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Parteiloser Luzerner Kandidat will in den Ständerat und das Klima retten

Der 33-jährige Florian Studer kandidiert für den Ständerat. Er setzt ganz auf das Thema Klima – und verfolgt einen unkonventionellen Plan.
Lukas Nussbaumer

Er bezeichnet sich als Landei, lebt im Schönbühlquartier in Luzern, ist Agronom und Unternehmer, parteilos – und weiss, was er will: Florian Studer ist der am Montag überraschend als siebter Luzerner gemeldete Ständeratskandidat.

Der 33-jährige Florian Studer kandidiert als Parteiloser für den Ständerat. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 28. August 2019)

Der 33-jährige Florian Studer kandidiert als Parteiloser für den Ständerat. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 28. August 2019)

Der 33-jährige verheiratete Vater von zwei Buben setzt voll auf die Rettung des Klimas. «Wir haben nur noch zehn Jahre, um die Klimakrise abzuwenden. Nun braucht es echte Lösungen und keine schlechten Kompromisse», sagt der ausgesprochen motiviert wirkende Newcomer. Und er betont: «Ich trete an, um gewählt zu werden.» Das wäre zwar eine Überraschung, räumt er ein. Und schiebt gleich nach: «Für Überraschungen habe ich schon oft gesorgt.»

Innovative Schweiz soll mit gutem Beispiel vorangehen

Dass es ihm ernst ist mit seiner Kandidatur, darüber lässt der in Hüswil an der Kantonsgrenze zu Bern als Sohn eines KMU-Inhabers aufgewachsene Florian Studer keine Zweifel aufkommen. Und er ist überzeugt: Es ist noch nicht zu spät. Die Schweiz, Europa und die Welt können das Klima noch retten. «Wir Schweizer sind innovativ, wir können vorangehen, unsere Hausaufgaben machen und ein gutes Beispiel für andere Nationen sein.» Beispiele, wie der CO2-Ausstoss gesenkt werden kann, zählt Studer, der die Kantonsschule in Hitzkirch und Baldegg besucht hat, viele auf. Eines:

«Die Pensionskassen sollen ihre Millionen statt in Aktien doch in Solaranlagen investieren und so die Energiewende herbeiführen.»

Studer fordert nicht nur von Politikern, Firmen und Institutionen einen Wandel, er lebt ihn selber vor. «Ich bin einer von der Generation Easyjet und bis vor kurzem selber mit der Familie in die Ferien geflogen. Heute nehmen wir den Zug, fahren E-Bike – und empfinden das nicht als Verzicht, sondern als Bereicherung.» Auch seinen Fleischkonsum hat Studer stark reduziert. Innert dreier Wochen habe er sechs Kilo abgenommen, und es gehe ihm dabei blendend.

Trotz klar und mit Verve vertretener Botschaft wirkt der Hobby-Kajakfahrer und -Jogger nicht belehrend. Studer betont, er wolle nicht dogmatisch sein, andere respektieren und nicht mit dem Finger auf SUV-Fahrer zeigen. Eines seiner Ziele im Wahlkampf sei es denn auch, über den Klimawandel, die Folgen und die möglichen Rettungsmassnahmen zu informieren. Damit will der ETH-Agronom, der neben dem Aufbau seiner Schokolade-Firma Schöki auf dem Nidwaldner Landwirtschaftsamt arbeitet, möglichst viele Wähler an die Urne locken. Die Wahlkampagne soll in etwa zwei Wochen starten, Hauptkanäle für die Verbreitung seines Programms seien Instagram und Youtube.

Ältere Personen für die Kinderbetreuung einsetzen

Über den Klimawandel weiss Florian Studer alles. Doch was hält der laut eigenen Angaben gut auf seine Work-Life-Balance achtende Ständeratskandidat von einer Erhöhung des Rentenalters? Und soll die Schweiz einen EU-Beitritt anstreben? Für Antworten auf diese Fragen lässt sich der redegewandte Parteilose etwas mehr Zeit. Künftig länger zu arbeiten, sei aufgrund der steigenden Lebenserwartung «wohl eine Notwendigkeit, aber nicht einfach weiter im Vollpensum im gleichen Job». Diese Personen könnten sich doch für die Gesellschaft engagieren, beispielsweise in der Kinderbetreuung, wo seit langem Personalbedarf bestehe.

In die EU will Studer die Schweiz nicht führen. «Dieses Gebilde krankt im Moment zu fest. Aber wir müssen mit den europäischen Staaten eng zusammenarbeiten, wenn wir das Klima retten wollen. Die grossen Fragen kann die Schweiz nicht alleine lösen.»

Er wäre der erste Ständerat im Job-Sharing

Zusammenarbeiten will der Mann, der Themen gerne gründlich erklärt, auch als Ständerat – mit einer Frau im Job-Sharing. Als gewählter Ständerat würde Studer in Bern abstimmen, die noch nicht bestimmte Co-Ständerätin wäre gleichberechtigte Politikerin, die bei einer Wahl Studers in vier Jahren seine Nachfolge antreten soll. Klappt es mit der Wahl im zweiten Wahlgang – von einem solchen geht Studer aus –, würden er und die Co-Ständerätin gemeinsam Wahlkampf machen.

Wer mit Florian Studer spricht, merkt schnell: Der Mann ist voller Tatendrang. Und er ist ein Querdenker – «eine Eigenschaft, die ich von meinem Vater habe». Kandidiert er deshalb als Parteiloser? Weil er sich in einer Partei verbiegen müsste? Als Parteiloser sei er niemandem verpflichtet, was ihn glaubwürdig mache. Er habe keine Lobby zu bedienen und sei deshalb für breite Bevölkerungskreise wählbar – die Bekämpfung des Klimawandels sei keine Fragen von rechts oder links. Doch das sei das Problem der Grünen: «Sie sind in der linken Ecke gefangen. Obwohl sie gute Klimapolitik machen, sind sie für viele nicht wählbar.» Nicht für Studer: Er will mit allen Parteien zusammenarbeiten, die mit ihm den Klimawandel stoppen wollen.

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