Pausenplatz auf 1300 Metern Höhe: Zu Besuch in der Bergschule Stoos 

Sechstklässler, die mit Kindergärtlern rechnen, Turnunterricht auf der Skipiste und Eltern, die Theaterbühnen bauen: Der Alltag in der kleinen Bergschule Stoos ist geprägt von Kreativität und Flexibilität. Doch sie kämpft auch um ihr Überleben.

Stephan Santschi
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Auf dem Stundenplan steht ­Mathematik, eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Die kleine Gruppe geht das Thema aber auf besondere Weise an. Der Sechstklässler löst Dezimalbrüche, die Viertklässlerin addiert Einkaufspreise. Der Zweitklässler beschäftigt sich am Laptop mit ­Minusrechnen und der Kindergärtler zeichnet geometrische Formen nach. «Abwechslungsreicher geht nicht mehr», sagt Andrea Betschart.

Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild: Pausenaktivitäten der Kinder. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
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Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild: Pausenaktivitäten der Kinder. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild: Pausenaktivitäten der Kinder. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild: Pausenaktivitäten der Kinder. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist ein Einblick ins Klassenzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist ein Einblick ins Klassenzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild ein Blick in das Schulzimmer.(Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild ein Blick in das Schulzimmer.(Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild ein Blick in das Schulzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild ein Blick in das Schulzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild ein Blick in das Schulzimmer.(Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist ein Einblick ins Klassenzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist ein Einblick ins Klassenzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist ein Einblick ins Klassenzimmer. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))
Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Auf dem Bild zu sehen ist die Klasse unter der Lehrerin Andrea Betschert-Steiner beim Basteln von Fasnachtskostümen. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))

Einblick in den Schulalltag der Bergschule Stoos. Im Bild: Pausenaktivitäten der Kinder. (Bild: Pius Amrein (Stoos, 8. Februar 2019))

Sie ist die einzige Lehrerin im Vollpensum an der Bergschule Stoos. «Meine Kolleginnen an der Pädagogischen Hochschule meinten, ich spinne ja, wenn ich hier raufgehe», erzählt die 29-Jährige und lacht. Sie spreche die gleiche Sprache wie die Kinder vom Land, wuchs sie doch auf der anderen Seite des Tals in Ri­cken­bach auf. Momentan könne sie sich keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen. Unterstützt wird sie von Kindergarten- und Unterstufenlehrerin Ursula Birrer, während Schulleiterin Monika Kälin und zwei weitere Fachlehrpersonen das Team ergänzen. «Der Aufwand ist gross, doch wir haben eine Traumbesetzung», schwärmt Kälin über ihr Personal.

Vor einigen Jahren drohte die Schliessung

14 Kinder gehen auf dem Stoos zum Unterricht, das jüngste ist vierjährig, die ältesten sind 12. «Die Erstellung des Stundenplans ist jedes Jahr eine Zangengeburt», so Kälin. Wenn möglich, wird in Gruppen unterrichtet – so wie eben in der Mathematik, wo sämtliche Altersstufen im selben Raum arbeiten. «Die Kinder lernen so voneinander. Schon zu Hause auf den Bauernhöfen werden sie selbstständig. Wer es noch nicht ist, wird es bei uns schnell werden», berichtet Kälin.

Gelegen ist die Bergschule auf 1300 Metern, angeschlossen ist sie der Schulgemeinde Morschach. Grossanlässe wie Sporttage, Herbstwanderungen oder Lager werden mit der Schule in Morschach durchgeführt. «Vor einigen Jahren war ich aber sehr pessimistisch. Ich dachte, dass es die Bergschule Stoos nicht mehr lange geben wird», gesteht Kälin. Das Einzugsgebiet nämlich ist sehr klein, das Bergdorf hat 150 Einwohner. Nachdem nur noch neun Schüler gezählt worden waren, drohte die Schliessung. Daraufhin gründeten besorgte Eltern eine Arbeitsgruppe, um sie zu erhalten. «Wie die Eltern sich hier engagieren, habe ich sonst nirgends erlebt», versichert Kälin. «Wenn wir einen Weihnachtsmarkt organisieren, zimmert ein Vater einen Stand. Wenn wir einen Brunch machen, liefern die Eltern Zopf, Käse und Eier. Wenn wir ein Theater aufführen, bauen sie die Bühne.»

Eltern gehen auf die Suche nach neuen Schülern

Theo Rüegg, Landwirt und Schreiner auf dem Stoos. «Die ­Situation mit der Bergschule ist perfekt, sonst müssten wir unsere Kinder nach Morschach oder Muotathal schicken», sagt er. Verliere der Stoos die Schule, dann verliere der Ort seine Seele. «Aufgeben, das gibt es für uns deshalb nicht.» Und so machen sich die Eltern auf die Suche nach Schülern, sprechen vor allem die Familien von neu eingetroffenen Arbeitskräften an. Davon soll es künftig noch mehr geben. Mut macht ihnen die neue Standseilbahn, die Ende 2017 in Betrieb genommen worden ist. Von Schwyz aus bringt das Wunderwerk der Technik die Besucher mit bis zu 110 Prozent Steigung (47 Grad) ins Wintersport- und Wanderparadies – das ist Weltrekord. Mehr Touristen bedeuten mehr Beschäftigte in Hotellerie und Gastronomie, und das ist die Chance für die Bergschule. Den Kindern jedenfalls fehlt es an nichts. Auf vier Stockwerken finden sich Klassen- und Spielzimmer, eine Bibliothek und ein Werkraum. Trotz bescheidener Schülerzahl herrscht Multikulti, neben Schweizern und Italienern zählen Tibeter und Afghanen zur Gemeinschaft. Die Zugehörigkeit zum Buddhismus oder Islam hindert die auslän­dischen Kinder nicht, am Religionsunterricht teilzunehmen. «Ihre Familien sehen es als Weiterbildung. Hier oben ist vieles sehr familiär und unkompliziert», erklärt Kälin.

Kleine Klasse mit viel Solidarität

Im Winter werden die Turnlektionen zum Skifahren genutzt, im Sommer steht eine ehemalige Reithalle zur Verfügung. Die Schwimmeinheiten finden im Wellnesshotel statt. In der Testphase ist eine Tagesstruktur, sprich: Eine Mutter kocht zu Hause Mittagessen für die Kinder. Den Schulweg legen sie auf Ski oder im Bob zurück. Die Morgenpause dauert mit 30 Minuten länger als anderswo, damit ausgiebig in der Natur gespielt werden kann. Wenn sie vom Plausch im Tiefschnee zurückbeordert werden, macht das keine Glocke, sondern die Klassenlehrerin mit einem klingenden «Inecho!».

Wieder hinter der Schulbank sitzend, gehen sie erstaunlich ­gesittet ihren Pflichten nach. «Es hat nicht zu viele und nicht zu wenige Kinder. Mit allen kann ich spielen, das gefällt mir», sagt der 12-jährige Sengge aus Tibet, dessen Eltern auf dem Stoos arbeiten. «Wir helfen einander und machen Spässchen», sagt der 10-jährige Stöösler Ronny, der sich liebevoll um den 6-jährigen italienischstämmigen Noah kümmert, wenn dieser eine Frage hat. Alles bestens also? «Nein, wenn wir Zähne putzen müssen, finde ich das nicht gut», moniert Noah. Vor Alltagsproblemen ist man eben auch auf dem Stoos nicht gefeit. Doch hier oben entschädigt die atemberaubende Aussicht für vieles.