Die GLP setzt im nächsten Jahr voll auf den Luzerner Nationalrat Roland Fischer. (Bild Eveline Beerkircher)

Zwei politisch Gleichgesinnte, die kaum unterschiedlicher sein könnten: auf der einen Seite der impulsive Martin Bäumle, der einen im Gespräch mit seinen Argumenten und durchdringendem Blick vereinnahmt. Auf der anderen Seite der zurückhaltende Roland Fischer, der seinem Gegenüber aufmerksam zuhört und erst innehält, ehe er eine Antwort gibt.

Der Leidenschaftliche und der Überlegte. Dieses Duo soll im neuen Jahr zusammen in den Abstimmungskampf für die erste Initiative der Grünliberalen Partei starten. Wie die «Zentralschweiz am Sonntag» berichtete, wird Fischer Ende Januar als einer der beiden Vizepräsidenten mit dem bisherigen Genfer Laurent Seydoux vorgeschlagen. Denn es gibt viel Arbeit: Am 8. März wird über die GLP-Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» abgestimmt – und bisher hat sich noch keine Partei auf die Seite der Initianten gestellt. Mit der Initiative will die GLP erreichen, dass die Mehrwertsteuer abgeschafft wird. Künftig sollen die rund 20 Milliarden Franken jährlich durch jene bezahlt werden, die nicht erneuerbare Energie nutzen. Derzeit wird jedoch der CVP-Familieninitiative, über die gleichzeitig abgestimmt wird, mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das Volksbegehren will die Kinder- und Ausbildungszulagen für steuerfrei erklären.

Seit Beginn engagiert

Der Zeitpunkt, um den 49-jährigen Fischer gänzlich in die GLP-Machtzentrale zu heben, ist also gut gewählt. Es hat sich gar aufgedrängt. In der Geschäftsleitung der GLP amtet Fischer bereits als Vizefraktionschef. Dass er künftig noch stärker als GLP-Aushängeschild fungieren soll, kommt nicht von ungefähr: Der Udligenswiler ist ein GLP-Mann der ersten Stunde. 2008 ist er der Grünliberalen Partei beigetreten und hat daraufhin die GLP Luzern mitbegründet. Erst vor drei Jahren in den Nationalrat gewählt, hat er sich bereits in der sicherheitspolitischen- und der finanzpolitischen Kommission bewiesen. «Roland Fischer ist immer sehr gut vorbereitet», sagt die Luzerner CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann, ebenfalls Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission. Sie schätzt Fischer, auch wenn er oft mit den Linken zusammenarbeite: «Er ist selten für bürgerliche Mehrheiten zu gewinnen.»

Als Nestbeschmutzer beschimpft

Dass er seine politische Linie klar verfolgt, bewies er in diesem Frühjahr mit seinen Auftritten als Gegner des Armeekampfjets Gripen. Er stellte dem Bundesrat unangenehme Fragen. So wollte er wissen, was der Inhalt der Gespräche während des Besuchs des schwedischen Botschafters war. Oder kritisierte, dass Spezialfonds – wie jener, der für den Gripen vorgesehen war – die Komplexität bei der Budgetierung erhöhen würden und intransparent seien. Äusserungen wie diese sorgten bei vielen bürgerlichen Parlamentariern für Kopfschütteln. Denn Fischer bekleidet im Militär den Grad eines Hauptmanns. Daraufhin wurde er von einigen als Nestbeschmutzer beschimpft.

Darauf angesprochen schmunzelt Fischer. «Ich habe mich gegen den Gripen ausgesprochen, weil noch nicht klar war, wie die zukünftige Strategie des Bundes für die Armee und die Luftwaffe aussah», erläutert Fischer. Wenn er als Politiker agiere, dann müsse er andere Überlegungen anstellen als ein Offizier im Dienst.

Die Privatperson Roland Fischer ist sehr ausgeglichen. Die Liebe zur Natur ist nicht nur Politgeplänkel, sondern eine Herzensangelegenheit. Wenn immer möglich, schnappt er sich sein Bike und fährt in die Berge. «Nichts hilft besser, um den Kopf durchzulüften», versichert er. Fotos seiner Ausflüge in der Zentralschweiz oder auch im Ausland zeigt er stolz auf seiner Webseite.

Die Inspiration für die «Energie- statt Mehrwertsteuer»-Initiative ist Fischer als Mitinitiator nicht etwa bei einer Radtour gekommen. «Bereits während des Studiums ist in Roland die Idee gereift, dass die externen Kostenverursacher für die Nutzung der nicht erneuerbaren Energien zur Kasse gebeten werden müssen», erinnert sich sein Studiumskollege Christoph Brutschin. Er und Fischer haben in Fribourg bereits viel über Politik diskutiert. Brutschin hat es dann in die SP verschlagen, er ist Regierungsrat in Basel-Stadt. Auch heute sind Brutschin und Fischer eng befreundet. «Roland ist ein glänzender Ökonom», lobt Brutschin. Dass Fischer ein zurückhaltendes Naturell habe, kann er nicht bestätigen. «Wir können herzhaft miteinander lachen.» Beispielsweise dann, wenn Fischer bei einer Jassrunde unter alten Uni-Kollegen derjenige ist, der am längsten braucht, bis er ansagt, wie viele Punkte er machen wird.

Mit GLP eine Lücke gefüllt

«Ich fand keine Partei, die für mich das richtige Profil hatte», sagt Fischer selber. Zentral war ihm schon immer die Vereinbarkeit von Umwelt und Wirtschaft. «Als die kantonale GLP in Zürich gegründet wurde, war für mich der Fall klar.»

Bevor sich für Fischer die Möglichkeit bot, politisch aktiv zu werden, hat er unter anderem bei der Eidgenössischen Finanzverwaltung gearbeitet. Dort war er auch für die Neugestaltung des Finanzausgleichs (NFA) mitverantwortlich. «Man merkt, dass er bei der Finanzverwaltung gearbeitet hat – er verfügt über ein grosses Wissen», sagt CVP-Nationalrat Leo Müller (Mitglied der Finanzkommission) über Fischer. «Seine Voten zum NFA fallen immer sehr sachlich aus, er hat nie Partei ergriffen», attestiert ihm Müller. Auch sonst sei Fischer ein ruhiger Typ. «Ich kann mir gut vorstellen, dass er und Martin Bäumle ein gutes Wahlkampf-Team sind», sagt Müller. Als stiller Schaffer könne Fischer wertvolle Arbeit im Hintergrund leisten. Er ermögliche es dem Parteipräsidenten Bäumle so, seine Position gut in der Öffentlichkeit zu vertreten.

Wie man eine erfolgreiche GLP-Symbiose eingeht, weiss Fischer indes bereits. Seit seiner Studienzeit ist er mit Parteikollegin und Luzerner GLP-Kantonsrätin Michèle Graber zusammen.

Carole Gröflin