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Choreograf «Johnny» dirigiert seine Fliegerstaffel hoch im Himmel

In Formation einen Looping fliegen oder hoch im Himmel ein flüchtiges Rauchherz durchstechen: Cyril Johner orchestriert den Lufttanz der neun Pilatus PC-7 Flugzeuge. Seit 30 Jahren sorgt das PC-7-Team für Luftspektakel.
Hannes Bucher
Pilot Cyril Johner mit einer PC-7 auf dem Flugplatz Emmen. (Bild: Manuela Jans-Koch, 25. April 2019)

Pilot Cyril Johner mit einer PC-7 auf dem Flugplatz Emmen. (Bild: Manuela Jans-Koch, 25. April 2019)

Da sind einerseits die Luft-Shows der donnernden Tiger-Jets der Patrouille Suisse, die national und international mit ihren spektakulären Flugvorführungen von sich reden machen. Da sind aber noch drei weitere Vorführteams der Armee, die ebenso das Publikum bannen und die Einsatzbereitschaft und die Leistungsfähigkeit der Armee demonstrieren: das F/A-18 Solodisplay, das Super Puma Display Team und im Speziellen auch das PC-7 Team.

«Mit Können, Lust und Leidenschaft» – so heisst ein eben im Stämpfli Verlag erschienener farbiger Bildband. Darin wird in grossformatigen Bildern etwa gezeigt, wie die neun Piloten der Pilatus PC-7 Schulflugzeuge in drei Meter Abstand «fadegrad» auf dem Rücken im Looping fliegen; wie sie spektakuläre Rauchbilder wie etwa ein Herz in den Himmel zeichnen, welches dann mit grösster Präzision von einem Flugkameraden durchstochen wird; es wird gezeigt, wie sie einen «Tunnel», einen «Pacman» oder einen «Vulcan» formieren und durchfliegen.

In der Tat: Die neun Piloten schlagen der Schwerkraft noch und noch ein Schnippchen. In drei Metern Abstand, in beliebiger Lage, bei jedem Tempo treiben sie ihr luftiges Spiel. Es versteht sich, dass da absoluter Gleichklang im Team gefordert ist, blindes Vertrauen zu einander unabdingbar ist für das Gelingen. Und dazu braucht es einen «Dirigenten», einen «Chef», der den Stab für dieses spektakuläre Luft-Ballett in seinen Händen führt, die ganze Abfolge orchestriert.

F/A-18-Pilot und Fluglehrer «Johnny»

Da steht der Dirigent, der Leader des PC-7 Team der Schweizer Luftwaffe vor einer PC-7-Maschine auf dem Flugplatz Emmen. Es ist der 36-jährige Cyril Johner, gebürtiger Zürcher, aktuell wohnhaft in Kriens. Auf dem Piloten-Overall steht sein Fliegerspitzname: «Johnny». Seit acht Jahren gehört er dem PC-7 Team an, seit zwei Jahren ist er dessen Leader. Quasi im Zusatzamt. Sein hauptberuflicher Arbeitsplatz ist – wie könnte es anders sein – ebenfalls ein Cockpit, allerdings geht dort die «Luftpost» noch einiges schneller ab als im PC-7: Cyril Johner, im militärischen Rang eines Hauptmanns, ist seit 2011 F/A-18 Berufsmilitärpilot in der Fliegerstaffel 11 in Meiringen. Zwischendurch arbeitet er als Fluglehrer auf dem Pilatus PC-21, auf dem PC-7 und ist seit diesem Jahr auch Fluglehrer auf dem F/A-18. Trotzdem: Er hat sich nicht allein der Fliegerei verschrieben: Da gab es auch Platz für ein akademisches Studium: 2016 hat er an der Uni Luzern den Master in Law abgeschlossen.

Die Fliegerei begleitet Johner seit der Kindheit: Er erzählt, wie er schon als kleiner Bub, wenn die Familie mit dem Flugzeug in die Ferien ging, ein Logbuch geführt habe. Bei einer Flugshow in Emmen hat er als Jugendlicher den F/A-18 fliegen sehen: «Für mich ein Schlüsselerlebnis. Von da an wollte ich Jetpilot werden.» Nun, er hat den Traum Wirklichkeit werden lassen. Was ist es, was ihn an der Fliegerei derart packt? «An der Militäraviatik faszinieren mich die Dynamik, die Nähe zur Grenze der Aerodynamik, sowie die Kameradschaft, die uns alle verbindet. Schliesslich ist man – selbst im F/A-18 Einsitzer – immer im Team unterwegs.»

Respekt statt Angst als Begleiter

Dieses Team, wenn es in der Luft gemeinsam daherkommt, braucht einen Chef. Cyril Johner sagt zu dieser Rolle: «Als Leader trage ich die Verantwortung für das ganze Team. Aber die Vorführung gelingt nur, wenn jeder Einzelne eine Topleistung abliefert.» «Jeder Einzelne», das sind seine «Bambini Turbo», wie die Piloten vom PC-7 Team in der historischen Fliegersprache der Schweizerischen Luftwaffe heissen. An die 15 Vorführungen im In- und im Ausland absolvieren sie im Jahr. Der militärische Sinn dahinter? Einerseits werden dabei die Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Armee gezeigt und zudem würden junge Menschen motiviert, einen Beruf in der Aviatik zu ergreifen. Gerade auch für die F/A-18-Berufsmilitärpiloten biete das Fliegen im PC-7 Team eine weitere Gelegenheit, den Verbandsflug in tiefer Flughöhe und in grosser Formation zu trainieren und «dabei auf den Punkt genau eine Spitzenleistung abzurufen».

Nein, Angst fliegt beim Leader des PC-7 Team nicht mit. Zwar könne trotz äusserst minutiöser Vorbereitung in der militärischen Displayfliegerei nicht jegliches Risiko ausgeschlossen werden. «Angst wäre jedoch kein hilfreicher Begleiter», sagt der Berufsmilitärpilot. «Vielmehr stehen Respekt vor der Aufgabe, die seriöse Vorbereitung und eine möglichst fehlerfreie Durchführung an erster Stelle.» Ein prägendes Ereignis für das ganze Team war ein Zwischenfall im Februar 2017 an der Ski-WM in St. Moritz. Dabei touchierte ein Flugzeug des PC-7 Team das Kabel einer TV-Kamera. «Wir sind alle froh und dankbar, dass weder Piloten noch Zivilpersonen am Boden zu Schaden kamen», sagt Cyril Johner.

Kampfjet-Evaluation ist «unerlässlich»

Für den F/A-18 Kampfpiloten ist es unerlässlich, dass sich die Schweiz jetzt mit der Evaluation für einen neuen Kampfjet beschäftigt. «Damit wir über das Jahr 2030 hinaus – bis dahin kann die aktuelle F/A-18 Flotte gemäss heutigem Stand betrieben werden – für die Sicherheit im Schweizer Luftraum sorgen können.» Nur so könne das am besten geeignete Kampfflugzeug rechtzeitig gefunden und Piloten und Mechaniker ausgebildet werden. «Ich bin überzeugt, dass eine Mehrheit des Schweizer Volkes auch in Zukunft die Sicherung und die Verteidigung unseres Luftraumes befürwortet.»

Nochmals zurück zum PC-7-Team: Da freut sich der Teamleader, in diesem Jahr die 30-Jahr-Jubiläumssaison zu absolvieren «und auch in den nächsten Jahren noch viele Leute im In- und Ausland zu begeistern».

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