PAUL RÜDISÜHLI: Surseer möchte weltgrösste Kugelbahn bauen

20'000 Franken Materialkosten und 1000 Stunden Arbeit hat er bereits in sein Werk investiert – und es sollen noch mehr werden. Paul Rüdisühli verfolgt eine Vision: die grösste Kugelbahn der Welt.

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Wartet auf den Start: Die Eisenkugel in der labyrinthartigen Bahn. (Bild Stefan Fellmann/pd)

Wartet auf den Start: Die Eisenkugel in der labyrinthartigen Bahn. (Bild Stefan Fellmann/pd)

Seit 19 Jahren fabriziert der 47-Jährige (siehe Bild unten; Stefan Fellmann/pd) Kugelbahnen und Eisenplastiken; unter anderem steht eine seiner zusammengeschweissten Bahnen im Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. Mit seinem neuesten Projekt «Nirvana» verfolgt Paul Rüdisühli ein ehrgeiziges Ziel: Das 500 bis 600 Meter lange Werk, das voraussichtlich Ende Januar 2010 fertiggestellt sein wird, soll den Sprung ins «Guinness-Buch der Rekorde» schaffen. «Weit über» 1000 Stunden Arbeit hat der Künstler bereits in die Konstruktion gesteckt, deren Materialwert rund 20'000 Franken beträgt, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Mit Eigenmitteln finanziert
«Bis heute hat Paul, der zwischendurch als Taxifahrer arbeitet, keine Unterstützung von Kultur-Stiftungen und Sponsoren erhalten. Das soll sich nun ändern», sagt Peter Müller aus Oberkirch, der Rüdisühlis Werkstatt in Sursee im vergangenen Oktober besucht hat und von den Kreationen des Künstlers begeistert war. Müller, der die Pressearbeit, Vermarktung und Sponsorensuche übernimmt, ist «überzeugt, dass die längste Kugelbahn der Welt ein Publikumsmagnet wird». Er stehe in Kontakt mit verschiedenen Shopping-Centern (Emmen, Sihlcity, Westside), welche Interesse zeigten, das Werk, das eine Hommage der vergangenen 40 Jahre darstellt und auch Musik machen kann, im kommenden Jahr auszustellen.

Müller verfügt über das Exklusiv-Verkaufsrecht der Kugelbahn. Es gehe ihm aber nicht darum, mit einer anfallenden Provision das grosse Geld zu machen, sondern Rüdisühli davor zu bewahren, das Kunstwerk unter seinem Wert zu verkaufen. Eine «minimale Provision» stehe Müller erst ab einem «sehr hohen Verkaufswert» zu. Dass Rüdisühli in so bescheidenen Verhältnissen leben müsse, habe ihm Leid getan, so Müller. «Konkret habe ich ihm fürs Erste mit einem privaten Darlehen ausgeholfen, damit er im Winter über die Runden kommt.»

Künstler schläft im Atelier
Denn hinter «Nirvana» steht auch ein persönliches Schicksal: «Paul investierte sein ganzes Einkommen der letzten drei Jahre in dieses Projekt», berichtet Müller. Unter anderem wurde ein spezieller, spiegelglatter Boden verlegt. Beim Sozialamt habe sich der Künstler bis heute nicht melden wollen – obgleich dieser sich weder eine Wohnung noch ein Auto leisten könne, auch keine Krankenversicherung habe und im Dachbau seines improvisierten Ateliers in Sursee schlafe. Wegen Rüdisühlis schwierigen sozialen Lage sei das Megaprojekt auch schon mehrmals ins Stocken geraten – und einmal von seiner Freundin Marta abgesehen, hätten sich im Laufe der Zeit zahlreiche Menschen von dem Tüfftler abgewandt.

Peter Müller ist zuversichtlich, dass ein Namens-Sponsoring, Ausstellungen, der Verkauf und auch der Eintrag ins «Guinness-Buch» zustande kommen. Was Letzteres anbelangt, gilt es nur noch eine Unwägbarkeit zu meistern: Die Jury mit Sitz in London muss nämlich noch abklären, ob Rüdisühlis Werk aufgrund der Grösse der Kugel der Sparte «Murmelbahnen» zugeordnet werden kann. Hier wäre der Rekord auf jeden Fall leicht zu toppen: Die bisherige Nummer 1 ist gerade einmal 210 Meter lang. Alternativ wäre aber auch die Schaffung einer neuen Kategorie möglich. Wie etwa bei der sich im Juweliergeschäft Bucherer am Luzerner Schwanenplatz über vier Stockwerke erstreckenden Kugelbahn-Uhr, die ebenfalls den Eintrag ins «Guinness Buch» geschafft hat.

Dave Schläpfer

Kurzes Video zur Kugelbahn: