Interview

Pater Uwe ist neuer Vikar in Emmenbrücke: «Ich bin nicht derjenige, der in Bars auf Tischen tanzt»

Die Pfarrei St. Maria in Emmenbrücke hat einen neuen Vikar: Der 52-jährige Uwe Vielhaber ist seit langem der erste Dominikanermönch, der in der Zentralschweiz pastoral tätig wird. Obwohl ihm die Tradition der Kirche am Herzen liegt, will er auch neue Wege gehen – etwa zusammen mit Künstlern.

Remo Wiegand
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Der neue Vikar Uwe Vielhaber (52) in der Kirche der Pfarrei St. Maria in Emmenbrücke. (Bild: Boris Bürgisser, 26. August 2018)

Der neue Vikar Uwe Vielhaber (52) in der Kirche der Pfarrei St. Maria in Emmenbrücke. (Bild: Boris Bürgisser, 26. August 2018)

Pater Uwe, was darf die Pfarrei St. Maria mit Ihnen erwarten?

Eine meiner Aufgaben ist, hier würdige Gottesdienste zu feiern. Als Priester und Ordensmann liegt mir die Tradition der Kirche am Herzen. Ich bin eher der geistlich-kontemplative Typ und arbeite gerne im Hintergrund. Ich bin nicht derjenige, der in Bars auf Tischen tanzt. Es gibt Seelsorger, die können das. Aber ich möchte allen Menschen als Bruder und Freund begegnen, so wie ich mit Jesus Christus eine Freundschaft pflege.

St. Maria liebäugelt mit dem Konzept einer City-Kirche für ein urbanes, kulturaffines Publikum. Wie stehen Sie dazu?

Ich kenne das ehrlich gesagt noch nicht im Detail. Aber ich möchte da gerne etwas machen. Das niederschwellige Citykirchen-Modell bietet beste Möglichkeiten, Passanten zu einem Besuch der Kirche zu motivieren und den Glauben bekannt zu machen. Die Kirche soll auch mit Künstlern in Dialog treten. Es gibt da natürlich schon eine Spannung, viele Künstler sind kirchenkritisch oder thematisieren auf plakative Art negative Emotionen. Aber das gilt es auszuhalten. Was da thematisiert wird, gehört zum Menschen. Manchmal muss man die Menschen aber auch vor künstlerischer Schärfe schützen.

Viele Menschen machen einen Bogen um die Kirche. Sie gilt als altbacken, frauenfeindlich und undemokratisch.

Die Kirche ist keine demokratisch verfasste Institution, denn es ist der Herr Jesus, der an der Spitze steht. In der sonntäglichen Eucharistiefeier bin ich es, der der Gottesdienstgemeinschaft vorsteht. Das heisst aber nicht, dass ich den Menschen darüber hinaus nicht geschwisterlich begegne. Aber es gibt Demokratie in der Kirche, zum Beispiel in unserem Orden. Kritiker verengen die Kirche zuweilen gerne auf ihre Hierarchie, sie sind fixiert auf die Strukturen. Dabei ist Kirche viel mehr. Zum Beispiel Seelsorge. Gerade dort erlebe ich, wie persönlich erfahrenes Leid einem geradezu entgegen schreien kann, das zunächst als Strukturkritik am Priestertum verpackt war.