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PATROUILLE: Wenn ein Sugus Wunder wirkt

Remo Fallegger (36) präpariert seit 20 Jahren Skipisten in Sörenberg, betreut Lifte und rettet verunfallte Skifahrer. Der Bauer wartet jeweils sehnsüchtig auf den Saisonstart, ist aber genauso froh, wenn sie vorbei ist.
Roger Rüegger
Hier kennt er sich aus: Remo Fallegger auf der Piste in Sörenberg. (Bild: Dominik Wunderli (17. November 2017))

Hier kennt er sich aus: Remo Fallegger auf der Piste in Sörenberg. (Bild: Dominik Wunderli (17. November 2017))

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

Remo Fallegger, Sie können während der Arbeit Ski fahren, mit dem Pistenfahrzeug den Berg hochbrettern und erst noch mitbestimmen, wann es schneit. Viel besser kann ein Job doch nicht sein?

Das kann man so sehen. Mit dem Pistenfahrzeug fahre ich aber nicht mehr regelmässig.

Ist Pistenbully-Fahren nicht der coolste Job der Welt?

Wenn man einen Hof mit Mutterkuhhaltung führt, dann ist das nicht so. Die Bullys sind ab der letzten Talfahrt um 16 Uhr bis 1 Uhr nachts im Einsatz. Die Morgenpräparation beginnt um 4 Uhr und dauert bis zur ersten Bahnfahrt. Zu diesen Zeiten herrscht in meinem Stall Hochbetrieb.

Welche Arbeit im Skigebiet passt am besten zur Arbeit auf Ihrem Hof?

Ich bin am Lift beim Anbügeln und an der Kasse im Einsatz. Zudem bin ich für die Pistenpatrouille eingeteilt. Wir sind verantwortlich für die Sicherheit auf den Pisten und dass die Signalisationen und Absperrungen installiert sind. Wir machen auch den Feinschliff im Schnee. Etwa, wenn das Pistenfahrzeug Furchen hinterlässt. Das ist aber fast nie der Fall. Wir haben keine Baustellen, weil unsere Maschinisten top sind.

Sie als alter Hase bringen den neuen Kollegen bestimmt bei, wie man eine Piste sauber präpariert?

Zum Teil instruieren wir routinierten Maschinisten die Neuen. Wenn Not am Mann ist, springe ich auch als Aushilfe ein. Auf der Piste bin ich lieber auf den Ski als in der Bullykabine unterwegs.

Es ist gut, wenn man Sie kennt, schliesslich sind Sie im Notfall der Mann mit dem Rettungsschlitten. Doch Lust auf Abenteuer hat in dieser Situation wohl keiner. Wie erleben die Verunfallten eine Fahrt mit Ihnen?

Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Bei den Leuten, die ich ins Tal bringe, kommt mein Einsatz unterschiedlich an. Für einige ist es selbstverständlich, dass sie wohlbehütet nach unten geführt werden, andere zeigen sich sehr dankbar.

In welcher Form?

Es kann sein, dass jemand Schokolade vorbeibringt und mir mitteilt, welche Verletzung er sich zugezogen hat. Ein Gast, den ich vor Jahren mit dem Rettungs­helikopter abholen liess, lächelt mich noch heute an, wenn wir uns begegnen. Wir kennen uns vom Sehen her schon lange und waren immer per Sie. Heute duzen wir uns wie Freunde, obwohl wir nie Duzis gemacht haben.

Wer entscheidet, wann der Rega-Helikopter gerufen werden muss?

Wir sprechen das mit den Patienten ab. Wenn jemand aber mit gebrochenem Handgelenk auf dem Helikopter besteht, weil er Rega-Mitglied ist, kann ich das nicht immer verantworten. Es könnte andernorts jemand mit einer schweren Kopfverletzung auf diese Hilfe warten. Wenn der Heli wegen einer Kleinigkeit im Einsatz wäre, hätten wir andernorts ein Problem.

Die Situation richtig einzuschätzen, ist sicherlich nicht immer einfach?

Es gelang mir fast immer. Bei einem Mann, der immer lächelte, war es allerdings anders. Er hatte seine Schulter ausgekugelt und wollte mit dem Schlitten befördert werden. Er meinte, der Heli sei übertrieben. Als er sich auf den Schlitten legte und den Arm heben wollte, wurde er kreidebleich. Er liess sich schliesslich dann doch auf dem Luftweg abholen.

Und wie ist es mit verletzten Kindern?

Bei Kindern ist die Art der Verletzung viel schwieriger festzustellen, weil deren Schmerzempfinden unterschiedlich ist und viele panisch reagieren. Da habe ich einen Trick. Mit einem Sugus beruhigen sich die meisten rasch.

Da zeigt sich Ihre Routine.

Das Problem ist nur, dass ich Sugus selber auch sehr gerne mag.

Wie wird man eigentlich Pistenpatrouilleur?

Wir absolvieren einen zehntägigen Ausbildungslehrgang und Wiederholungskurse. Vorausetzung ist, dass man gut Ski fahren kann, im Tiefschnee und beim Aufstieg mit Fellen. Und man muss natürlich mit dem Schlitten umgehen können.

Die Pistenpatrouille macht die letzte Talabfahrt. Wie tolerant sind Sie, wenn Leute den Sonnenuntergang auf der Piste geniessen wollen?

Das ist nicht möglich. Wenn die letzte Bahn gefahren ist, nehmen wir alle mit hinunter. Wenn die Pistenbullys losfahren, darf niemand mehr unterwegs sein, das wäre zu gefährlich. Das müssen wir auch den Tourenfahrern immer wieder eintrichtern, die am Abend noch unterwegs sind.

Werden die Jungs von der Patrouille mit dem flotten Fahrstil auch mal zu einem Drink eingeladen?

Das ist eher Sache der Skilehrer.

Sie sind seit 20 Jahren im Winterdienst. Wie sehr hat sich Ihre Arbeit verändert?

Es gibt mehr Gesetze und Vorschriften. Die Bullys fahren heute nur noch nach Bahnschluss. Auch die Markierungen haben sich verändert. Vor einigen Jahren waren Pisten nur einseitig markiert. Heute muss auf beiden Seiten abgegrenzt werden.

Stimmt es, dass einheimische Knirpse in Wintersportorten früher Ski fahren können als gehen?

Nur beinahe. Aber wir bewegen uns tatsächlich schon in jungen Jahren auf der Piste. Unsere beiden älteren Kinder sind im Winter sieben Tage die Woche im Schnee. Erst mit dem Bob, bald auf den Ski.

In Sörenberg ist die Anzahl der Schneesportler überschaubar. Kennen Sie viele Kunden aus früheren Jahren?

Sehr viele! Die meisten, die als Kinder mit ihren Eltern hier Ski fahren lernten, kommen später mit ihrem Nachwuchs wieder nach Sörenberg. Auch wenn sie jahrelang nicht mehr hier waren.

Gibt es auch weniger schöne Seiten in Ihrem Job?

Das würde ich so nicht sagen. Aber wenn der Frühling naht, habe ich’s mit dem Skifahren und dem Schnee langsam gesehen. Ich freue mich dann auf die Alp und auf die Arbeit in meinem Betrieb.

Neben Ihrer Arbeit bei den Bergbahnen führen Sie einen Betrieb, sind Vater von drei Kindern, präsidieren den Jodlerklub Echo, sind bei den Trychlern und gehen auf die Jagd. Wann schlafen Sie?

Ich habe genug Erholung. So wie es jetzt ist, passt es für mich. Morgens und abends kann ich im Stall arbeiten. Ich bin mit Leib und Seele Bauer, aber ich liebe auch meinen Job bei den Bergbahnen. Sicherlich werde ich auch die nächsten 50 Jahre auf der Piste sein.

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